Erfahrungsbericht über abgebrochenen Auslandsdienst. Zwei Zivildiener mussten vorzeitig heimreisen.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 23. Mai 2020 (04:12)
Ben Schnell bei der Verleihung des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich für Foundation-Präsidentin Naomi Kramer – hier mit Botschafter Stefan Pehringer und Honorargeneralkonsul Marc Bissell.
privat

Der Verein „Österreichischer Auslandsdienst“ ist eine vom Sozialministerium anerkannte Trägerorganisation, die Teilnehmern die Möglichkeit bietet, Freiwilligen- bzw. Zivilersatzdienst im Ausland zu leisten. All das in Form eines Sozial-, Friedens- oder Gedenkdienstes. Über 60 junge Österreicherinnen und Österreicher waren auf allen fünf Kontinenten unterwegs, fast alle mussten wegen der Corona-Krise verfrüht die Rückkehr antreten.

Darunter auch zwei ehemalige Kindergartenfreunde aus Laab im Walde, Simon Hilscher (20) und Ben Schnell (19), die beide im Zeichen des Gedenkdienstes im Einsatz waren.

Hilscher, Absolvent der HTL Mödling, Abteilung Wirtschaftsingenieure, war im „Museum of Jewish Heritage“ in New York tätig, Schnell nach der Matura im Kollegium Kalksburg bei der „Holocaust Education and Genocide Prevention Foundation“ in Montreal (Kanada).

Simon Hilscher im Empfangsbereich des Museums in New York.
privat

Hilscher, seit seiner Kindheit ein Fan Amerikas, verkaufte Tickets im Besucherzentrum, war bei Übersetzungen und Doku-Arbeiten im Einsatz. „Ich habe sehr viel erlebt, es war sehr spannend“. Ebenso wie der Corona-bedingte Abbruch der Auslandstätigkeit. „Es gab vorerst eigentlich nur wenige Infos“, erinnert sich Hilscher – bis im Bundesstaat New York der Notstand ausgerufen wurde und seitens des Vereines „täglich Hiobsbotschaften über die Situation in Europa und Österreich eingetroffen sind“. All das erlebte Hilscher in Los Angeles mit, wo er bei ebendort tätigen Vereins-Freunden urlaubte. Allerdings nur drei der vorgesehenen zehn Tage, denn dann ging’s rasch zurück nach New York.

10.000 Euro für ein Ticket nach Wien

Noch am Weg dorthin wurde auf Anraten des Vereines ein Flug nach Wien gebucht. „Den ersten, den ich online gefunden habe, hätte 10.000 Euro gekostet“, staunte Hilscher nicht schlecht. Da war ihm klar, dass Flüge nach Europa Mangelware sind. Über Dublin kam er schließlich wohlbehalten in Wien an. Die Zelte in New York musste er völlig überhastet abbrechen, die wenigen Habseligkeiten konnte er bei Nachbarn deponieren oder verkaufen. Jetzt ist Hilscher in Homeoffice und macht deutlich: Beruflich und privat werde es ihn sicher wieder nach Amerika verschlagen. Abgesehen von den Corona-Wirren war Hilscher sehr dankbar, „Einblicke in die jüdische und viele andere Kulturen bekommen zu haben. Ich bin sehr froh, dass ich meinen Beitrag leisten konnte, die Gräueltaten des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“.

Schnell punktete bei der Foundation in Montreal vor allem mit Holocaust-Vorträgen – vorwiegend in Schulen. Das abrupte Ende der Auslandstätigkeit erfolgte auch bei ihm quasi von einer Stunde auf die andere. „Ich habe am Freitag erfahren, dass ich bis Montag Zeit habe, um nach Hause zu kommen.“ Er habe auch überlegt, in Montreal ins Homeoffice zu wechseln. Andererseits war da die Ungewissheit, wann es wieder Verbindungen nach Europa geben würde. Also habe er „am Montag um 6 Uhr gebucht, um 16 Uhr bin ich mit dem letzten AUA-Flug nach Wien gekommen“. Er hat seine Bleibe ausgeräumt, die Küchenutensilien stehenlassen: „Die hole ich nächstes Jahr ab“, hofft Schnell.

Sein Fazit: „Die Möglichkeit, als Gedenkdiener in Montreal zu arbeiten, hat mir die Chance geboten, mich intensiv mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen und einen Einblick in eine andere Kultur zu bekommen. Das Leisten von Aufklärungsarbeit an unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und das generelle Engagement als Zeichen an Überlebende des NS-Terrors und ihrer Nachkommen standen für mich dabei im Vordergrund.“

Beruflich will Schnell Wirtschaft studieren. Auch im Ausland.

www.auslandsdienst.at