Perchtoldsdorf: Ehrenvolles Ende der Ära Michael Sturminger

Erstellt am 05. August 2022 | 06:01
Lesezeit: 3 Min
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Bürgermeisterin Andrea Kö überreichte Michael Sturminger das Ehrenkreuz in Gold, Landtagsabgeordnete Marlene Zeidler-Beck gratulierte.
Foto: Foto Dworak
Hohe Auszeichnung für den Star-Regisseur und Langzeit-Intendanten der Sommerspiele.
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Dreimal führte Michael Sturminger in der Ära von Wolfgang Löhnert bereits Regie: 2002 („Geschichten aus dem Wienerwald“), 2003 (Was ihr wollt“) und 2005 („Tartuffe“). Seit 2014 hatte der Star-Regisseur selbst das kulturelle Sagen bei den Sommerspielen.

Seine Intendanz begann mit dem „Käthchen von Hellbronn“ und endete am Samstag mit der Dernière von „Molière oder Der Heiligenschein der Scheinheiligen“, einer extra für Perchtoldsdorf bearbeiteten Version des Stücks von Michail Bulgakow.

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Agnes Krenn, Schülerin der Franz Schmidt- Musikschule und prima-la-musica-Preisträgerin, zeigte beim Festakt ihr großes Können.
Foto: Foto Dworak

„Sie haben unser Sommertheater weit über die Grenzen Niederösterreichs bekanntgemacht und durch ihre Handschrift geprägt“, bedankte sich Bürgermeisterin Andrea Kö, im Rahmen der Feier im Festsaal der Burg, „Sie haben stets Mut zur Stückauswahl bewiesen, bei denen es gelungen ist, hochaktuelle Themen anzusprechen.“

Nicht zu vergessen auf das Projekt „Theater macht Schule“, wodurch es Sturminger gelungen sei, „das Publikum von morgen zu begeistern“.

Für „Bewegung“ im Publikum gesorgt

Für Landtagsabgeordnete Marlene Zeidler-Beck, ÖVP, hat Sturminger „Theater auf ein neues Level gehoben und wortwörtlich für neue Bewegung gesorgt. Wiener sind nach Perchtoldsdorf gekommen, um Hochkultur zu genießen.“ Und Zeidler-Beck leitete die Verleihung der Ehrung mit einem Zitat ein, das von Molière stammen soll: „Bloß Lob allein nützt einem nicht viel; da muss noch etwas Solideres hinzukommen.“ Sprach‘s und überreichte gemeinsam mit Kö das Ehrenkreuz der Marktgemeinde Perchtoldsdorf in Gold.

Damit steht Sturminger unter anderem auf einer Stufe mit Ex-Sommerspiele-Intendant (1981 bis 1996) Jürgen Wilke, Astronaut Franz Viehböck oder dem legendären Bürgermeister Paul Katzberger, ÖVP. Der sichtlich gerührte 59-Jährige – „Ich wurde noch nie geehrt“ – bedankte sich „für eine wunderschöne Zeit“ und war zufrieden, alle Ziele, die er sich als Intendant gesetzt habe, umgesetzt zu haben: Eine derartige Funktion müsse der Karriere förderlich sein, „ich muss sie lieben und die Kohle muss stimmen“, schmunzelte Sturminger.

Alle persönliche Vorstellungen erfüllt

Wenn zwei Punkte zutreffen, sei das schon in Ordnung, in Perchtoldsdorf hätten alle drei gepasst. Über Geld spricht man nicht – in der aktuellen Ausschreibung ist von 20.000 Euro die Rede –, nach „Was ihr wollt“ im Jahr 2003 folgte ein Engagement in Klagenfurt, und die Burg als Kulisse habe er lieben gelernt: „Ich konnte hier immer unser Theater konzipieren, ohne den Bezug zum Publikum zu verlieren.“

Dass die Marktgemeinde trotz finanzieller Engpässe auf die Fortsetzung der Sommerspiele setzt, sieht Sturminger positiv: „Eine gute Entscheidung. Ich denke, dass sie à la longue ein gutes Geschäft für Perchtoldsdorf sind.“ Kultur sei „eine Art lebensnotwendiger Luxus“, ist Sturminger überzeugt, „ich wünsche mir, dass es erfolgreich weitergeht. Ich helfe gerne mit, alles an meinen Nachfolger zu übergeben.“ Der neue Intendant oder die neue Intendantin wird aller Voraussicht nach schon Ende August feststehen. Die Bewerbungsfrist hat am Montag um 12 Uhr geendet.

Sturminger verabschiedete sich emotional: „Ich werde Perchtoldsdorf immer in meinem Herzen haben.“

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