Tarifänderung: Ohne Geld keine Musik. Musikschulverband Laxenburg/Biedermannsdorf streicht Förderung für Erwachsene. Das gefällt nicht allen Schülern.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 27. Juni 2020 (05:12)
Oliver Mulzelt und Astrid Grasnik mit dem Tarifblatt, das im Herbst in Kraft tritt. Grasnik trifft es doppelt, sie nimmt Gesangsunterricht und lernt auch Blockflöte.
Jandrinitsch

Die Aufregung ist groß unter den Musikschülerinnen und -Schülern des Musikschulverbandes der beiden Gemeinden. Zumindest wenn diese das 24. Lebensjahr vollendet haben und somit zu den Erwachsenen zählen. Denn in den Gemeindevorstandsitzungen von Laxenburg und Biedermannsdorf wurde beschlossen, die Subventionen der Gemeinde für die erwachsenen Musikschüler am September 2020 zu streichen.

Für Musikschulverbandsobmann und Laxenburgs Bürgermeister David Berl, ÖVP, war das ein notwendiger Schritt, um die in den letzten zehn Jahren extrem ansteigenden Kosten für die Musikschule in den Griff zu bekommen. Er meint: „Die Musikschule kostet dem Verband im Jahr 320.000 Euro, Laxenburg zahlt 160.000 Euro. Demgegenüber stehen Einnahmen von 250.000 Euro jährlich. Die Förderung des Landes Niederösterreich gibt es nur für Kinder und Jugendliche. Wir müssen die Beiträge für Erwachsene und Nicht-Verbandsmitglieder in den nächsten beiden Jahren auf ein kostendeckendes Niveau erhöhen, damit die finanzielle Stabilität der Musikschule nicht gefährdet wird.“

Für den 34-jährigen Musikschüler Oliver Mulzelt aus Biedermannsdorf und Grünen-Gemeinderätin Astrid Grasnik aus Laxenburg erhöhen sich damit die Tarife um mindestens 30 Euro pro Unterrichtseinheit.

Mulzelt nimmt Gesangsstunden, spielt in diversen Ensembles und fürchtet: „Die Qualität der Ensembles wird leiden, weil sich niemand mehr den Unterricht leisten kann. Bei diversen Festen werden wir Ensembles, die fast ausnahmslos alle aus der Musikschule hervorgegangen sind, gerne für Auftritte gebucht. Wir spielen ehrenamtlich, da sind aber die etwas erwachseneren Schüler im Gegensatz zu den Kindern eher gefragt. Es ist eben auch eine Sache der Erfahrung und der jahrelangen Übung im gemeinsamen Auftreten und Spielen, wie ein Ensemble klingt.“

Genauso sieht es Astrid Grasnik. „Altbürgermeister Heinrich Schneider hat die Musikschule aufgebaut, sie war immer generationenübergreifend konzipiert. Die Ensembles werden meist von Jugendlichen und Erwachsenen getragen, meiner Meinung nach zeigt die Tarifänderung keine Wertschätzung gegenüber der Musikschule.“

So dramatisch sieht Berl die Lage nicht. „Wir haben uns diesbezüglich mit den Lehrern und Personalvertretern lange zusammengesetzt und so wie auch Biedermannsdorf eine Lösung gefunden, die wir in der nächsten Gemeinderatssitzung beschließen werden. Die Musikschullehrer können Räume in der Musikschule anmieten und darin gegen Rechnung privat ihre ,großen’ Schüler unterrichten. Was die Lehrer verlangen, kann ich nicht beeinflussen, aber ich denke, es wird ein Tarif sein, mit dem beide Seiten leben können.“