„Nasenbohrer“ sind nicht mehr verpönt. Joesi Prokopetz’ Gedanken über plötzliche Arbeitslosigkeit, Impfstrategie und Wünsche.

Von Red. Mödling. Erstellt am 10. April 2021 (04:55)
Der etwas andere „Alltag“ von Joesi Prokopetz.
Karin Fendrich, Karin Fendrich

Joesi Prokopetz (69), Kabarettist, Buchautor, Schriftsteller und Texter vieler Ambros Lieder („Da Hofa“), geht davon aus, dass seine (Corona)-Situation für viele gilt. „Es hat damit angefangen, dass man von einem Tag auf den anderen plötzlich arbeitslos geworden ist. Ich habe aber Glück. Ich bin bereits ein bisschen älter. Seit meinem 65. Lebensjahr bekomme ich meine Pension. Unter anderem habe ich auch ein paar Evergreens geschrieben, dank der Tantiemen komme ich gut über die Runden und brauche mich nicht beklagen. Alles was Klage wäre, wäre eigentlich eine Frechheit“, betont Prokopetz.

„Was mich persönlich vor allem trifft, ist, dass ich nicht mehr spielen und in mein Lieblingskaffeehaus gehen darf.“ Die Pandemie selbst habe „uns alle zur Entschleunigung gezwungen und uns von der Einstellung ,Höher-Schneller-Weiter’ ein wenig heruntergebracht“, glaubt Prokopetz.

Geht es nach Prokopetz „würde ich die SCS und andere große Shopping-Center gar nicht aufsperren, denn dem Virus ist es egal, ob es der Wirtschaft gut geht oder nicht. Dafür darf man jetzt offiziell Nasenbohren. Allerdings nicht so unelegant mit dem Zeigefinger so wie früher, sondern mit einem dafür eigens gestaltenden Gerät. Wenn man jetzt zu jemanden ,Du Nasenbohrer’ sagt, ist es keine Beleidigung mehr“.

Was die „völlig unbediente Vokabel Impfstrategie“ betrifft, hält sie Prokopetz für „eine einzige Endlosschleife der Unzugänglichkeit. Ich blicke nach Israel. Die haben gefragt: ,Wie viel kostet das?’ Und als Antwort gab es ein: „Na geben sie fünf Millionen Dosen her.’ Bei uns hieß es nur: ,So teuer?’. Das ist typisch europäisch und österreichisch.“

Als „zweite Sauerei“ empfindet Prokopetz, dass „ich mir meinen Impfstoff nicht selbst aussuchen darf. Es ist wie in der DDR. Da haben sie früher gesagt, sie hätten gerne einen Mercedes, bekommen habe sie nur einen Trabi“.

Er sehnt die Zeit herbei, wenn er „einfach wieder in ein Wirtshaus, in ein Hotel gehen oder verreisen kann. Ich möchte nur meine Lebenskriterien zurück. Dafür zeige ich auch den Grünen Pass her“.

Von Wuchteln und Weltuntergang

In die Corona-Zeit passt Prokopetz’ aktuelles Buch „Alltag ist nicht ein Tag im All“ perfekt. Es hat nichts mit dem Weltall oder der Milchstraße, dem Urknall oder dem Sonnensystem zu tun, sondern mit dem Chaos, das Herr und Frau Österreicher tagtäglich über sich und andere bringen. „Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre“, nimmt Prokopetz an einem Zitat des Philosophen Friedrich Nietzsche Bezug.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die „Ybbsiade“, deren Intendant Prokopetz ist, heuer irgendwann über die Bühne gehen kann und auch die „Watzmann“-Tour (September bis November) nicht gestrichen werden muss.