Wirbel um gefällte Bäume in Achau. Die Maulbeerbäume wurden während des Zweiten Weltkriegs gepflanzt. Seit voriger Woche sind sie Geschichte.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. Februar 2021 (04:55)
Unter dem Weg der Maulbeerallee wird die Hauptwasserleitung der EVN verlegt, der Grund, warum die Bäume weichen mussten.
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Ein aufgeregter Anruf in der Redaktion, die Maulbeerbaumallee, die fußläufige Verbindung zwischen Bahnhof und Hennersdorfer Straße, könnte bald nicht mehr existieren. Die Bäume müssten weg, weil das Grundstück neben der Allee, dort, wo traditionellerweise das Maifest der SPÖ stattfindet, im Zuge eines Wohnbauprojekts es auch erfordert, die Hauptwasserleitung in Richtung Allee zu verlegen. Dabei wären die Bäume im Weg.

Die Bäume haben für viele Achauerinnen und Achauer große emotionale Bedeutung; sie wurden während des Zweiten Weltkriegs gepflanzt und dienten der Zucht von Seidenraupen für die Produktion von Fallschirmen. Die Maulbeerbaumallee in Achau sei die letzte im Bezirk gewesen. Kurz darauf zeigt ein Lokalaugenschein der NÖN, dass von den Bäumen nichts mehr zu sehen ist. Nur mehr die Stümpfe legen Zeugnis von der ehemaligen Allee ab, auch das Grundstück ist bereits baumfrei.

Bürgermeister Johannes Würstl, Bürgerliste Achau, bestätigt: „Ja, wir haben die Böume umgeschnitten. Das musste im Zuge des Wohnbauprojekts geschehen, das bereits vor drei Jahren im Gemeinderat beschlossen wurde. Jetzt wird es konkreter mit der Umsetzung. Der Alleeweg wird von etwa sieben Metern auf vier Metern verschmälert, wir konnten aber den Weg erhalten, das war im ursprünglichen Projekt gar nicht vorgesehen.“

Fußverbindung konnte erhalten werden

Die drei Meter wurden dem Baugrundstück zugeschlagen, die Verlegung der Wasserleitung, die unter dem Grundstück durchgeht, ist tatsächlich notwendig, „weil die Wasserleitung von der EVN betrieben wird und sich unter öffentlichem Gut befinden muss, nicht unter einem Privatgrundstück“, betont Würstl. Er relativiert aber: „90 Prozent der Bäume waren kaputt, wir planen, entsprechende Bäume nach der Wasserleitungsverlegung zu pflanzen.“

SPÖ-Gemeindeparteiobmann Rudolf Moser erklärt: „Ursprünglich wollte die Gemeinde selbst ein Wohnbauprojekt auf diesem Grundstück verwirklichen. Wir sind immer dafür eingetreten, dass das zu teuer käme und es gescheiter sei, wenn das eine Wohnbaugenossenschaft macht. Das Grundstück wurde in der Gemeinderatssitzung vor Weihnachten an die Wiener Neudorfer Wohnbaugenossenschaft verkauft, die jetzt ein entsprechendes Projekt plant und umsetzt.“ Die Bäume habe die Gemeinde nicht aus „Jux und Tollerei umgeschnitten, sondern weil wir mussten. Es ist unabdingbar, dass die Wasserleitung unter öffentliches Gut verlegt wird. 90 Prozent der Bäume sind sowieso kaputt gewesen“.

Die Bauarbeiten sollen demnächst starten.