Polizeitrick: Mann aus dem Bezirk Mödling geschnappt. Mann aus Bezirk Mödling wollte 30.000 Euro von 77-Jähriger abholen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 24. Mai 2021 (05:55)
Blumen für die mutige Pensionistin: Chefinspektor Alfred Kainz und Karl Popper, Badens Bezirkspolizeikommandant Hannes Jantschy (M.) sowie die Kriminalbeamtin der Polizeiinspektion Traiskirchen, Barbara Berger, bedankten sich bei der 77-Jährigen Traiskirchnerin für ihr resolutes Vorgehen mit einem Blumenstrauß.
Polizeiinspektion Traiskirchen, Polizeiinspektion Traiskirchen

Der sogenannte „Polizeitrick“ ist eine Betrugsmasche, die von Betrügerbanden viel zu oft erfolgreich angewendet wird. Meist handelt es sich bei den auserkorenen Opfern um ältere Personen, die um ihr Barvermögen fürchten und dieses falschen Polizeibeamten zur Aufbewahrung übergeben.

Als so ein falscher Polizeibeamter der Geld oder Wertsachen abholte, agierte ein 24-Jähriger aus dem Bezirk Mödling in mindestens sechs Fällen.

Im April wurde er zu einer 77-jährigen Frau nach Traiskirchen geschickt, um 30.000 Euro abzuholen. Diese hatte am 6. April einen Anruf von einem falschen Polizisten erhalten. Dieser forderte von der älteren Dame 30.000 Euro. Nachdem sie das Geld nicht auftreiben konnte, redete sie mit ihrem Nachbarn über die Sache, die ihr doch nicht ganz geheuer vorkam. Der Nachbar machte die Frau darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um einen versuchten Betrug handeln könnte.

Echte Polizisten wurden mit Fall konfrontiert

Die 77-Jährige schaltete die echte Polizei ein. Den Fall übernahmen Bedienstete des Landeskriminalamtes Niederösterreich Ermittlungsbereich Betrug, der Einsatzgruppe zur Bekämpfung von Straßenkriminalität und Bedienstete der Polizeiinspektion Traiskirchen. Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde ein 24-Jähriger aus dem Bezirk Mödling am 7. April bei der geplanten Geldübergabe festgenommen. Kontrollinspektor Heinz Holub von der Landespolizeidirektion Niederösterreich erläutert: „Die eigentlichen Täter sitzen in Callcentern im Ausland, meist in der Türkei. Sie sprechend fließend und perfekt Deutsch und reden solange auf ihre Opfer ein, bis diese gewillt sind, ihnen tatsächlich Bargeld oder Vermögenswerte anzuvertrauen, weil Gefahr bestehe, dass das Geld gestohlen werden könnte.“

Polizei holt kein Geld von zuhause ab

Holub stellt klar: „Die Polizei wird niemals kommen, um Geld abzuholen. Wir versuchen, gerade beim Polizeitrick aufklärend zu wirken, aber es gibt immer wieder Menschen, die auf diese Betrugsmasche hereinfallen.“

Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der 24-Jährige Teil einer Tätergruppe war, die schon mehrmals zugeschlagen hatte. Die Gruppe wurde dank der Ermittlungen vom Landeskriminalamt NÖ, dem Landeskriminalamt Wien, den zuständigen Polizeiinspektionen in Niederösterreich, sowie Banken – hier wurden die Opfer ersucht, ihre Sparkonten aufzulösen – und den zuständigen Staatsanwaltschaften Korneuburg und Wien ausgeforscht.

Dem Mann konnten sechs vollendete Taten im Zeitraum vom 18. März bis zum 7. April dieses Jahres zugeordnet werden. Schadenssumme: 111.000 Euro. Die Tatorte befanden sich in den Bezirken Tulln, Korneuburg und Baden.

Der 24-Jährige zeigte sich bei seinen Einvernahmen geständig und wurde über Anordnung der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert.