100.000 Euro für Hinweise zu Raika-Coup. Das Landeskriminalamt ermittelt auf Hochtouren im Fall der mithilfe moderner Technik ausgeraubten Schließfächer in drei Banken, in Mödling in der Raiffeisenbank.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:22)
Das Täterpaar beim Betreten der Mödlinger Raiffeisenbank am 13. November.
LPD NÖ

Für die Ausforschung der Täter, die Mitte November Schließfächer dreier Banken leer geräumt haben, wurde vom Landeskriminalamt Niederösterreich eine eigene Ermittlergruppe gebildet. Die Banken haben für sachdienliche Hinweise den Betrag von 100.000 Euro ausgelobt. Die medial kolportierte Schadenssumme von 25 Millionen Euro will die Landespolizeidirektion Niederösterreich nicht bestätigen, Sprecher Johann Baumschlager weist darauf hin, es handle sich um eine viel geringere Summe.

Die Vorgehensweise der Täter wurde bereits ermittelt: Diese begannen schon mehrere Wochen vor der Tat, mithilfe des sogenannten ‚Skimmings‘ die Karten von zutrittsberechtigten Kunden sowohl beim Eingang zum Diskretraum als auch beim Terminal des unmittelbaren Schließfachsystems zu kopieren.

Dazu wird in den Eingabeschlitz ein von außen nicht sichtbares Kopiermodul eingebaut, welches die Informationen des Magnetstreifens permanent aufzeichnet. Diese Informationen wurden von den Tätern ausgelesen und eins zu eins kopiert. Die passenden PIN-Codes der Karten wurden offenbar durch versteckt installierte kleine Kameras gefilmt, als die späteren Opfer auf ihre Fächer zugegriffen haben.

Kurz vor dem finalen Zugriff am 13. November in der Raiffeisenbank Mödling haben die Täter alle Installationen abgebaut.

Ein Täter, eine Täterin

Mittlerweile ist bestätigt, dass es sich bei einem der beiden Täter in Mödling tatsächlich um eine Frau gehandelt hat.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter die Bank offenbar nach links verließen und dann gleich wieder links in die Freihofgasse Richtung Franz Keim Gasse abgebogen sind. Möglicherweise war schon hier oder weiterführend in der Demelgasse oder beim Bahnhof das Fluchtfahrzeug abgestellt – auch hier wäre ein weiterer Mittäter als Lenker möglich.

Die Polizei weist noch einmal auf die auffällige Jacke der Täterin der Marke Naketano hin. Für die Ermittler wäre auch interessant zu wissen, ob sich dieses Pärchen in einem Beherbergungsbetrieb oder sonst in einer Mietgelegenheit eine Unterkunft genommen hat, da die Täter die Tat vermutlich schon mehrere Wochen lang vorbereitet haben. Reaktionen kommen auch von den Schließfach-Kunden selbst. So wandte sich eine Schließfach-Kundin der Raiffeisenbank Mödling an die NÖN mit der Information, dass die schwedische Firma, die für die Sicherheit der Raiffeisenbank zuständig sei, im Sommer gehackt wurde. Wichtige Daten seien daraufhin ins Darknet verschwunden.

Agnes Gössinger von der Raiffeisenbank Mödling erklärt dazu: „Wir wurden vom Gunnebo-Generalimporteur informiert, dass eine Gefährdung der Sicherheit der Safeanlagen durch den Hackerangriff ausgeschlossen wäre und Daten zu unseren Anlagen nicht betroffen seien. Das war nachvollziehbar, weil die Sicherheitsmerkmale für den Zugang nicht auf den Servern von Gunnebo gespeichert sind.“

Dem Ermittlerteam ist dieser Umstand bekannt. Ob dieser etwas mit dem Abfischen der Daten zu tun hat, sei Gegenstand laufender Ermittlungen.