Buchpräsentation: Es ist „Höchste Zeit“. Mödlings Bürgermeister Hans Stefan Hintner, VP, ging unter die Autoren. Zur Premiere gibt’s ein Schauspiel.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 23. November 2018 (04:00)
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Ein Ereignis vom April 1979 ist Mödlings Stadtchef Hans Stefan Hintner (54), ÖVP, nicht aus dem Kopf gegangen: Ein Bregenzer wurde tatsächlich im Arrest vergessen, saß 17 Tage lang in Höchst (Vorarlberg) ein, ehe er entdeckt wurde. Eine Vermisstenanzeige der Mutter wurde ignoriert, drei Gendarmeriebeamte hatten angenommen, der jeweils andere hätte den Mann schon längst freigelassen. Der „Häftling“ nahm 25 Kilo ab, überlebte dank des Kondenswassers und seinem Gürtel, an dem er knabberte.

Für Hintner, seit 2003 Bürgermeister in Mödling und ehemaliger Landtagsabgeordneter (1998 bis 2018), einstens als Journalist und Pressesprecher (ÖGB) tätig, ein Grund, zur Feder zu greifen und mit „Höchste Zeit“ sein erstes Buch zu schreiben. „Was ist, wenn jemand verschwindet? Wie reagiert die Umgebung?“, sind für Hintner „faszinierende Fragen“. Auch seine Geschichte spielt sich – „nicht in Mödling“ – in einer Zeit ohne Computer, ohne Handys ab. Nach einer durchzechten Nacht landet einer von zwei Freunden in der Zelle.

Eine Putzfrau räumt alle Aufzeichnungen weg, die Gattin des Vermissten rechnet einerseits mit dem Abgängigen ab – „Bleib wo du bist“ – und macht sich andererseits doch große Sorgen. Der Mann taucht am achten Tag wieder auf.

Lesung im Museum

Die Tragikomödie ist als Schauspiel ausgelegt. „Ich hab noch keine Anfrage unseres Stadttheater-Intendanten Bruno Max bekommen“, schmunzelte Hintner bei der Präsentation des Erstlingswerks am Freitag in der Buchhandlung Kral in der Fußgängerzone. Am Abend legte Hintner eine Lesung im Museum Mödling nach.

Das Coverfoto von Willy Kraus zeigt übrigens den ehemaligen Mödlinger Kotter im Bereich des Schrannenplatzes.