Eine Frage der Trennung. Mödlinger Saubermacher wissen, wie man mit Müll umgeht.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 22. Juni 2020 (05:34)

Dienststellenleiter Roland Perci braucht nur einen Blick auf ein kommunales Müllfahrzeug zu werfen, und er weiß, aus welcher Gemeinde es stammt, wenn es auf die Brückenwaage der Müllumladestation (MUM) in der Viaduktstraße 5 in Guntramsdorf fährt.

Die Fahrer winken, kennen das Prozedere und verlassen die Waage. Doch in der Viaduktstraße wird nicht nur der Abfall der Gemeinden im Bezirk entsorgt.

Betriebsleiter Klaus Großebner erzählt: „Wir entsorgen auch Müll, der von Gewerbebetrieben angeliefert wird und von Privaten. Zu uns kann jeder kommen, Mödlinger haben mit ihrer Karte aber kostenlosen Zutritt zum Gelände und andere Tarife, als jemand, der aus einem anderen Bezirk kommt.“ Das Fahrzeug wird auf jeden Fall gewogen, das Gewicht bestimmt den Preis, den jemand für die Entsorgung zu bezahlen hat.

Das Service der MUM wird auch gerne angenommen, weil sie Öffnungszeiten bietet, mit denen Sammelzentren der einzelnen Gemeinden oft nicht mithalten können. Seit Montag gelten die Sommeröffnungszeiten, unter der Woche ist die Station bis 18 Uhr offen, am Samstag von 8 bis 16 Uhr.

Auch während des Lockdowns hat das Team rund um Roland Perci wie gewohnt weitergearbeitet. Großebner berichtet stolz: „Die Rest- und Biomüllbehälter jedes einzelnen Mödlinger Haushalts wurden ausnahmslos exakt nach dem ganzjährigen Abfuhrplan entleert. Es kam zu keiner einzigen Tourverschiebung oder gar einem Ausfall.“

Auch Gewerbemüll wurde weiterhin entsorgt, dafür verzeichneten die Männer der Müllumladestation 250 Anlieferungen an jenem Samstag, als die Müllentsorgung wieder für Privatpersonen geöffnet wurde.

Perci erinnert sich: „Wir haben versucht, ganz rasch herauszufinden, welche Müllfraktion sich hauptsächlich in einem Pkw befunden hat. Dann haben wir dem Fahrer angewiesen, zu welcher Müllsammelbox er fahren soll. Dort hat er seine Ladung abgestellt und wir haben den Müll dann fachgerecht getrennt, anders wäre der Ansturm am ersten Tag nicht zu bewältigen gewesen.“

Es galt, unbedingt Stau zu vermeiden

Denn die oberste Maxime damals lautete, keinen Stau von der Viaduktstraße Richtung Bundesstraße 17 entstehen zu lassen. Mittlerweile hat sich die Situation wieder eingespielt.

Einige Nachwehen sind noch zu spüren. „Man hat ganz genau gemerkt, dass die Leute Zeit haben, um zu entrümpeln. Wenn ich mir anschaue, was beim Sperrmüll abgegeben wird, dann merkt man schon, dass wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben, zumindest hier im Speckgürtel rund um Wien. Diese Matratzen hier sind sicher noch nie benutzt worden“, sagt Perci und weist in der Sammelbox auf die fraglichen Stücke.

Auch wilde Ablagerungen an gewissen Plätzen neben der Straße seien immer wieder aufgefunden worden.

Nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist der Bereich, in dem gefährliche Stoffe wie Lacke oder Dispersionsfarben und dergleichen gesammelt werden. Auf eine fachgerechte Lagerung muss hier ganz besonders geachtet werden. Das Gleiche gilt für Lithiumbatterien, die immer dann Schlagzeilen machen, wenn sie sich in einem Spielzeug oder in einer Fernsteuerung plötzlich selbst entzünden. Sie werden zur endgültigen Entsorgung nach Hamburg gebracht, geschlichtet in spezielle Behälter, um unangenehme Zwischenfälle zu vermeiden.

Vertrauter kommen einem da schon die Röhrenfernseher vor, „aber Kinder kennen diese ebenso wenig wie Telefonapparate“, schmunzelt Perci, das hat er schon bei Führungen mit Schulkindern gemerkt. Alles wird feinsäuberlich getrennt in einem Drahtgestell gelagert, vom Kabel bis zum alten PC-Bildschirm.

Andere Dimensionen zeigen sich hingegen in einer Halle, in der die Gelben Säcke gesammelt werden. Für Perci und Großebner ist die Halle „erstaunlich leer. Normalerweise kann man sie nicht betreten, die Säcke stapeln sich bis zur Decke“.