Hut ab: Hannah Götz macht mit 15 Matura. Hannah Götz nutzte Modul-System in der Mödlinger Keimgasse, um eine Klasse zu überspringen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 16. Juni 2019 (07:29)
Jandrinitsch Judith
Hannah Götz

Hannah pendelte täglich von ihrer Heimatstadt Wiener Neustadt per Bahn nach Mödling in das Gymnasium Keimgasse. Denn ebendort gibt es ein Modellklassensystem im Rahmen der Begabtenförderung, in dem es möglich ist, eine Klasse zu überspringen. „Ich habe die Unterstufe in nur drei statt vier Jahren absolviert. Außerdem bin ich als September-Kind schon früher eingeschult worden und in der Volksschule habe ich auch bereits eine Klasse übersprungen“, erzählt Hannah im NÖN-Gespräch.

Deshalb befindet sie sich jetzt schon in der Maturaklasse, als einzige 15-Jährige unter 18-Jährigen. Das Klassenüberspringen in der Volksschule sei Idee ihrer damaligen Volksschullehrerin gewesen. Hannah hat diesen Schritt nicht bereut. So, wie sie die Unterstufe in nur drei Jahren geschafft hat und dabei „weder unter- noch überfordert war“.

Ihre Lieblingsfächer sind Mathematik, Darstellende Geometrie und Biologie. Das habe aber nicht nur mit einer Begabung für Logik und Zahlen zu tun: „Es hängt schon sehr stark von den Lehrern ab, ob man ein Unterrichtsfach mag. In den Gegenständen bin ich mit meinen Lehrern sehr gut ausgekommen“, weiß Hannah.

Bereits an zwei Fachhochschulen beworben

Freiwillig hat die 15-Jährige neben Mathematik, Englisch und Deutsch auch in Darstellender Geometrie maturiert. Jetzt bereitet sie sich auf die mündlichen Prüfungen in Biologie und Mathematik vor.

Ihre Lernmethode beschreibt sie so: „Die wichtigsten Dinge schreibe ich mir raus. Zuerst lerne ich die Theorie, um den Hintergrund zu verstehen. Dann rechne ich einzelne Beispiele durch, so habe ich das vor der schriftlichen Mathe-Matura gemacht. Manche Beispiele denke ich dann bis zum Ende, rechne aber nicht mehr bis zum Ergebnis.“

Hannah hat auch schon ganz klare Vorstellungen, wohin die berufliche Reise nach der Matura gehen soll. Sie hat sich an zwei Fachhochschulen beworben – für „Biomedizinische Analytik“.

„Es geht dabei vor allem um Laborarbeit, man analysiert Blutwerte und Krankheiten. Dabei arbeitet man vorwiegend in klinischen Labors, um eben die Ärzte mit seiner Analyse zu unterstützen.“

Sie habe auch kurz überlegt, Medizin zu studieren, sich dann aber eben für den analytischen Teil entschieden. Die Bewerbungen für die Fachhochschulen, die zum Teil mit einer praktischen Aufgabenstellung im Labor verbunden waren, hat Hannah schon hinter sich gebracht.

„Im Zuge der EU-Wahl-Diskussionen bei uns in der Schule bin ich drauf gekommen, dass ich ja eigentlich noch nicht wählen darf“

Wie ist es für sie als 15-Jährige eigentlich, die meiste Zeit unter 18-Jährigen zu verbringen? „Ich habe mich daran gewöhnt und die anderen auch.“ Ihr schulischer Freundeskreis liegt bei älteren Schülerinnen und Schülern in Mödling, in Wiener Neustadt treffe sie sich eher mit gleichaltrigen Freunden.

Manchmal wird es ihr doch vor Augen geführt, dass sie jünger ist als ihre Klassenkameraden: „Im Zuge der EU-Wahl-Diskussionen bei uns in der Schule bin ich drauf gekommen, dass ich ja eigentlich noch nicht wählen darf.“

Eines ist für sie aber beschlossene Sache: „Wenn der Prüfungsstress vorbei ist, fahre ich mit an den Neusiedler See, dort werden Klassenkameraden und ich drei Tage verbringen.“
Dann hat sie auch wieder Zeit, die Stadtmusikkapelle Wiener Neustadt mit ihrer Querflöte musikalisch zu unterstützen.