Kreuzung Grenzgasse: Das Spiel mit dem Leben. Immer mehr Fußgängern ist die oft 40- bis 50-minütige Wartezeit ein Dorn im Auge. Sie negieren die Sperre und queren die Gleise: „Verantwortungslos.“

Von Christoph Dworak. Erstellt am 22. Mai 2019 (05:00)
Willy Kraus
Ein vertrautes Bild. Der Schranken in der Grenzgasse ist geschlossen, die Ampel zeigt – fast – Dauerrot.

„Das ist Wahnsinn. Ich beobachte immer öfter Menschen, die unter dem Schranken durchkraxeln und die Schienen überqueren“, teilte ein Anrufer der NÖN-Redaktion mit. „Das ist kein Wunder, der Übergang in der Grenzgasse ist ja fast ständig geschlossen.“

Christopher Seif, Pressesprecher der ÖBB, kann das Gehörte fast nicht glauben: „Dass Menschen unter einem geschlossenen Schranken durchschlüpfen und die Gleistrasse queren, ist nicht nur verantwortungslos, sondern auch lebensgefährlich. Das Schließen eines Schrankens erfolgt ja nicht grundlos.“

Die Missachtung von Warn- und Sicherungseinrichtungen, Unachtsamkeit und Fehleinschätzungen führen Jahr für Jahr zu folgenschweren Unfällen. „Eine Eisenbahnkreuzung darf nur übersetzt werden, wenn kein Licht aufleuchtet und die Schranken vollständig geöffnet sind.“

Das Schließen eines Schrankens erfolgt ja nicht grundlos“, ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif.

Dass der Schranken in der Grenzgasse oftmals bis zu 40, 50 Minuten am Stück geschlossen ist, sei entlang einer Strecke wie der Südbahn nichts Ungewöhnliches, merkte Seif an: „Grundsätzlich ist es so, dass Sicherungsanlagen durch Signale im Bahnhof, einem Blocksignal oder vollautomatisch durch den Zug ein- und ausgeschaltet werden können.“

Bei entsprechender Zugfrequenz wie auf der Südstrecke – vor allem in den Hauptverkehrszeiten – kommt es natürlich auch zu gleichzeitigen Fahrten in beide Richtungen. „Eine Eisenbahnkreuzung bleibt in solchen Fällen solange geschlossen, bis auch der zweite Zug diese Kreuzung passiert hat“, erklärte Seif. Man dürfe auch nicht darauf vergessen, dass auf der Südbahnstrecke auch viele Güterzüge unterwegs sind.

Wie der NÖN zugetragen wurde, dürfte die straßenmäßige (Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger) Verbindung „Grenzgasse“ überhaupt gekappt werden. Mödlings Bürgermeister Hans Stefan Hintner, VP, geht davon aus, dass diese Variante bei dem, schon seit längerem geplanten Bau eines vierten Gleises Realität werden könnte.

Seif merkte dazu an: „Kurzfristig sind keine Maßnahmen geplant, mittel- bis langfristig sind eine Auflassung der Eisenbahnkreuzung in der Grenzgasse mit entsprechenden Ersatzlösungen Thema.“

Die Autofahrer haben jedenfalls längst auf die fast ständig unbefahrbare Eisenbahnkreuzung reagiert. Täglich nutzen „nur“ mehr 800 Fahrzeuge diese Route.

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