Meisterliche Skulpturen am Dachboden gefunden. Zufall und geschichtliches Interesse haben zu einem fast schon sensationellen Fund geführt.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 13. November 2019 (06:00)
Die Kunstwerke fristeten am Dachboden der „Modeschule“ ihr Dasein. Sie werden jetzt restauriert.
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Walter Jirka, ehemaliger Musiklehrer, war auf der Suche nach einer Orgel, auf der er spielen konnte. Über Vermittlung von Alt-Bürgermeister Werner Burg, SPÖ, immer noch Obmann des „Vereins der Freunde der Hyrtl’schen Waisenanstalt“, durfte Jirka das Instrument in der Waisenhauskirche am Hyrtlplatz nutzen.

Jirka war fasziniert – vor allem auch von der gesamten Waisenhaus-Geschichte. Mit dem Ergebnis, dass er seit vier Jahren als Leiter des Archivs fungiert und ebendort täglich mehrere Stunden verbringt, um Dokumente zu sichten, zu ordnen und die Geschichte erlebbar zu machen.

Die Bestätigung: Die Putten am Waisenhaus-Friedhof stammen von Giovanni Giuliani – ebenso wie die gefundenen Gipsmodelle, weiß Pater Roman – hier mit Ulrike Totzauer und Walter Jirka.
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Jirka hat mittlerweile drei Bücher, die sich allesamt um die Geschichte des Waisenhauses ranken, herausgegeben. Mit seiner Frau Ulrike Totzauer machte er sich vor geraumer Zeit auf einen Rundgang durch das bestehende Areal, durchkämmte jeden Winkel, auch den Dachboden der Höheren Lehranstalt für „Produktmanagement & Präsentation“ und „Mode“. Dort stieß das Duo auf verstaubte, beschädigte Skulpturen – darunter eine Marienstatue und Putten (Kunstwerke in Kindergestalt). Solche, die denen am Eingang zum Waisenhaus-Friedhof in Mödling sehr ähneln; und auch jenen auf der Dreifaltigkeitssäule im Stift Heiligenkreuz.

Eine Nachfrage bei Pater Roman Nägele, Kustos des Stiftes, verschaffte Klarheit: „Es ist davon auszugehen, dass die Putten in ihrer vorliegenden Idee, Fassung und Form den Heiligenkreuzer Werken von Giovanni Giuliani entsprechen.“

Untermauert werde diese Feststellung durch den Umstand, dass die Laternen, die die Putten halten, das Heiligenkreuzer Wappen tragen; und das haben nur Skulpturen, die für das Stift angefertigt wurden. Und: die Putten am Dachboden seien Gipsmodelle der Figuren des Waisenhausfriedhofs; sie wurden von Giuliani vorgefertigt, bevor alles auf Stein übertragen wurde. Pater Romans Fazit: „Ein wahrer Kunstschatz, der es wert ist, erhalten zu werden.“

Jirka strahlt und hofft, dass bald die Besitzverhältnisse geklärt sind, um die Restaurierung der am Dachboden gefundenen Werke in die Wege leiten zu können. Zwei Putten sollen in der HLA Platz finden, die Marienstatue in der Volksschule.