Modeschule näht für Passionsspiele. Conny Bleich näht mit ihren Schülerinnen das Gewand für St. Margarethener Passionsspiele.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 03. Dezember 2020 (03:22)
Diesen Entwurf trägt der Jesus-Darsteller in der Auferstehungsszene.
HPM Mödling

Conny Bleich ist Klassenlehrerin der 5M an der Höheren Lehranstalt für Mode und Bekleidungstechnik in Mödling. „Ich war selbst schon Schülerin hier, stamme aber eigentlich aus dem burgenländischen St. Margarethen in der Nähe von Eisenstadt“, erzählt Bleich. Hier lebt sie immer noch, und ihr Nachbar ist just Christian Klemenschitz, der Vorstandsmitglied der Passionsspiele St. Margarethen ist.

Alle fünf Jahre bringen Laien das Passionsspiel rund um das Leiden und Sterben von Jesus Christus auf die Bühne im Römersteinbruch. 2021 ist es wieder soweit, sofern die Corona-Pandemie soweit in ihre Schranken gewiesen ist, dass die Aufführungen auch stattfinden können. Und Klemenschitz wusste auch, wen er fragen musste, als es darum ging, die Jünger, die Emmaus-Jünger und Jesus neu einzukleiden, seine Nachbarin Conny.

Erst wurden die Schnittmuster am Computer erstellt, dann wurden diese mit der Nähmaschine in reale Kleidung umgewandelt.
HPM Mödling

„Christian ist an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich das nicht mit meinen Schülerinnen und Schülern übernehmen könnte. Solche Projekte werden bei uns immer im Werkstättenunterricht durchgeführt. Ich bin der Meinung, dass die Schüler dabei am meisten lernen“, erzählt Bleich.

Die Kinder seien erst eher skeptisch gewesen, „aber als sie hörten, dass die Passionsspiele in meiner Heimatgemeinde stattfinden, waren sie Feuer und Flamme“, schmunzelt die Lehrerin. Die Entwürfe für die Kostüme stammen von Bleichs Kollegin Franziska Lamprecht.

Nicht nur die Inszenierung der Passionsspiele soll moderner werden, auch die Kleidung von Jesus und seinen Jüngern.

So werden die Hauptdarsteller erstmals Hosen tragen und keine Kutten. Die Stoffe sind ausgewählt, die Schülerinnen und Schüler haben bereits mit den Näharbeiten begonnen, nur der zweite Lockdown macht der Umsetzung jetzt einen Strich durch die Rechnung. Für die Figur des Jesus müssen sogar mehrere Gewänder geschneidert werden. „Wir sind bei Naturfasern geblieben. Leinenhose, Tunika und ein ärmelloser Mantel als Überwurf. Laut Herrn Pfarrer steht nirgends geschrieben, dass es zur Zeit Jesu keine Hosen gab“, weiß Bleich.

St. Margarethens Pfarrer Richard Geier war vor dem Lockdown in der Mödlinger Modeschule und ist begeistert: „Die Kostüme sind genauso, wie wir sie haben wollten: ein bisserl modern und ein bisserl zeitlos. Was wir bis jetzt zu sehen bekommen haben, sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“ Die Entscheidung, ob die Passionsspiele stattfinden, fällt im Jänner.