Nach 50 Jahren: Abschied von OP-Schwester Josi Mold

OP-Schwester Josi Mold hat 50 Jahre lang im Operationssaal für Menschlichkeit und Wärme gesorgt.

NÖN Redaktion Erstellt am 07. Oktober 2021 | 05:35
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Josi Mold hat von ihren Patienten viel gelernt, „während ich im Operationssaal ihre Hand gehalten habe“. Gelernt hat sie energetische Übungen zur Beruhigung bei Klosterschwestern im Spital der Bamherzigen Brüder in Wien.
Foto: privat

Josi Mold ist ein Mensch, der sich stets für andere Menschen einsetzt.

Für ihre Kollegen im Krankenhaus als Betriebsrätin, für ihre Patienten als menschliches Schutzschild in der sterilen Umgebung des Operationssaals, für Menschen, die Unterstützung brauchen wie der Behindertensportclub Wiener Neudorf, psychisch beeinträchtigte Menschen oder das Hospiz Mödling mit Benefizveranstaltungen.

Den Letztgenannten half sie sowie dem Kinderturm des Krankenhauses 10 Jahre lang mit der Veranstaltung eines Balles, aktuell engagiert sie sich mit Flohmärkten, etwa für die Feuerwehrjugend Gloggnitz ihrer Heimatstadt, „weil die Feuerwehr die erste und einzige war, die mir geholfen hat, als mein Haus vom Hochwassser überschwemmt wurde“.

Seit dem sie als Kind in einer Illustrierten Fotos von der ersten Herz-OP von Christiaan Barnard gesehen hatte, wusste sie, was sie werden wollte: „OP-Schwester“. Ihre Deutschlehrerin hat Josi in diesem Berufswunsch bestärkt. Im Jahre 1971 begann Mold, Jahrgang 1956, die Ausbildung zur Krankenschwester in Mödling. Ein Jahr später wechselte sie aus persönlichen Gründen zu den Barmherzigen Brüdern nach Wien und ließ sich zur Sanitäts-Assistenz ausbilden. „Ich habe im urologischen Operationssaal begonnen. Doch ich habe Mödling und die Schwesternschule in Gedanken nie aufgegeben. Nach vier Jahren bin ich wieder in die Schwesternschule gegangen und habe dank der großartigen Unterstützung von verschiedenen Mentoren die Schule 1981 mit Diplom abgeschlossen.“

OP-Schwester nahm sich kein Blatt vor Mund

Ein halbes Jahr lang war sie in Floridsdorf tätig, dann kehrte sie nach Mödling zurück. Seit diesem Zeitpunkt war sie im Landeskrankenhaus eine Person, um die niemand herumkam.

Ihre Vorgesetzten nicht, weil sie Betriebsrätin war, Ärzte nicht, weil Josi keinen Konflikt scheute, wenn es darum ging, ihren Patienten Herzenswünsche zu erfüllen und natürlich ihre Patienten nicht, denen sie im OP die Hand gehalten hat.

Von ihren Patienten sagt sie: „Ich habe von meinen Patienten so viel gelernt, es war eine Schule des Lebens, anders kann ich es nicht bezeichnen.“ Und diese Schule hat ihr auch geholfen, Hürden zu überwinden, die normalerweise in der Krankenhaushierarchie nicht zu nehmen sind.

„Ich kann mich an ein schreiendes Kind im OP erinnern, da habe ich gesagt, wir verschieben die Operation um eine Stunde, erst muss das Kind beruhigt werden. Die Ärzte haben getobt, wie ich das machen kann. Aber wenn ich mich an meine eigene Mandel-OP als Kind zurückerinnere, dann will ich einem jeden diese Erfahrungen ersparen.“ Josi Mold hat in ihrer 50-jährigen Berufskarriere 75.000 Menschen betreut und 2.300 Babys geholfen, auf die Welt zu kommen. Hat sie ihre ganze Kraft für ihre Patienten aufgewendet, musste sie kurz vor ihrem Pensionsantritt auf sich selbst schauen. Doch selbst von einer schweren Krankheit lässt sich Josi Mold nicht daran hindern, weiter für ihre Berufskollegen und Patienten die Stimme zu erheben.

„Ich möchte mich bei meinen Patienten bedanken, für alles, was ich von ihnen lernen durfte, liebe Patienten, ihr wart einfach die Besten. Und meinen Kollegen möchte ich viel Kraft wünschen, um angesichts der derzeitigen Arbeitsbedingungen nicht den Mut zu verlieren.“ Diesen verloren hat sie nie, „auch wenn mich die politischen Zurufe, im Gegensatz zu meiner Arbeit, viel Kraft gekostet haben“.