ORF-Mann für Russland: Moskau wird zur zweiten Heimat

Paul Krisai (26) übernimmt im Oktober die Leitung des Korrespondenten-Büros in der russischen Metropole.

Erstellt am 08. Juli 2021 | 05:33
Lesezeit: 3 Min
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Paul Krisai bei seiner Reportage über den Baikalsee.
Foto: privat, privat

Seit zwei Jahren ist der gebürtige Mödlinger Paul Krisai ORF-Auslandskorrespondent in Moskau. Nun wird er, knapp nach seinem 27. Geburtstag, ab 1. Oktober die Leitung des Moskauer ORF-Büros übernehmen – Carola Schneider geht in Bildungskarenz. Vor zehn Jahren saß Paul Krisai noch im Klassenzimmer des Gymnasiums Perchtoldsdorf. Heute sieht man den Mödlinger immer wieder in Berichten oder Liveschaltungen der „Zeit im Bild“ im ORF.

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Dass er Journalist werden möchte, wusste Krisai schon früh. „Als ich 17 Jahre alt war, habe ich mit Schulkollegen eine Schülerzeitung ins Leben gerufen, welche in ganz Niederösterreich erhältlich war. Damals war es etwas ganz Besonderes, das fertige Exemplar in der Hand zu halten und zu wissen, ‚da hast du mitgewirkt“, erzählt Krisai.

Nach der Matura ging es nach Graz an die FH Joanneum, um „Journalismus und Public Relations (PR)“ zu studieren. „Das Studium war durch seine Praxisbezogenheit sozusagen meine Eintrittskarte in den Journalismus. Wir waren dort beispielsweise gleich ab dem ersten Tag Redakteure der FH-Online-Zeitung ,Annenpost’.“

Im vierten Semester verbrachte Krisai ein Auslandssemester in St. Petersburg. „Ich muss dazu sagen, dass ich davor mit Russisch oder Russland nicht viel am Hut hatte. An der FH hatten wir aber, was eher ungewöhnlich ist, einen verpflichtenden Russischkurs. Der war für mich Ansporn, eine weitere Fremdsprache zu lernen, auch wenn es anfangs nicht leicht war.“

Die Zeit in St. Petersburg hat Krisai sehr positiv in Erinnerung. „Es war eine sehr spannende Zeit. Ich bin viel herumgereist und konnte alles ganz unbeschwert kennenlernen. Mein Russisch habe ich jedoch erst im letzten Monat durch einen Intensivsprachkurs verbessert und vertieft.“

„Die Sprache war der Schlüssel“

Und genau dieser Sprachkurs hatte für Krisai den ausschlaggebenden Effekt. „Ich bin noch weiter in Russland herumgereist und konnte mich plötzlich mit den Leuten unterhalten. Die Sprache war einfach der Schlüssel, denn damit hat meine Faszination für Russland erst so richtig begonnen.“ Was folgte, waren Praktika bei der Moskauer „Deutschen Zeitung“ und dem unabhängigen russischen Fernsehsender „TV Rain“ in Moskau.

Nach dem Studium bewarb sich Krisai beim ORF für ein viermonatiges Praktikum in der Außenpolitik-Redaktion der „Zeit im Bild“ in Wien. „Als mein Praktikum vorbei war und ich mich auf Jobsuche begeben habe, hatte ich Glück und erhielt die Stelle als Karenzvertretung in der Radio-Information.“

„Riesengroßer Traum“ geht in Erfüllung

Schon bald, 2019, folgte das Stellenangebot als Auslandskorrespondent in Moskau. „Damit ist ein riesengroßer Traum in Erfüllung gegangen. Mein Ziel war es immer, als Journalist im Ausland tätig sein zu dürfen. Dass ich das dann noch für die Österreicher sein darf, ist mir eine wahnsinnig große Ehre“, berichtet Krisai über den Schritt, welcher sein Leben verändert hat.

Der Arbeitsalltag des 26-Jährigen gestaltet sich „ziemlich selbstbestimmt. Wir suchen uns oft selbst Themen aus und schlagen diese in Wien vor. Dann folgen Berichte darüber. Das Tolle ist, dass es als Auslandskorrespondent immer abwechslungsreich ist. Einmal berichtet man über Kultur einmal über Politik.“

Das letzte Mal in seiner Heimat war Paul Krisai im Februar „und das, das erste Mal, seit ich hier in Moskau lebe. Durch die Pandemie war das nicht so einfach. Besonders in solchen Zeiten vermisst man Familie und Freunde, aber zum Glück gibt es ja die Möglichkeit des Videotelefonierens“. Was bei einem Besuch in der Heimat auf keinen Fall fehlen darf: „Das Schnitzel bei der Omi. Dort ist es doch immer am besten“, schmunzelt der Mödlinger.

Um auch in Moskau ein bisschen abzuschalten, setzt sich Krisai aufs Rad. „Ich war erst vor Kurzem mit Rad und Zelt unterwegs. Einfach raus in die Natur und mit Menschen plaudern – ohne Kamera und Mikrofon.“

Ab Oktober wird Krisai, welcher derzeit zweiter Korrespondent des Moskauer ORF-Büros ist, dessen Leiter. „Es ist mir eine große Ehre. Ich freue mich sehr auf die neuen Herausforderungen. Wir haben hier ein tolles Team und an der Seite von Büro-Leiterin Carola Schneider hatte ich die Möglichkeit, sehr viel zu lernen. Dafür bin ich besonders dankbar.“