Purzelbaum darf nicht aussterben. Julian Reindl und Philipp Ruhdorfer betreuen Kinder aus der Region Mödling mit dem Plus an mehr Action, Bewegung & Naturerlebnis.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 03. März 2021 (03:11)
Philipp Ruhdorfer und Julian Reindl halten die Kinder als mobile Tagesväter in Bewegung.
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Philipp Ruhdorfer und Julian Reindl leben beide in Perchtoldsdorf und sind echte Pioniere auf dem Gebiet der Tageseltern.

Sie sind mobile Tagesväter, arbeiten beim Hilfswerk, sind selbstständig und legen bei der Kinderbetreuung großen Wert auf Abenteuer in der freien Natur, sei es beim Klettern oder auf der Slackline.

Froh, die beiden jungen Männer in ihren Reihen zu haben, ist Vera Praschek-Jäger vom Familien- und Beratungszentrum des Hilfswerks in Baden.

Die Psychologin weiß: „Im gesamten Industrieviertel gibt es nur im Bezirk Mödling Philipp und Julian, die als mobile Tagesväter arbeiten. Stationäre Tagesväter haben wir gar nicht, aber es wächst der Anteil der Tageseltern.“ Die Nachfrage nach Tageseltern steige jetzt nach dem Lockdown wieder rapide an.

Auf der Südwand ganz nach oben klettern

Philipp Ruhdorfer erzählt: „Ich habe eigentlich als Kletterlehrer an der Perchtoldsdorfer Südwand im Sport- und Freizeitzentrum gearbeitet. Das ist mein zweites Standbein, das ich auch weiterhin pflege. Eines Tages hat mich eine Tagesmutter angesprochen und gesagt: ‚Was ist, willst du das nicht mal probieren, du wärst ein super Tagesvater.‘“ Also absolvierte Philipp den Lehrgang beim Hilfswerk und bekam die Ausbildung so weit gefördert, „dass sie für mich gratis war“, sagt der mobile Tagesvater und Kletterlehrer.

Julian ist der Freund von Philipp, und das schon „seit ewig“. meint Philipp.

Der Freund aus Kindertagen ist genauso sportlich wie Philipp, nur hat er sich seiner Slackline verschrieben, um mit Balanceübungen seine Schützlinge wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Seine Kenntnisse bot Julian auch bei verschiedenen Gemeinden im Rahmen von Ferienspielen und Kindergeburtstagen an, Corona bremste diese Aktivitäten aber aus.

Dass er mit Kindern kann, wusste er schon von seinen diversen Slackline-Erfahrungen. Deshalb musste er auch nicht lange überlegen, als sein Freund ihn fragte, ob er nicht auch die Ausbildung zum Tagesvater machen wolle. Beiden ist wichtig, dass sich ihre Tageskinder an der frischen Luft bewegen, denn der reduzierte Sportunterricht in der Schule während der diversen Lockdowns, hat Erschreckendes zutage gebracht: „Der Purzelbaum stirbt aus“, sagt Philipp, der die Tendenz beobachtet, dass Kindern einerseits oft nicht einmal zugetraut wird, den Schulweg alleine zu bewältigen. Andererseits belegen manche „einen Kurs nach dem anderen. Doch die Mitte bricht weg, während die einen überfördert werden, können die anderen fast gar nichts.“

Die Freizeit-Outdoorplanung nimmt bei Philipp und Julian einen großen Teil der Tagesväter-Aktivitäten ein. „Das ist von unseren Kundinnen und Kunden auch so gewünscht“, meinen beide unisono. Kritische Blicke oder Kritik, weil sie als Männer in einem frauendominierten Beruf arbeiten, sind ihnen in der Realität fremd. Julian hat nur auf Facebook einmal einen negativen Kommentar erlebt. Eine Bemerkung, die ihm hingegen regelmäßig entgegengeschleudert wird, ist: „Na, damit kann man sicher nix verdienen.“ Seine Reaktion darauf: „Wenn ich den Job fünf Tage die Woche mache, kann ich sehr wohl damit etwas verdienen.“ Es sei ein generelles Problem, dass Berufe in der Kinderbetreuung und der Altenpflege weniger gut bezahlt sind wie Tätigkeiten, „die an Computern und Maschinen erbracht werden und nicht am Menschen“.

Philipp sagt: „Ich will ein Vorbild sein für die Kinder, ein guter Mensch. Ich mache ja alle Aktivitäten mit und engagiere mich, dass die Kinder die Aktivitäten auch positiv erleben.“