Pflege-Personal im Bezirk gesucht. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Alters-Almanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Daniela Purer. Erstellt am 10. Juli 2019 (03:53)
APA (dpa/Symbolbild)
Symbolbild

Der Alters-Almanach Niederösterreich beleuchtet alle Aspekte des Alterns in den Bezirken und den damit prognostizierten Pflegebedarf. Im Bezirk Mödling wächst der Anteil der älteren Menschen bis 2030 rasant an – bei der Altersgruppe 80 plus wird sogar ein Anstieg um 84,5 Prozent erwartet.

Das deckt sich mit den Prognosen der mobilen Betreuungsdienste und der Leiter von Pflegeeinrichtungen: Im Bezirk Mödling bestehe nicht nur sehr hoher Bedarf, dieser werde in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Gleichzeitig fehle es jedoch überall an gut ausgebildetem Personal.

In Mödling sind laut NÖ Hilfswerk derzeit zwölf Stellen in unterschiedlichen Pflegebereichen offen.

Probleme, einen Platz im Heim zu bekommen

Stephan Schimanowa, Vorsitzender der Volkshilfe Mödling, macht deutlich: „Wir können den herrschenden Bedarf nicht mit Personal abdecken.“ Das liege vor allem daran, dass Pflegekräfte keine ausreichende Ausbildung mehr erhielten, zu wenig verdienten und statt in der mobilen lieber in der stationären Pflege arbeiten würden. Er beleuchtet auch noch eine zweite Problematik: „Es wird für Betroffene niedriger Pflegestufen schwieriger, in einem Pflegeheim unterzukommen. Grundsätzlich ist es für ältere Menschen natürlich immer von Vorteil, zu Hause bleiben zu können.“

Bei der Volkshilfe hat man das Problem erkannt: Gregor Tomischizek, Geschäftsführer Volkshilfe NÖ, betont: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für Bewerber und Mitarbeiter so zu gestalten, dass sie die Volkshilfe als attraktive Arbeitgeberin wahrnehmen und schätzen.“

Bei der Caritas Pflege Zuhause Mödling sind derzeit bis 120 Personen in Betreuung. Leiterin Barbara Ingersleben erklärt: „Wir haben Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden. Das Interesse der Fachkräfte liegt im stationären Bereich, nicht im mobilen.“

Das Problem sind nicht die Anbieter, sondern der unmittelbare Bedarf an mobilen Pflegekräften.“ Volkshilfe Mödling-Vorsitzender Stephan Schimanowa

Michael Dorfstätter, Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter in Mödling, ist der Meinung, dass der steigende Pflegebedarf künftig zum Problem wird: „Ältere Menschen, die Hilfe im Alltag benötigen, aber nicht in ein Pflegeheim gehen oder eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch nehmen wollen, werden immer mehr. Hier ist der Wunsch nach Selbstständigkeit da, der kann nicht immer erfüllt werden. Die Pflege wird in den nächsten Jahren, egal wo und wie, großes Thema.“

Auch Dorfstätter sieht das größte Problem in der schlechten Bezahlung und der Ausbildung: „Hier wäre eine Ausweitung natürlich wünschenswert. Im österreichischen Raum ist es schwierig, geeignetes Pflegepersonal zu finden, der Beruf ist natürlich sehr anstrengend. Viele Betreuungseinrichtungen weichen dann auf Pflegekräfte aus dem Ausland aus.“

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Doch nicht nur in der mobilen Pflege, auch in diversen Pflege- und Betreuungszentren ergibt sich ein ähnliches Bild, wie Gerhard Reisner, Direktor des Pflege- und Betreuungszentrums Mödling, im NÖN-Gespräch bestätigt: „Im Augenblick haben wir im Haus eine etwas größere Nachfrage nach Kurzzeitpflege. Aber der Bedarf nach Übergangs- und Langzeitpflege wird sich entsprechend dem Alters-Almanach immer stärker entwickeln.“

Momentan gibt es im Betreuungszentrum Mödling genug Personal, trotzdem lassen sich am Arbeitsmarkt immer weniger Pflegekräfte finden: „Falls Maßnahmen, wie eine verstärkte Ausbildung greifen, profitieren wir auf alle Fälle davon“, ist Reisner überzeugt.

Die gute Nachricht: In Mödling gibt es genügend Einrichtungen und mobile Dienste, die Pflege anbieten. Und Schimanowa versichert: „Das Angebot ist grundsätzlich ausreichend. Das Problem sind nicht die Anbieter, sondern der unmittelbare Bedarf an mobilen Pflegekräften. Es braucht nicht neue Anbieter oder neue Formen des Angebots, sondern mehr Personal.“