"Schleussner-Gründe“: Protest gegen die Umwidmungen. Das Projekt der Stadtgemeinde ist vielen Anrainern ein Dorn im Auge. Jetzt gibt’s sogar eine Bürgerinitiative.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 16. Februar 2019 (04:05)
Die Bürgerinitiative berät weitere Maßnahmen: Robert und Sonja Hruby, Thomas Pachner, Alexander Fürndraht, Manfred Gronalt, Andrea Nöttling (v.r.).
Gronalt

Die Stadtgemeinde Mödling hat das etwa 9.000 m2 Grundstück in der Josef Schleussner-Straße 13-15 erstanden und im Vorjahr einen geladenen Architekturwettbewerb abgehalten.

Geplant ist, über dem bestehenden Garagenbereich drei Wohnhäuser mit etwa 50 Wohneinheiten zu errichten und die derzeit brachliegende Grünfläche als parkähnliches Areal zu erhalten.

Universitätsprofessor Manfred Gronalt übergibt Bürgermeister Hans Stefan Hintner die Unterschriftenliste.
Gronalt

Im November wurden die Anrainer zu einer Infoveranstaltung geladen, bei der es auch um die geplanten Widmungsänderungen ging. Künftig sollen die Grundstücke als „Bauland-Wohngebiet“ und „Grünland-Parkanlage“ gewidmet werden. Noch gilt „Verkehrsfläche privat“ und „Grünland-Sportstätte“.

Das Areal ist im „Örtlichen Entwicklungskonzept“ der Stadtgemeinde, das 2015 vom Gemeinderat neu beschlossen wurde, für einen Lückenschluss des umgebenden Baulandes vorgesehen. Mit dem Ziel, günstigen, geförderten Wohnraum zu schaffen. Einigen betroffenen Anrainern ist das Projekt ein Dorn im Auge. Mittlerweile hat sich die Initiative „Mödling Lebenswert“ gegründet, als Sprecher fungiert Manfred Gronalt, der am Schulweg wohnt.

Kampf um die letzte große Grünfläche

„Viele Bewohner dieses Grätzels sind gegen die Bebauung der letzten Grünfläche zwischen Südbahn und Triester Straße“, betont er im NÖN-Gespräch. Es seien in diesem Gebiet in den letzten 30 Jahren ohnehin schon „mehrere hundert Wohnungen errichtet worden“.

Gronalt, Leiter des Instituts für Produktionswirtschaft und Logistik der Universität für Bodenkultur Wien und Mitglied der wissenschaftlichen Leitung der „Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft“ (ÖVG), kritisiert die beabsichtigten Widmungen in zwei Bereichen: Sie seien „nicht sinnvoll, da dadurch eine sehr enge Bebauung erforderlich wird und Anrainer am Schulweg stark in ihren Rechten eingeschränkt werden“. Vielmehr sei „die vollständige Widmung als Grünland/Park eine einmalige Gelegenheit, den Ostteil der Stadt lebenswerter zu gestalten“.

Man fühle sich vor den Kopf gestoßen, zumal vor Jahren versprochen worden sei, kein weiteres Bauland zu widmen, auch Gespräche zwischen Gemeindevertretern und den Anrainern habe man vermisst. Gronalt übergab Stadtchef Hans Stefan Hintner, VP, jedenfalls eine Petition mit mehr als 200 Unterschriften, um den Stopp der Umwidmung zu erreichen.

Rainer Praschak von den Grünen ist als zuständiger Stadtrat erstaunt. Er lässt das Argument, die Bürger seien nicht informiert worden, nicht gelten. „Dieses Projekt ist nicht von heute auf morgen gekommen. Wir reden seit 2015 darüber und haben im Zuge einer öffentlichen Veranstaltung auch über unsere Absichten informiert.“

Bestand: Stadionbau und Garage möglich

Die Alternativen: Aufgrund der aktuellen Widmung wären „statt der Grünfläche ein Stadionbau und daneben eine riesige Tiefgarage möglich“, präzisiert Praschak. Jetzt sei ein moderates Wohnbauvorhaben mit einem „laut Experten kaum ausschlaggebenden Verkehrsaufkommen“ und die Gestaltung eines Parks geplant. „Inklusive einer attraktiven Verbindung Richtung Mödlingbach.“

Aus seiner Sicht eine deutliche Verbesserung des Bestandes.