Die Münchendorfer Jugend ist für Gespräche offen. Martin Hein wohnt hinter dem Bahnhof und hat ein Auge darauf, dass dieser sauber und gepflegt bleibt.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 26. Oktober 2020 (04:34)
Martin Hein und der Mistkübel, der auf seine Initiative hin aufgestellt wurde. Bei den Radständern halten sich gerne die Jugendlichen auf, ebenso auf der Grünfläche.
Jandrinitsch

Martin Hein scheut nicht davor zurück, die Dinge beim Namen zu nennen und mit denjenigen zu reden, die es betrifft und die zu den Betroffenen oder Verursachern gehören.

Speziell am Bahnhof nimmt er sich kein Blatt vor den Mund. „Ich wohne in der Velmer Straße und ich habe bemerkt, dass die Rückseite des neuen Bahnhofs vor allem ein Anziehungspunkt für Jugendliche ist. Das ist per se nichts Schlechtes, aber wenn es vermehrt dazu kommt, dass leere Getränkeflaschen und Dosen einfach weggeschmissen werden, dann braucht es halt jemanden, der mit den jungen Leuten redet“, erzählt Hein.

Das hat Martin Hein getan, nicht nur mit den Jugendlichen hält er regen Kontakt, sondern auch mit den ÖBB. Mit dem Zug unterwegs zu sein, gehöre zu seinen Leidenschaften, die Fahrpläne kennt er auswendig, er ist Besitzer der Vorteilscard und der Seniorenkarte, auch wenn man ihm sein Alter, 80 plus, weder beim Gehen noch beim Reden anmerkt.

Und so stieg er auch in den Zug, um diesmal eine vergleichsweise kurze Strecke zurückzulegen, von Münchendorf nach Wampersdorf, wo die Arbeiten zur zweigleisigen Erweiterung der Pottendorfer Linie ins Finale gehen. „Ich kenne alle von den Bauarbeiten in Münchendorf. Damals war der Ombudsmann in Achau im Container stationiert, der Bautrupp ist aber schon weitergezogen. Auf jeden Fall habe ich auf das Problem aufmerksam gemacht, dass es auf der Rückseite des Bahnhofes keinen Mistkübel gibt“, erzählt Hein. Wer meint, das habe nichts gebracht, irrt.
Groß und unübersehbar ist er jetzt angebracht, „er wird auch benutzt, ich rede immer wieder mit den jungen Leuten, sie hören sehr wohl darauf, wenn man mit ihnen sagt, es gibt jetzt einen Mistkübel und sie sollen ihren Müll da reinschmeißen“, bestätigt er seine positiven Erfahrungen mit der Jugend.

„Das zweite Problem war“, sagt er, „dass die Wartekabine am Bahnsteig selbst nur drei Wände hatte, die Tür fehlte. Die wartenden Fahrgäste drängten sich im Lift zusammen, um der Kälte zu entgehen“, berichtet der begeisterte Bahnfahrer. Also kontaktierte er wieder die ÖBB und machte auf das Problem aufmerksam.

Und siehe da: „Die Tür ist bereits montiert, die geht sogar elektrisch auf und schließt auch von alleine wieder. Nicht nur bei uns in Münchendorf haben sie so eine Tür angebracht, sondern auch am Bahnhof in Hennersdorf“, erzählt Hein begeistert.

Er sucht weiterhin das Gespräch am Bahnhof, aber ohne erhobenen Zeigefinger und überheblicher oberlehrerhafter Moralpredigten. Der einzige Wermutstropfen: „Vor zwei, drei Wochen wurde die Verkleidung aus Glas beim Stiegenaufgang zum Bahnhof eingeschlagen. Ich habe ein paar junge Leute darauf angesprochen, aber Namen sind mir keine genannt worden, auch die Polizei hat mich gefragt, aber ich habe den Beamten gesagt, dass ich von diesem Vorfall keine genauen Angaben machen kann“, erzählt Hein.

Privat fährt er schon mal mit dem Zug von Münchendorf nach Venedig, macht eine Stadtrundfahrt mit dem Bus und fährt in der Nacht im Zug wieder retour. Seine Frau Eva macht da nicht immer mit, aber sie war es, die den gebürtigen Wiener nach Mündchendorf brachte. Gesehen hat er seine Frau das erste Mal am Bahnsteig des Meidlinger Bahnhofes.

„Da wusste ich die Zugverbindungen aber noch nicht so zu schätzen wie heute“, sagt Hein.