Perchtoldsdorfer Steinbruchsee soll teilweise eingezäunt werden.

Aktualisiert am 22. Juni 2022 | 11:05
Lesezeit: 4 Min
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Die Idylle des Steinbruchsees hat gewiss zu seiner Popularität beigetragen. Hier ein Blick auf die große Besucherzone.
Foto: Wechselberger
Die Marktgemeinde Perchtoldsdorf kann sich vorstellen, das Gewässer an Fischereiverein zu verpachten.
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Der Steinbruchsee liegt auf Kaltenleutgebner Grund, gehört aber Perchtoldsdorf. Er hat in den heißen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, weil er in Sozialen Medien und in Lifestyle-Magazinen als Badesee beworben wurde, was er definitiv nicht ist. Er wurde als Geheimtipp propagiert, zu dem die Menschenmassen strömten, mit allen negativen Folgen: Fäkalien und Damenhygieneartikel hinter Büschen, illegale Lagerfeuer und laute Musik.

Klaus Wechselberger von der „Umweltinitiative Wienerwald“ sorgt nun mit einer Aussendung für Aufsehen: Er bedauere die Auswüchse des illegalen Badetourismus, aber es sollte gelingen, die Besucherströme in geordnete Bahnen zu lenken und den Erholungssuchenden „ermöglichen, zwecks Gesundheitseffekt zur Entspannung auf einer Decke liegen zu können“.

Kritik übt er am Heideverein Perchtoldsdorf, der seiner Meinung nach „an überzogen strengen Naturschutzbestimmungen festhält“.

Heideverein wehrt sich gegen Kritik

Irene Drozdowski vom Heidepflegeverein will diese Kritik nicht unwidersprochen hinnehmen. „Im Moment wird alles angesprüht und zerstört. Deshalb macht es auch keinen Sinn, jetzt Info-Tafeln oder dergleichen aufzustellen, wenn diese in absehbarer Zeit sowieso wieder zerstört sind.“ Die vielen Besucher seien eine „wahnsinnige Beunruhigung für das ganze Gebiet“. Eine Beunruhigung, die auch die Jägerschaft spüre, der es nicht möglich sei, „die jährlich vorgeschriebenen Abschüsse zu tätigen, weil hier ständig Menschen unterwegs sind und die Tiere durch starken Verbiss wichtige Aufforstungen in angrenzenden Gebieten zerstören.“  

Es sei korrekt, dass man nach Möglichkeiten suche, um die Besucherströme in geordnete Bahnen zu lenken. Eine Idee der Gemeinde Perchtoldsdorf sei, aus dem Steinbruchsee einen Fischteich zu machen, „auch wenn das naturschutzfachlich keine gute Lösung für die Amphibien ist. Dafür müssten im Ausgleich Tümpel für die Frösche und Kröten geschaffen werden“.

"Naturschutz wurde mit Füßen getreten"

Bürgermeisterin Andrea Kö, ÖVP, bestätigt: „Der Naturschutz wurde im Naturschutzgebiet mit Füßen getreten. Deshalb haben wir im Gemeinderat einen Punkt auf der Tagesordnung, der sich genau mit dem Problem beschäftigt. Wir wollen einem Fischereiverein den Steinbruchsee verpachten.“

Selbstverständlich müsse die Anzahl der Fischer, die dort Fischen dürfen, geregelt werden. Und es müssten zusätzliche Oberflächengewässer für die Amphibien geschaffen werden. Auch soll der breite Zugangsweg verkleinert werden sowie ein 30 Meter langer Zaun als bauliche Barriere zu den Besucherzonen errichtet werden. Dieser Zaun sei der Konsens, entstanden aus einer gemeinsamen Lage-Besprechung mit folgenden Teilnehmern: Marktgemeinde Perchtoldsdorf, Marktgemeinde Kaltenleutgeben, Bezirkshauptmannschaft Mödling, Abteilung Naturschutz Land NÖ, Polizei, die Feuerwehren der beiden Gemeinden, die Jägerschaft und der Heideverein.

„Unser Zugang ist, es ist besser, dass die Natur geschützt wird, als dass es so weiter geht wie bisher.“

Außerdem habe man an die Naturschutzabteilung des Landes geschrieben, um die Besucherzonen aufheben zu dürfen. Dass die Idee, aus dem Steinbruchsee einen offiziellen Badesee zu machen, im Moment nicht durchführbar ist, weiß auch Kaltenleutgebens Bürgermeisterin Bernadette Geieregger, ÖVP: „Wir sind nicht Grundbesitzer und haben auch keine Parteienstellung. Unser Zugang ist, es ist besser, dass die Natur geschützt wird, als dass es so weiter geht wie bisher. Wir haben zwar ein Nutzungskonzept für einen Badesee ausarbeiten lassen, aber um Änderungen betreffend Vogelschutz in die Verordnungen einfließen zu lassen, hätten wir noch einmal 50.000 Euro in die Hand nehmen müssen. Das jetzige Konzept hat uns bisher 12.000 Euro gekostet, ich muss mit dem Steuergeld meiner Bürger sorgsam umgehen. Und ich will nicht 50.000 Euro investieren und dann kommt unterm Strich nichts heraus.“

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