Vösendorf: Hannes Koza wird „kein Wirbelwind“ sein. Der ÖVP-Spitzenkandidat wird am 6. März zum Bürgermeister gekürt. Seine Pläne verrät er im NÖN-Gespräch.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 27. Februar 2020 (05:00)
Am 6. März wird Hannes Koza, ÖVP, zum Bürgermeister gekürt werden. Die Koalition mit den Grünen macht’s möglich, dass die seit Jahrzehnten andauernde SPÖ-Ära in der Gemeinde endet.
Dworak

NÖN: Zum 42. Geburtstag haben Sie bereits ein ,Burgamasta‘-Leiberl bekommen, auch sonst hört man von ,Bürgermeister Hannes Koza‘. Wie fühlt sich die neue Situation an?

Hannes Koza: Schön langsam realisiere ich alles. Grundsätzlich muss ich sagen, dass es nie unser Ziel war, Nummer 1 in Vösendorf zu werden. Das wäre utopisch gewesen. Dass wir schlussendlich bis auf neun Stimmen zur SPÖ aufschließen konnten und nunmehr gleich viele Mandate halten, ist sensationell.

Am 6. März werden Sie zum Bürgermeister der Marktgemeinde Vösendorfer gewählt werden. Sie sind jetzt am Ziel Ihrer politischen Träume?

Koza: Ich war schon Kandidat bei Landtags-, Nationalrats- und EU-Wahl und habe, vor allem in Vösendorf, immer ein für mich unglaublich gutes Ergebnis erzielen können. Da habe ich mir schon immer gedacht: Wenn ich das bei Gemeinderatswahlen auch umsetzen kann, ist einiges drinnen.

Vor 20 Jahren hatte die ÖVP in Vösendorf gerade einmal zwei Mandate inne, 2015 waren’s sieben, jetzt sind’s sogar 12. Wodurch ist dieser aktuelle Erfolg zu erklären?

Koza: Ich habe ein komplett neues Team geformt, das zu einem Großteil aus parteiunabhängigen Personen besteht. Ich bin überzeugt, dass Parteiideologie – im Gegensatz etwa im Bund – in einer Gemeinde nicht notwendig ist. Der Bau eines neuen Kindergartens oder der Umstieg auf LED-Beleuchtung ist aus meiner Sicht völlig ideologiefrei. Die Öffnung fürs Miteinander hat sich ausgezahlt. Die ,parteifreien‘ Mandatare, die in den Gemeinderat einziehen, werden das auch bleiben.

Was können die Vösendorferinnen und Vösendorf von der neuen schwarz-grünen Ära erwarten?

Koza: Alexandra Wolfschütz als Vizebürgermeisterin und ich haben vor, sehr viel zu ändern. Wir haben bei den Verhandlungen mit den Grünen sehr viele Überschneidungen gefunden. Ich verspreche jede Menge frischen Wind für Vösendorf, es wird aber kein Wirbelwind sein, der alles durcheinanderbringt. Die Ängste, die von der SPÖ im Vorfeld vor allem im Hinblick auf die Gemeindeverwaltung und deren Mitarbeiter geschürt worden sind – , Wenn der Koza kommt, haut er euch alle raus‘ – entbehren jeder Realität.

Apropos SPÖ. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum Vösendorfer SPÖ-Team beschreiben, gibt es überhaupt eine Gesprächsbasis?

Koza: Meine Hand ist trotz der vielen An- und Untergriffe im Wahlkampf, insbesondere auf meine Familie und meinen Betrieb ausgestreckt. Ich schätze Wolfgang Gratzer als neuen Ansprechpartner sehr und freue mich auf die Zusammenarbeit. Ich werde die SPÖ nicht ausgrenzen, sondern auf die Erfahrung und Unterstützung setzen.

Am 6. März findet die konstituierende Sitzung statt. Was werden Ihre ersten Amtshandlungen sein, was haben Sie sich vorgenommen?

Koza: Es wird zuerst einen Kassasturz geben. Den wird das Land durchführen, ich habe diesbezüglich schon bei Landesrat Ludwig Schleritzko vorgefühlt. Dann wissen wir, was wir uns leisten und was wir für Vösendorf tun können.

Wie stehen sie zur Causa „Südtower“?

Koza: Das Thema ist für mich nicht abgeschlossen. Die Causa belastet das Budget auch noch in den nächsten 20 Jahren mit jährlich einer Million Euro. Hier will ich ausloten, ob es noch Möglichkeiten gibt, die Verursacher, sprich alle Gemeinderäte, die damals diesem völlig waghalsigen Vertrag zugestimmt haben zur Verantwortung zu ziehen. Ich sehe nicht ein, dass die Vösendorfer Bevölkerung dafür aufkommen soll.

Sie sind bekanntlich auch begeisterter Ex-tremsportler. Wird sich das zeitintensive Training auch als Bürgermeister noch machen lassen?

Koza: Da werde ich im Gegensatz zur Politik nur noch halbe Sachen machen. Ich werde nur mehr an Halb-Ironmans teilnehmen.

Die SPÖ und die ÖVP halten je 12 der insgesamt 29 Mandate, die Grünen 3, die FPÖ und die Liste „Wir Vösendorfer“ je eines.