Bertassi: „Mödling ist auch mutig“. „teatro“-Gründer und Intendant Norberto Bertassi über die schwierige Jubiläumssaison in Mödling und ein 2021-Ausblick.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 20. August 2020 (05:22)
Bürgermeister Hans Stefan Hintner, Kulturstadtrat Stephan Schimanowa,Intendant Norberto Bertassi, „Tom“Lorenz Pojer und „Huckleberry“Moritz Mausser.
Willy Kraus

NÖN: Die Kritiker überhäufen die aktuellen Produktion mit Lob, man spricht vom besten Stück, das teatro je produziert hat. Und all das in einer sehr schwierigen Zeit – just zum 10-jährigen Mödling-Jubiläum. Wie sehr hingen die Aufführungen an einem seidenen Faden?

Norberto Bertassi: Das Buch war fertig, die Songs waren fertig, die Cast war fixiert. Und statt des zu Ostern üblichen Kick-offs sahen wir uns mit dem Lockdown konfrontiert. Im April haben Bürgermeister Hans Stefan Hintner, Kulturstadtrat Stephan Schimanowa und ich erste Gespräche geführt, wie wir das Stück doch aufführen könnten. Dass das Stadttheater aufgrund der Abstandsregeln ausgeschieden ist, war klar. Ein Open-Air im Steinbruch wäre zwar reizvoll gewesen, ist aber illusorisch. Wohin mit den Garderoben, den Instrumenten, was tun bei Regen? Also ist die Alternative mit der Europahalle geblieben.

Ein Turnsaal als Theater – war das nicht ein teures Unterfangen?

Bertassi: Die Stadt Mödling und das Land Niederösterreich haben uns nie im Stich gelassen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat gemeint, sie hält allen die Daumen, die mutig sind. Und wir in Mödling waren genau so mutig wie beispielsweise die Verantwortlichen der Salzburger Festspiele. Und als die Zusage des Landes kam, dass man finanzielle Verluste ersetzen werde, war ich entspannt. Ich muss als Manager auch rechnen können.

Wie kann man sich die Proben unter Corona-Bedingungen vorstellen?

Bertassi: Dankenswerterweise durften wir wieder bei Michaela Pojer-Lamisch in Gumpoldskirchen proben. Zu Beginn nur mit maximal zehn Personen und entsprechendem Abstand – ohne Berührungen, weder szenisch noch choreografisch, nur musikalisch. Die ersten beiden Juli-Wochen hatten wir alle Urlaub, nach einer weiteren Probenzeit in Gumpoldskirchen sind wir Ende Juli in die Halle übersiedelt. Zu diesem Zeitpunkt noch ohne Bühne.

Hat sich die Turnhalle als Veranstaltungsort bewährt?

Bertassi: Sie hat viele Vorteile: Die Bühne ist größer als im Stadttheater, es gibt genügend Platz für alle – auch, was die Garderoben anbelangt – und viele kleine Räume, die man zum Proben verwenden kann. Aber auch Nachteile, wie etwa den fehlenden Schnürboden; man kann szenisch also nichts von oben runterlassen, es gibt keinen Vorhang, die Beleuchtung von vorne und seitlich ist kaum möglich. Aber es ist eine, auch im Hinblick auf die Einhaltung der Corona-Maßnahmen, perfekte Alternative.

Wie ist das Team mit der erschwerten Gesamtsituation umgegangen?

Bertassi: Ich denke, ich kann getrost vom besten Team sprechen, das wir bislang gehabt haben. Trotz der konstanten Anspannung, ob wir überhaupt auftreten werden bzw. können, war die gesamte Zeit von Harmonie geprägt. Alle waren sich dessen bewusst, dass wir heuer stärker denn je zusammenhalten müssen. Und wenn jetzt die Kritiker von der besten Aufführung sprechen, ist das wohl die größte Auszeichnung für die gesamte teatro-Familie.

Hat sich der Corona-Hygieneplan bewährt?

Bertassi: Wir haben ein eigenes Sicherheitsteam im Einsatz, der Mund-Nasenschutz muss bis zum Sitzplan getragen, die Hände müssen bei den Eingängen desinfiziert werden. Und die Tests des gesamten Ensembles waren negativ.

Wie sieht der teatro-Spielplan 2021 aus?

Bertassi: Da gehe ich durchaus ein Wagnis ein, was den Stoff betrifft. Ich habe das amerikanische Historiendrama ,Little women‘ ausgewählt. Das ist ein Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Louisa May Alcott, den sie 1868 veröffentlicht hat. Es geht dabei um das Thema Emanzipation und vier Frauen, die sich damals über Männerdomänen hinwegsetzen wollten. Für mich ist die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen wichtiges Thema. Der gleichnamige Film wurde heuer übrigens für den Oscar nominiert.

Wo wird der Spielort sein?

Bertassi: Im Stadttheater. Premiere ist am 22. Juli 2021. Die Europahalle ist zwar eine tolle Location, aber für uns dadurch, dass man eine Bühne aufbauen muss, unfinanzierbar. Das war nur heuer durch die großzügigen Unterstützungen in dieser schwierigen Corona-Zeit möglich. Dafür möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die an uns geglaubt und uns unterstützt haben.