Vorbereitungen auf Öffnung von Admiral-Filialen laufen. Die Glücksspielbranche leidet schwer unter der Coronakrise, mussten doch Automatenhallen und Spielcasinos in vielen Ländern der Welt gesperrt werden.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 25. Mai 2020 (13:34)
Die Novomatic-Zentrale in Gumpoldskirchen. Foto: APA/Robert Jäger
APA/Robert Jäger

Hinzu kommen die ausgefallenen Sportveranstaltungen und das damit einbrechende Wettgeschäft. Der Branchenriese Novomatic bereitet sich bereits auf die Wiedereröffnung seiner mehr als 260 Admiral-Wettbüros in Österreich Ende Mai vor.

Aktuell sind die Admiral-Spielstätten geschlossen. Mit 1. April hat Novomatic fast alle seiner 3.200 Mitarbeiter in Österreich, davon arbeiten etwa 1.500 bei Admiral, zur Kurzarbeit angemeldet. In Österreich kämen für Novomatic Kündigungen "keinesfalls infrage", so Novomatic-Marketing- und -Kommunikationschef Stefan Krenn auf APA-Anfrage. "Binnen kürzester Zeit mussten nahezu auf der ganzen Welt (natürlich auch in Österreich) alle Spielstätten und Casinos gesperrt werden." Allein im März 2020 kam es laut aktuellem Novomatic-Geschäftsbericht zur Schließung von 75 Prozent der Spielstätten in jenen europäischen Ländern, in denen der Konzern aus Gumpoldskirchen in Niederösterreich tätig ist.

Derzeit produziere Novomatic Trennwände und andere Schutzeinrichtungen, um die Admiral-Kunden zu schützen, so Krenn.

Auch die 12 Spielbanken des Konkurrenten Casinos Austria sperren am 29. Mai wieder auf, wie Konzernsprecher Patrick Minar zur APA sagte. Man wisse allerdings noch immer nicht, wie der Betrieb konkret aussehen wird. "Wir warten dringend auf Vorgaben" bezüglich Abstandsregelungen, Anzahl der Besucher, Maskenpflicht etc. "Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet." Ob auch alle der rund 20 ebenfalls zum teilstaatlichen Casinos-Austria-Konzern gehörenden Automatenhallen WINWIN bereits Ende Mai wieder aufmachen, sei indes noch offen. Dies hänge auch von den Auflagen ab. "Man muss sich ansehen, ob es sich wirtschaftlich rechnet." Bei den Casinos Austria sind laut Minar derzeit 90 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, jedoch in sehr unterschiedlichem Ausmaß: manche arbeiteten um zehn Prozent, manche um 90 Prozent weniger.

Der Novomatic-Konzern, der bis vor kurzem 17 Prozent an den Casinos Austria hielt, stellt auch Spielautomaten her - auch während der Coronazeit. Man habe die Produktion trotz Krise auf einem stabilen Niveau gehalten, so Sprecher Krenn.

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für Novomatic könne man noch nicht abschätzen. "Entscheidend wird sein, wie lange die durch den Virus möglicherweise verursachten Lieferverzögerungen im Zusammenhang mit der Produktion von Gaming Equipment sowie die temporären Schließungen von Spielstätten und Casinos letztlich andauern werden", so Krenn.

Zur geplanten Loseisung des Österreich-Sportwettengeschäfts äußerte sich Krenn nicht. Novomatic-Gründer Johann Graf hat sich im Gefolge des Auffliegens der Casinos-Affäre rund um einen FPÖ-Politpostenschachter von Österreich abgewendet und angekündigt, die Tochter Admiral mit rund 1.500 Mitarbeitern zu verkaufen.

Den Ende Februar ausgeschiedenen Konzernchef Harald Neumann will Novomatic nicht ersetzen. Seine Agenden bleiben beim Vorstandsduo Ryszard Presch und Johannes Gratzl. Diese beiden "erfahrenen und ausgewiesenen Experten" hätten Neumanns Agenden übernommen und führten das Unternehmen als bewährtes Vorstandsteam, so der Sprecher. Der kurz nach Neumann abgegangene Sprecher Bernhard Krumpel wird auch nicht ersetzt, seine Aufgaben seien von der Marketing- und Kommunikationsabteilung übernommen worden, so Krenn.

Die frühere Grünen-Chefin Eva Glawischnig ist nach wie vor in Bildungskarenz. Der von ihr bei Novomatic geführte Bereich Corporate Responsibility wird laut Krenn interimsmäßig vom Leiter der Operative Corporate Responsibility & Sustainability geführt. Der Job bei Novomatic hatte Glawischnig 2018 scharfe Kritik aus den Reihen ihrer Partei eingebracht. Sie trat wegen ihrer Tätigkeit beim Glücksspielkonzern aus der Partei aus.

Neumann hat sich inzwischen als Berater selbstständig gemacht, seine Firma namens HNConsult GmbH wurde am 21. April ins Firmenbuch eingetragen. Er sitzt noch immer im Aufsichtsrat der Casinos Austria AG sowie der Lotterien. Krumpel, der bis Mitte 2016 Mitarbeiter des nunmehrigen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP) gewesen war, ist ebenfalls wieder in der Beratung tätig. Laut Firmenbuch ist er seit 2. April 2020 Geschäftsführer der bereits 2010 gegründeten krumpel gmbh, die Krumpel zu 100 Prozent gehört.

In der Causa Casinos wird gegen zahlreiche prominente Manager und (Ex-)Politiker ermittelt, unter anderem gegen Novomatic-Gründer Graf, Ex-Boss Neumann, Ex-Vizekanzler und Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Ex-Vizekanzler und Casinos-Aufsichtsrat Josef Pröll (ÖVP), Casinos-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner und ÖBAG-Chef Thomas Schmid. Für alle gilt die Unschuldsvermutung, die Vorwürfe wurden bisher stets bestritten.