Perchtoldsdorfer Bau-Pläne ändern sich. Position der Parteien zum Entwicklungskonzept ist klar. Die ÖVP ist zufrieden, SPÖ kritisiert gebrochene Versprechen. Grüne freuen sich über Mobilitätskonzept.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 03. Dezember 2020 (03:34)
Perchtoldsdorf soll sich einerseits seinen ländlichen Charme einer Weinbaugemeinde erhalten, andererseits neue Wege auch in puncto Verkehr finden, um sich weiter zu entwickeln.
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Am Dienstag, nach Redaktionsschluss, lagen das neue örtliche Entwicklungskonzept sowie das neue Raumordnungsprogramm samt Mobilitätskonzept dem Gemeinderat zum Beschluss vor. Die NÖN hat schon vorher die Meinungen der Parteien eingeholt, die zwei Jahre lang darüber diskutiert und beraten haben.

ÖVP-Gemeinderätin Andrea Kö erklärt: „Für die ÖVP Perchtoldsdorf war es wichtig, das Feuer und nicht die Asche zu bewahren. Wir wollen den einzigartigen Charakter unseres wunderschönen Ortes erhalten, aber dennoch eine Weiterentwicklung zulassen.“ Daher konnte man auch nicht in allen Punkten mit den anderen Parteien konform gehen, auch wenn es viele Übereinstimmungen gibt. Bei diesen Entscheidungen waren natürlich auch die Interessen der Liegenschaftseigentümer zu berücksichtigen.

Kö erklärt: „Das neue Programm sieht vor, die Bebauungsdichte im Zentrum zu erhöhen. Dass dabei das Ortsbild erhalten bleibt, wird schon seit Kurzem durch den Baubeirat, der sich aus unabhängigen Experten zusammensetzt, sichergestellt. Es ist unsere Aufgabe auf das Ortsbild zu achten. Das ist auch den Perchtoldsdorferinnen und Perchtoldsdorfern wichtig“, weiß Kö. Im Bereich der Sonnbergstraße wurde die Größe für Baugrundstücke von 600 m² auf 800 m² angehoben. Mit dieser Maßnahme soll eine zu dichte Verbauung in diesen Bereichen verhindert werden, weil diese nicht zu den jetzt bestehenden Gärten und Häusern passe und damit der Charakter in diesem Ortsteil erhalten bleibe.

Die Bürgerliste mit Gabriele Wladyka, im Gemeinderat jetzt für die Ortsentwicklung zuständig, sieht viele positive Änderungen. Sie meint: „Gelungen sind die Erhöhung der Mindestgrundstücksgröße, die Festlegung von maximal sechs Wohneinheiten in Teilen des Kerngebietes, Freiflächen zum Schutz von Grünräumen, verschärfte Bebauungsbestimmungen vor allem in den Schutzzonen. Auch ein Baubeirat wurde installiert.“ Dennoch sei die Bürgerliste nicht ganz zufrieden, denn in vielen Bereichen wurde von der Auflage abgerückt und geplante Verschärfungen zurückgenommen.

So soll in der Sonnbergstraße eine Wohnhausanlage mit 17 Wohnungen ermöglicht werden, „was wir eigentlich verhindern wollten. Hier hat man dem Druck der Eigentümer nachgegeben.“ Das sieht auch die SPÖ so. Gemeinderat Anton Plessl erklärt: „Meine Sorge, es werde ‚Freundschaftsumwidmungen‘ geben, hat sich bewahrheitet. In der Sonnbergstraße wurde in der Auflage des Bebauungsplanes ein Grundstück als Bauland Wohngebiet mit der Möglichkeit der Errichtung von zwei Wohneinheiten ausgewiesen. Beschlossen wird nun eine Widmung, die 17 Wohneinheiten zulässt.“

Mobilitätskonzept wurde mitberücksichtigt

Christian Apl von den Grünen freut sich, dass erstmals auch ein Mobilitätskonzept mit berücksichtigt wurde. „Das alleine ist schon ein großer Fortschritt“, sagt Apl. Besonders liegt ihm das Radverkehrskonzept am Herzen, der Erhalt der fußläufigen Verbindungen und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, was Apl für den größten Brocken hält. „Das geplante Mikro-ÖV-System ist für Perchtoldsdorf ganz wichtig. Bis 2022 soll ein Konzept erarbeitet sein, wie der viergleisige Ausbau der Südbahn bis Mödling tatsächlich in die Realität umgesetzt werden kann.“