Maria Enzersdorf: Schäfer Peikert verliert seine Weide

Schottenstift beschreitet Rechtsweg und löst Vertrag vorzeitig auf. Biobauer bangt jetzt um Futter für seine Tiere.

Viktor Andreas Haunold Erstellt am 06. Oktober 2021 | 06:01
 Heinz Peikert verliert Pacht
Franz Doskoczil (l.) und Heinz Peikert (r.) mit seinen Obstbäumen auf dem Rauchkogel.
Foto: Viktokr A. Haunold

Heinz Peikert ist Biobauer aus Leidenschaft. Mit seinen interessanten Tätigkeiten in puncto Outdoorpädagogik, spielerischen Umgang mit der Natur und Naturvermittlung hat er sich im Bezirk Mödling einen Namen gemacht.

Auf der rund 6000 m² großen gepachteten Wiese lässt er nicht nur seine Schafe weiden, erntet Bioobst von 20 selbst gepflanzten Bäumen und hält regelmäßig Sensen- und Mähkurse ab. Doch damit soll es mit einem Schlag vorbei sein. Der Eigentümer des Grundstückes, das Wiener Schottenstift, hat der Rechtsanwaltskanzlei Krist-Bubits aus Mödling den Auftrag erteilt, den Pachtvertrag mit 1. Jänner 2022 ohne Angabe von Gründen via Gericht zu kündigen.

Schottenstift strebte Pachtkündigung an

„Die Wiener Schotten haben das Gericht angerufen, um mögliche Probleme mit dem Vermieter im Vorhinein zu vermeiden, denn nur wenn das Gericht einen Exekutionstitel erwirkt, ist eine unverzügliche Räumungsmöglichkeit gegeben“, erläutert Rechtsanwalt Peter Bubits diesen Schritt.

Franz Doskoczil, ein Nachbar und eine unterstützende Vertrauensperson von Peikert versteht die Vorgensweise des Stifts nicht: „Bei der gerichtlichen Verhandlung war die Richterin Herrn Peikert gegenüber sehr positiv eingestellt und hat versucht die Eigentümer von einer gütlichen Regelung zu überzeugen, doch leider vergeblich. Auch wurde seitens der Schotten kein Grund für einen Eigenbedarf angegeben.“

Vom Wirtschaftsdirektor des Stiftes, Wolfgang Steininger, gibt es zur Vorgehensweise der Schotten nur einen knappen Kommentar: „Das Schottenstift möchte die Fläche nunmehr anders nützen und einen Weingarten aussetzen.“ Doch damit entziehen die Eigentümer dem Biobauern, der in fünf Jahren in Pension gehen will, seine Existenzgrundlage, denn die Schafe überwinterten jahrelang auf der gepachteten Fläche.

„Geht mir die Pachtfläche verloren, dann stehe ich vor unlösbar großen Problemen mit finanziellem Schaden. Wohin mit den Schafen?“, fragt ein verzweifelter Heinz Peikert. Den Ort, wo sich die Schafe jetzt aufhalten, verrät Peikert nicht, möchte er sich doch keine weiteren Probleme einhandeln. Er will nur eines: Pachtflächen finden, wo seine Schafe ungestört weiden können. Und das so lange, bis er in Pension geht.