Wiener Neudorf: Nur ein Drittel ging zum Test. Bürgermeister Herbert Janschka enttäuscht über mangelnde Bereitschaft der Bevölkerung, sich testen zu lassen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 03. März 2021 (04:55)
Philip Pinter, Bürgermeister Herbert Janschka, Testerin Katharina Scharer und der Leiter des Freizeitzentrums Thomas Koloszar.
Judith Jandrinitsch

Zum PCR-Test eingeladen war die gesamte Neudorfer Bevölkerung, denn im Sinne der Gesundheit aller Wiener Neudorfer galt es rasch herauszufinden, ob sich die südafrikanische Virusvariante in der 10.000-Einwohner Gemeinde bereits weiterverbreitet hat. Die Mutation war in Wiener Neudorf am Mittwoch, 24. Februar zu Mittag bestätigt worden, nachdem das positive Ergebnis einer Test-Sequenzierung vorlag. Sieben Personen hatten sich mit der Südafrika-Mutante infiziert, diese sind aber längst wieder genesen.

Innerhalb von zwei Stunden wurden noch am Mittwoch, 24. Februar, im Franz Fürst Freizeitzentrum zehn Teststraßen errichtet. Bürgermeister Herbert Janschka, ÖVP, hoffte auf eine möglichst starke Beteiligung der Wiener Neudorferinnen und Wiener Neudorfer, zu den Tests zu kommen. Doch der NÖN-Lokalaugenschein am Freitagvormittag zeigte, dass sich der Zustrom zur Teststraße in Grenzen hielt. Auch die hauptberufliche Testerin Katharina Scharer vom Roten Kreuz freute sich über jede Person, die zu den Teststraßen kam.

Erstaunt war sie, dass doch einige Personen die PCR-Tests mit den herkömmlichen Antigen-Tests verwechselten und glaubten, per SMS informiert zu werden. Und auch Gräuelgeschichten über den Nasenabstrich dürften weiterhin die Runde machen, vor allem auch virtuell über Soziale Medien. „Ich versuche, so sanft wie möglich zu sein. Aber der Nasenabstrich ist vielleicht ein Grund, warum viele Menschen doch nicht zu den Tests gehen“, meint Scharer.

Am Freitagvormittag ist Ortschef Janschka noch positiv gestimmt, dass bis Sonntag noch mehr Bürgerinnen und Bürger kommen, um sich testen zu lassen. „Ich habe als Bürgermeister natürlich keine rechtliche Handhabe und kann die Leute nicht zwingen, sich testen zu lassen, obwohl in einem Fall wie diesen die Gesundheit der Allgemeinheit wohl am wichtigsten ist“, sagt Janschka.

Guntramsdorfer Mittelschule Betroffen

Durch infizierte Schüler betroffen war auch die Mittelschule in Guntramsdorf.

Direktorin Erika Klonner bestätigt, dass zwei Klassen bis Ende der vorigen Woche im Distance Learning geführt wurden.

Bezirkshauptmann Philipp Enzinger gibt Entwarnung: „Die drei Familien, die sich mit der in NÖ erstmalig aufgetretenen Südafrikanischen Mutation infiziert hatten und deren Kontaktpersonen wurden neuerlich getestet und wiesen einen CT Wert deutlich über 30 auf, das heißt, sie sind verlässlich nicht mehr ansteckend. Die Bildungsdirektion NÖ hat umgehend auch die Testung der NMS Guntramsdorf, die drei der Kinder einer der betroffenen Familien vor Ihrer Quarantäne besucht haben, veranlasst: Ergebnis: Alle getesteten 111 Schüler und 38 Lehrer waren negativ. Enzinger zeigt sich zufrieden: „Seitens der Bezirkshauptmannschaft Mödling wurde in enger Abstimmung mit dem Landessanitätsstab beim erstmaligen Auftreten dieser neuen Mutation in NÖ sofort gehandelt und sichergestellt, dass von den Betroffenen keine weitere Verbreitung diese Mutation ausgehen kann.“

Die Test-Bilanz lag am Sonntagabend vor: 2.966 Personen ließen sich testen, davon waren aber nur rund 2.700 Personen aus Wiener Neudorf. Rund 20 Personen waren Corona-Positiv, bis Montagabend war bestätigt, dass die Südafrika-Variante bei drei Getesteten vorlag. Janschka merkt an: „Wir schreien alle, wir wollen keinen Lockdown, aber offensichtlich wollen die Menschen doch einen Lockdown, denn eine so geringe Testbeteiligung ist kein gutes Zeichen gegenüber der Regierung.“