Die tägliche Anreise der Mödlinger zur Arbeit. 25.000 Mödlinger fahren regelmäßig mit Auto oder Öffis nach Wien. Dabei stressen unpünktliche Züge.

Von Daniela Purer. Erstellt am 11. Dezember 2019 (05:38)
Zuerst steigt Julia Proyer in ihrem Heimatort Achau in einen Zug der Pottendorfer Linie. In Wien angekommen, bringt sie der Bus 13 A zum Naschmarkt, wo sich ihre Arbeitsstelle befindet. Foto: Purer
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Die Achauerin Julia Proyer, Grafikerin beim Wiener Verlag Albatros Media, pendelt seit zehn Jahren mit der S-Bahn nach Wien und dann weiter mit dem Bus 13 A bis zum Naschmarkt.

Nicht immer ist Proyer ganz zufrieden, oft gäbe es Ärger mit Verspätungen und Zugausfällen. Sie erzählt: „Einmal musste ich im Hochsommer auf einen Zug warten, der nur einmal in der Stunde fährt, weil der Schienenersatzbus zu spät am Bahnsteig eingetroffen ist und der Zug nicht auf die Leute im Bus gewartet hat. Ich habe mich bei den ÖBB beschwert, habe aber keine Antwort erhalten.“ Achau ist mit 83 Prozent Pendleranteil auf Platz drei im Bezirk Mödling.

Ein Trio verfügt über die höchste Pendlerquote

Mit 85,3 Prozent verfügt Hennersdorf gemeinsam mit Münchendorf und Kaltenleutgeben über die höchste Pendlerquote im Bezirk. Hennersdorfs Bürgermeister Ferdinand Hausenberger, ÖVP, gibt zu bedenken: „Bei uns haben sich eher kleine Betriebe angesiedelt, die natürlich auch weniger Beschäftigte haben. Aber dafür bietet unsere Gemeinde eine gute öffentliche Anbindung. Mit dem Bus ist man schnell bei der U1 oder der U6, mit dem Zug nach dem Ausbau der Pottendorfer Linie ebenfalls rasch in Wien.“

Josef Graf, SPÖ, ist Ortschef in Kaltenleutgeben, der Gemeinde mit der zweithöchsten Pendlerquote im Bezirk. Der Grund für die hohe Anzahl an Pendlern liegt ebenfalls darin, dass „wir wenige Betriebe im Ort haben, daher müssen die Einwohner in andere Gemeinden arbeiten. Das wirkt sich natürlich auch auf den Verkehr aus“. Er selbst pendelt seit 32 Jahren mit dem Auto nach Liesing, von dort weiter mit der Schnellbahn zur Landstraße und dann zu Fuß ins Verkehrsministerium.

Im Gegensatz dazu ist der Anteil der Pendler mit 80,5 Prozent in Vösendorf am Niedrigsten. Das liege vor allem daran, dass „die Marktgemeinde Vösendorf viele Gewerbe- und Handelsbetriebe beheimatet und somit ergeben sich auch zahlreiche Arbeitsplätze für die Vösendorferinnen und Vösendorfer“, erläutert Bürgermeisterin Andrea Stipkovits, SPÖ.

Deutliches Plus bei den Pendlern

Nichtsdestotrotz stieg in Vösendorf die Zahl der Pendler zwischen 1991 und 2017 am zweithöchsten an, und zwar um 8,8 Prozent. Überholt wird Vösendorf nur von Gumpoldskirchen. Waren es hier 1991 noch rund 65 Prozent der arbeitenden Bevölkerung, die auspendelten, so sind es heute 76 Prozent, ein Plus von rund 11 Prozent.

Gering hingegen ist der Anteil der Pendler in Perchtoldsdorf. 2017 waren es rund 77 Prozent. Die Perchtoldsdorferin Natalie Leutgeb fährt heute mit dem Auto zu ihrer Arbeitsstätte, dem ORF am Küniglberg: „Früher habe ich es so gemacht, dass ich bei Frühdienst mit dem Auto nach Atzgersdorf gefahren bin und von dort direkt mit dem Bus in die Arbeit. Da es diesen leider nicht mehr gibt, bin ich nur noch mit dem Auto unterwegs.“ Der Grund dafür ist, dass sie nach der Arbeit schneller zu Hause sein möchte, vor allem, wenn es am Abend früher dunkel wird.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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