Die erste Bürgermeisterin: Andrea Kö. Ein durchaus historisches Datum: Mittwoch, 23. Juni 2021, 18.42 Uhr. Perchtoldsdorf hat erstmals eine Bürgermeisterin. Noch dazu eine hauptberufliche. Andrea Kö (57), ÖVP, Mutter von drei Kindern und vierfache Oma, hat die Nachfolge von Martin Schuster angetreten, der sich nach 19 Jahren an der Spitze der Marktgemeinde, künftig auf seine politische Tätigkeit im NÖ-Landtag (stellvertretender ÖVP-Klubobmann) konzentrieren will.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 24. Juni 2021 (06:37)

„Das ist eine ganz große Ehre für mich“, nahm Andrea Kö die einstimmige Wahl – alle anwesenden 36 Mandatare schenkten ihr das Vertrauen – gerührt zur Kenntnis. Dass sie ihren Job als Prokuristin in der „Villa Medica“ in Mödling aufgegeben hat, habe einen guten Grund: Perchtoldsdorf (15.000 Einwohner) ist nach Lustenau (23.500) Österreichs zweitgrößte Marktgemeinde und hat sich „100-prozentigen Einsatz verdient“.

Kö, seit 2005 Gemeinderätin, seit 2014 stellvertretende Landesleiterin der „Wir Niederösterreicherinnen“, seit 2017 stellvertretenden Landesparteiobfrau der ÖVP, will „offen für Anliegen und konstruktive Kritik“ sein. Ein klares Nein sieht sie in der „Auseinandersetzung über Soziale Medien. Ich stehe für den persönlichen Diskurs“, fand die Bürgermeisterin deutliche Worte. Die anstehenden großen Herausforderungen seien gemeinsam zu schaffen, Perchtoldsdorf könne auf dem „festen Fundament der kontinuierlichen Arbeit aller Mandatare und Mitarbeiter“ aufbauen. Und Kö ist sicher: „Uns wir nicht langweilig werden.“

Unter anderem will Kö den Breitband-Ausbau forcieren und denkt an digitale Sprechstunden sowie Infoveranstaltungen. Eine rasche Antwort auf die Parkpickerl-Einführung in Wien muss gefunden werden, ein Pilotprojekt zur Nutzung des Regenwassers soll her und nicht zuletzt will sich Kö bemühen, die Auszeichnung „Demenzfreundlich Gemeinde“ anzupeilen.

Alles in allem freut sie sich auf Bevorstehendes, „tritt die Reise gerne an“ und hält es mit Aristoteles: „Du kannst den Wind nicht ändern, aber du kannst die Segel anders setzen.“

Reaktionen

Martha Günzl vom „grünen“ Koalitionspartner gratulierte der neuen Bürgermeisterin mit einem Gedicht, das wie folgt endete: „Freu‘ i mich jödüdeldö – auf eine Frau – Andrea Kö“, FPÖ-Gemeinderat Robert Lugar attestierte Kö, dass sie einiges mitbringe, „das wir in Perchtoldsdorf brauchen – vor allem das Miteinander. Ich hoffe, sie gehen auch große Visionen an“. NEOS-Gemeinderat Christoph Müller sprach von einem „Vertrauensvorschuss“, freut sich „aufs Miteinander und auch aufs konstruktive Streiten“. SPÖ-Ortsparteivorsitzende Susanne Giffinger wünschte Kö, dass „all die Anstrengungen zu unser aller Ziele führen“, Gabriele Wladyka von der Bürgerliste hofft, dass sich die Gemeinde unter der Führung von Andrea Kö „wieder erfängt“.

Auch die beiden neuen geschäftsführenden Gemeinderäte, Johanna Mayerhofer (Kultur) und Martin Fürndraht (Wirtschaft), beide ÖVP, wurden einstimmig gewählt. Die Mandate von Martin Schuster und Brigitte Sommerbauer gingen an Michaela Habinger und Harald Chalupa, beide ÖVP.