Die Tücken eines Hofes. Projekte in der Walzengasse in Perchtoldsdorf, die noch während der „alten“ Bebauungsvorschriften bewilligt wurden, sorgen für Unmut.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 22. November 2020 (03:11)
Sind Stephan Koller, Zivilingenieur für Hochbau, ein Dorn im Auge: die Abbruch-Tätigkeiten in der Walzengasse 7 ...
NOEN

Stephan Koller, Zivilingenieur für Hochbau aus Wien, hat in einer Mail an die NÖN-Redaktion seinem Unmut Luft gemacht: „Warum wurden bei den Liegenschaften Walzengasse 31 und Walzengasse 7 im Altortgebiet – einer Schutzzone – die Innenhöfe durch Abbruch zerstört, obwohl das den gültigen Bebauungsbestimmungen widerspricht?“

Und: „Warum wurde in der Wiener Gasse 45 der Abbruch der Werkstätten im Hinterhof durch die Bauverwaltung verhindert?“

Christian Rauscher, Leiter der Abteilung „Bauen & Mobilität“, erklärte auf NÖN-Anfrage: „Im vorliegenden Fall der Projekte in der Walzengasse 31 und in der Walzengasse 7 handelt es sich nicht um Innenhöfe im Sinne der zum Zeitpunkt der Antragstellung geltenden Bestimmung der Bebauungsvorschriften der Marktgemeinde Perchtoldsdorf.“

Bei der damaligen Interpretation der Bebauungsvorschriften wurde „der Definition eines Innenhofes nach Wikipedia gefolgt“, betonte Rauscher, womit in beiden Fällen nicht von einem „Innenhof“ auszugehen war und die Bewilligung erteilt werden konnte.

Auch die derzeit rechtskräftige Bausperre hinsichtlich eines Abbruchverbots sei damals noch nicht rechtswirksam gewesen, ließ Rauscher nicht unerwähnt.

Vorschriften sind jetzt grundlegend anders

Nunmehr ließen die Bebauungsvorschriften all das nicht mehr zu, denn Innenhöfe „dürfen nicht wesentlich verändert werden. Arkaden, Lauben, Treppen, Überdachungen, Tore, Gebälk, Einfahrten und Brunnen sowie baukünstlerisch und handwerkstechnisch wertvolle Bauteile und Details dürfen in ihrer dokumentarischen Wirkung durch Um-, Zu- oder Neubauten sowie auch durch sonstige Maßnahmen nicht beeinträchtigt werden“, zitiert Rauscher aus dem jetzt geltenden Verordnungstext.

Hinsichtlich des Projektes in der Wiener Gasse 45 „können keine Auskünfte erteilen, da dies ein anhängiges Verfahren darstellt“, machte Rauscher deutlich.