„Mrs. Burg“ vor Polit-Ruhestand. Brigitte Sommerbauer, langjährige Vizebürgermeisterin in Perchtoldsdorf, Kulturreferentin und Wirtschaftsbundobfrau, tritt ab Juni leiser.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 28. April 2021 (04:33)
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Brigitte Sommerbauer (61), ÖVP, ist geschäftsführende Gemeinderätin für Kultur, Tourismus, Veranstaltungen, Wirtschaftsangelegenheiten, Vereinsangelegenheiten sowie Obfrau des Wirtschaftsbundes Perchtoldsdorf. Nicht mehr lange. Am 2. Juni übergibt sie die Führungsposition im Wirtschaftsbund an Martin Fürndraht, Mitte Juni legt sie auch ihr Gemeinderatsmandat zurück.

„Corona hat mir gezeigt, dass es auch anders geht, als jeden Abend bei Terminen unterwegs zu sein“, gibt Sommerbauer im NÖN-Gespräch den Grund für das Leisetreten an. Die Wirtschaftsbundgruppe, die sie 2009 übernommen hat, habe sich „sehr gut entwickelt. Es ist an der Zeit, die Verantwortung an Jüngere zu übergeben“.

2005 Einstieg in den Gemeinderat

Der Abschied aus der Gemeindepolitik ist mit 15. Juni terminisiert. 2000 hat Sommerbauer den Einzug in den Gemeinderat als 18. (Kampfmandat) nicht geschafft, 2005 hat’s geklappt. Da ist sie ihrem Bruder Karl Brodl als Kulturverantwortliche nachgefolgt. Und damit begann ein Projekt, das untrennbar mit Brigitte Sommerbauer verbunden ist: „Die Burg wäre zum Umbauen – hat mir Karl damals mitgegeben.“ Diesem Auftrag hat sich die langjährige Heurigenwirtin und Organisatorin des Hauerballs (13 Jahre lang) voll gewidmet: „Ich habe aus der Praxis – beispielsweise beim Catering – gewusst, dass diesbezüglich vieles zu tun ist.“

In einem ersten Schritt hat Sommerbauer versucht, die NÖ-Landesausstellung nach Perchtoldsdorf zu bekommen, um so Geld für die Burgsanierung zu lukrieren. Nachdem diese Idee auf kein Echo stieß, griff sie – immer noch Obmann-Stellvertreterin der Raiffeisen Regionalbank Mödling und Aufsichtsrätin der Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien – 2006 während einer Wallfahrt zum Handy und rief den damaligen Raiffeisen-General Christian Konrad an.

Einer der Höhepunkte der politischen Karriere von Brigitte Sommerbauer: Der Spatenstich zum Umbau der Burg im Herbst 2007 – unter anderem mit Raiffeisen-General Christian Konrad, Landeshauptmann Erwin Pröll und Bürgermeister Martin Schuster.
Dworak, Dworak

Der Rest ist Geschichte. Es kam zu einer Drittelfinanzierung zwischen Raiffeisen, Land NÖ und Gemeinde, das knapp 10-Millionen-Euro-Projekt mit dem unterirdischen Veranstaltungssaal als Herzstück wurde zwischen 2008 und 2010 tatsächlich umgesetzt.

„Wenn ich vor oder in der Burg stehe, bin ich immer noch verblüfft, wie wir das alles geschafft haben“, zeigt sich Sommerbauer stolz. Dass die Burg nunmehr – abgesehen von Corona – fast tagtäglich bespielt wird, komme auch der örtlichen Wirtschaft (Stichwort: Umweg-Rentabilität) zugute, merkt Sommerbauer an. „Der Burgumbau war sicher der Meilenstein meiner Tätigkeit. Er wäre aber auch ohne dem tollen Team des Kulturreferats rund um Christine Mitterwenger nicht möglich gewesen.“

2012 folgte Sommerbauer Franz Kamtner als Vizebürgermeisterin, seit dem habe sie immer wieder versucht, auch das Projekt „Neugestaltung Marktplatz“ auf Schiene zu bringen. Das ist nicht gelungen, bedauert sie: „Ich habe unterschätzt, wie viele Interessen die Wirtschaftstreibenden haben“, gibt Sommerbauer zu. „Da war es leichter, die Hauer unter eine Hut zu bringen“, schmunzelt die nunmehrige Pensionistin: „Die haben ein Interesse: perfekten Wein zu machen.“

Wer das Kulturreferat übernimmt, ist noch nicht klar. Fix ist, dass Sommerbauer jetzt viel Zeit für ihre beiden Enkerl hat, Spaziergänge mit ihrem Hund genießt und sich auf Kulturtermine in der Burg freut. Als Privatperson.