Nach der Brandkatastrophe: Polizei auf Quartiersuche. Viel Arbeit hat die Gemeinde Perchtoldsdorf, um die Wogen des Flammenmeeres von vergangener Woche zu glätten. Brandursache war ein technischer Defekt an einer Leitung.

Von Hans Boeger und Judith Jandrinitsch. Erstellt am 05. März 2021 (03:45)
Der Dachstuhl muss wegen der Einsturzgefahr möglichst bald abgetragen werden. Die Arbeiten dazu sind bereits im Gange.
Magdalena Haas/Viktor Haunold

Chefinspektor Erich Rosenbaum, Leiter des Bereiches „Brand“ im Landeskriminalamt NÖ, fand bei seinen Ermittlungen bereits einen Tag nach dem Brand heraus, dass dieser seinen Ausgang im hinteren Bereich des Hotels Schindler genommen hatte. Als Ursache nennt der Experte „den Bereich einer höheren hölzernen Überdachung, die sich durch einen elektrischen Defekt an einer Leitung entzündet, zuerst den Hotel-Dachstuhl in Brand gesetzt und dann in weiterer Folge auf jenen der Polizeiinspektion übergegriffen hat.“

Hinweise auf eine Brandstiftung gab es keine.

Für Willi Nigl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, war der Großbrand am 22. Februar der schwierigste Einsatz, seitdem er dieses Amt bekleidet. Das gilt wohl auch für die insgesamt 129 Kameraden aus Perchtoldsdorf, Brunn und Kaltenleutgeben. Nigl bekräftigt: „Alle waren gefordert, die erst im November angeschaffte Drehleiter hat hier im wahrsten Sinne des Wortes ihre Feuertaufe bestanden!“ Bezirkspolizeikommandant-Stellvertreter Oliver Wilhelm bestätigte im Gespräch mit der NÖN, dass die Polizeiinspektion infolge des Großbrandes mehrere Monate nicht zur Verfügung steht.

Bürgermeister Martin Schuster, ÖVP, machte sich selbst ein Schadensbild im gemeindeeigenen Polizeigebäude: „Die verkohlten Überreste des Dachstuhls sind einsturzgefährdet, die oberste Geschoßdecke ist durchfeuchtet und die Innenausstattung samt der Informations- und Kommunikationstechnik ist unbrauchbar geworden. Wasserschäden sind in der gesamten denkmalgeschützten Substanz aufgetreten.“

Halbes Jahr kein Dienstbetrieb möglich

Aufgrund der noch in der Brandnacht beigezogenen Expertise von Baufachleuten sei aufgrund der notwendigen Sanierungsschritte zumindest ein halbes Jahr lang kein Dienstbetrieb im Gebäude möglich.

Das gemeindeeigene Gebäude der Polizeiinspektion am Marktplatz 23 ist mindestens für ein halbes Jahr lang nicht zu benutzen.
Viktor Haunold

Bei einer ersten Konferenz im Gemeindeamt mit Vertretern und Experten des Innenministeriums sowie des Landespolizei- und Bezirkskommandos wurde beschlossen, die Beamten der Polizeiinspektion Perchtoldsdorf auf mehrere Dienststellen im Bezirk aufzuteilen.

Schuster hatte sofort die Idee, den Eislaufplatz in der Plätten- straße mit Containern auszurüsten und die Beamten hier unterzubringen. Ein Angebot, mit dem auch Chefinspektor Wolfgang Laschober, Leiter der Perchtoldsdorfer Dienststelle, sehr gut leben könnte.

Der Ortschef betont: „Das Ziel beibt, möglichst rasch einen geordneten Dienstbetrieb in Perchtoldsdorf aufnehmen zu können.“ Allerdings muss das Innenministerium dafür noch seine finale Zustimmung geben. Neben Schusters Vorschlag tat sich eine zweite Möglichkeit auf: Die Container könnten auch im Hof der jetzigen Dienststelle am Marktplatz 23 aufgestellt werden. Auch weitere Gespräche mit dem Pächter und der Eigentümerin der Hotel-Pension Schindler stehen noch an. Für Schuster ist klar: „Unsere Priorität ist die Aufrechterhaltung der örtlichen Sicherheit und einer entsprechenden Infrastruktur“.