ÖBB-Südbahnausbau: Die Kritik wird lauter

Erstellt am 27. April 2022 | 05:43
Lesezeit: 3 Min
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Anrainerinnen und Anrainer fürchten auch um die Zerstörung der Lebensräume für Tiere entlang des Bahndammes.
 
Foto: privat
Nach den Info-Veranstaltungen ist die Zustimmung der Anrainer überschaubar. Gemeinde fordert „Win-win-Situation“.
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 Der geplante 4-gleisige Ausbau der Südbahnstrecke zwischen Meidling und Mödling wird Perchtoldsdorf, Brunn am Gebirge, Maria Enzersdorf und Mödling in den nächsten Jahren begleiten.
Vertreterinnen und Vertreter der ÖBB haben in den vier Gemeinden zu Infoveranstaltungen geladen, bei denen der aktuelle Stand der Planungen präsentiert wurde. In Perchtoldsdorf mehren sich durchaus kritische Stimmen. Vor allem bei den unmittelbar betroffenen Anrainer, die jahrelangen Bautätigkeiten ausgesetzt sind und um die Minderung der Lebensqualität und Wertverlust ihrer Immobilie fürchten.

„Zwischenstand, nicht die Endplanung“

Auch der Neubau der Mühlgasse-Brücke, die erst 2018 um viel Geld grundlegend saniert worden war, sorgt für Unmut. ÖBB-Projektleiter Christian Trummer erklärte im NÖN-Gespräch, dass die Sanierung der Brücke „dringend notwendig war; sie war kaputt“. Beim viergleisigen Ausbau müsse die Brücke allerdings höher und daher aus Platzgründen etwas Richtung Süden verschwenkt werden. Zudem merkte Trummer an, dass man sich im Einreichplanungsbeginn befinde: „Wir zeigen einen Zwischenstand her, nicht die Endplanung.“

Bürgermeisterin Andrea Kö, ÖVP, sieht sich mit E-Mails und Anfragen aller Art konfrontiert. „Natürlich sind die Auswirkungen in Perchtoldsdorf völlig unterschiedlich zu sehen. Die Bewohner am Tirolerhof wird das Projekt nicht so sehr belasten wie die unmittelbaren Anrainer entlang der Südbahn.“ Die Gemeinde werde jedenfalls umgehend reagieren: „Es ist unser Plan, einen von allen Fraktionen unterschriebenen offenen Brief an Ministerin Leonore Gewessler und ÖBB-Vorstandsvorsitzenden Andreas Matthä zu richten. Wir stehen zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs, aber es muss eine Win-win-Situation für alle sein. Natürlich auch für die Anrainerinnen und Anrainer“, bekräftigte Kö.

Kritische Stimmen mehren sich auch in den anderen Gemeinden, vor allem, was Lärm (gesamte Projektstrecke), zusätzlichen Verkehr durch den Entfall von Kreuzungsmöglichkeiten (Grenzgasse, Maria Enzersdorf/Mödling) und erhöhtes Verkehrsaufkommen (Unterführung Friedrich Schiller-Straße, Mödling) betrifft.
ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif verweist auf die gestartete Informationsoffensive: „Wir treten direkt mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt. Die jeweilige Projekt-Website wird regelmäßig upgedatet, Anfragen können auch per Kontaktformular an uns gerichtet werden.“

ÖBB gehen „mit hoher Intensität“ auf Anliegen ein

Im Zuge der Projektplanung gehe man „in hoher Intensität und großem Umfang auf die Umweltverträglichkeit ein, um unter Beteiligung der Öffentlichkeit und auf fachlicher Basis die möglichen unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen eines Vorhabens auf Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume festzustellen und zu bewerten“, betonte Seif. Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) startet aller Voraussicht nach Ende des Jahres.

weitere Infos: infrastruktur.oebb.at/ meidling-moedling

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