Trauer um die Gründerin der Bürgerliste. Herta Kunerth ist im 102. Lebensjahr verstorben. Sie war viele Jahre im Gemeinderat tätig.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 12. März 2020 (03:23)
Trauer um HertaKunerth, Gründerin der Bürgerliste.
Michael Kunerth

Es ist erst wenige Wochen her, dass Herta Kunerth begehrte Gesprächspartnerin der Medien war: Mit 101 Jahren war sie älteste Kandidatin bei den Gemeinderatswahlen und auf Platz 7 bei der von ihr gegründeten „Bürgerliste“ gereiht. Am Mittwoch, 4. März, verstarb Kunerth: „Trotz ihres hohen Alters kam ihr Tod unerwartet“, merkte Tochter Gabriele Wladyka im NÖN-Gespräch an. Sie sei „friedlich entschlafen“.

Kunerth wurde am 9. Dezember 1918 in Wien geboren, einen Monat nach Ende des Ersten Weltkriegs. Nach der Matura machte sie eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin, war zweimal verheiratet und hatte 4 Kinder, 9 Enkel und 8 Urenkel, lebte seit 1964 in Perchtoldsdorf.

Nach der Pensionierung begann Kunerth mit 60 Jahren das Studium der Psychologie, das sie 1985 mit 67 Jahren mit dem Doktorat abschloss, ihre Dissertation befasste sich mit der „Lebenszufriedenheit“.

Im gleichen Jahr kandidierte sie mit ihrer Tochter bei der Gemeinderatswahl und konnte zwei Mandate erreichen. Der Kampf um die Hainburger Au 1984 hatte sie dazu bewogen, selbst aktiv zu werden, schilderte Kunerth mehrmals auch im NÖN-Gespräch. 1990 konnte die Bürgerliste auf vier Mandate zulegen, Kunerth wurde Schulreferentin, ehe sie alle politischen Agenden an ihre Tochter übergab.

„Meine Mutter hat mehrere Bauskandale und sonstige Unstimmigkeiten aufgedeckt“, betonte Wladyka. „Sogar ein Bürgermeister hat einmal wegen ihr die Gemeinderatssitzung verlassen, weil sie ihn mit den Worten – ,Wären sie ehrlich und anständig gewesen’ – zur Verzweiflung brachte.“ Über ihre Erlebnisse im Gemeinderat hat Kunerth zwei Bücher verfasst.

Die – seit 40 Jahren – Vegetarierin und strikte Impfgegnerin wird am Donnerstag, 12. März um 10 Uhr am Friedhof Perchtoldsdorf verabschiedet.