Zubringerstraße zur Sebastian Kneipp-Schule gesperrt

Der Zubringer zur Sebastian Kneipp-Schule wird in der Zeit von 7.30 bis 8 Uhr gesperrt. Vorerst bis Oktober.

Christoph Dworak
Christoph Dworak Erstellt am 17. September 2021 | 05:11
leere Straße
Symbolbild
Foto: shutterstock.com; QinJin

„Wieder erregt ein Vorhaben des grünen Vizebürgermeisters die Gemüter von Anrainern und Betroffenen“, ist SPÖ-Gemeinderat Anton Plessl verärgert. Denn Christian Apl, Grüne, habe durchgesetzt, dass die Sebastian Kneipp-Gasse in der Zeit zwischen 7.30 und 8 Uhr zu einer „Schulstraße erklärt wird. Das bedeutet absolutes Fahrverbot ausgenommen Radfahrer. In dieser Straße und unmittelbar daneben befinden sich eine Apotheke und die Ordination eines Kassenarztes“. Proteste der Ärztekammer und der Apothekerkammer hätten nichts genützt, weiß Plessl.

Für Apl habe es einen klaren Auftrag für die Umsetzung derartiger Maßnahmen gegeben: „Eltern haben uns des Öfteren von brenzligen Situationen berichtet.“ Daraufhin sei der Mobilitätsausschuss aktiv geworden, Gespräche mit Sachverständigen der Bezirkshauptmannschaft Mödling folgten – ebenso wie das Resultat.

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„ Auch den Kindern tut es gut, wenn sie sich die letzten paar Meter zur Schule noch ein bisschen bewegen können“, Christian Apl, Grüne

„Die Eröffnung der Schulstraße ist mit Montag, 20. September, vorgesehen, Evaluierungen wird es Ende Oktober geben“, erklärte Apl. Ihm gehe es „um sichere Schulwege. Und auch den Kindern tut es gut, wenn sie sich die letzten paar Meter zur Schule noch ein bisschen bewegen können“, verweist er auf stets freie Parkplätze in der Mühlgasse. „Es gibt dort insgesamt 14 Haltemöglichkeiten im Bereich der Parkspur und außerdem eine eigene druckknopfgesteuerte Fußgängerampel.“

Er gehe davon aus, dass „es den meisten gelingen wird, sich gut mit der neuen Situation zu arrangieren. Bei Härtefällen besteht die Möglichkeit, bei der Bezirkshauptmannschaft eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken.“

Bürgermeisterin Andrea Kö, ÖVP, will das Projekt, das zum Jahresende neu bewilligt werden muss, „sorgfältig beobachten und Ende Oktober“ zum Thema einer Vorstandssitzung machen. „Wenn es gar nicht klappen sollte, schon früher.“

Am Mittwoch meldeten sich auch die unmittelbar Betroffenen zu Wort. So ist Allgemeinmedizinzer und Internist Rudolf Honetz, dessen Ordination sich unmittelbar in der  Sebastian-Kneipp-Gasse befindet, empört über die Vorgehensweise der Marktgemeinde.

Aushang Honetz
privat

„Meine Ordinationszeiten sind so, dass ich am Montag, Mittwoch und Donnerstag um 7 Uhr morgens zu praktizieren beginne. Wenn am 20. September das Fahrverbot von 7.30 bis 8 Uhr morgens in Kraft tritt, dann dürfen nur mehr Patienten in die Kneipp-Gasse einfahren, die entweder hier wohnen oder über einen Behindertenausweis verfügen. Patienten, die sich einfach nur schwer tun beim Gehen oder frisch operiert worden sind, sind von dieser Regelung ausgenommen. Das Chaos in den umliegenden Gassen ist vorprogrammiert“, meint der Arzt. „Meine Patienten können sich dann dort mit den Eltern um die Parkplätze streiten“. Er sei  Anfang September durch einen Folder der Grünen auf das geplante Vorhaben aufmerksam geworden, das persönliche Gespräch habe mit ihm im Vorfeld niemand gesucht. „Ich habe meine Bedenken auch Bürgermeisterin Andrea Kö gegenüber geäußert. Und auch die Ärztekammer interveniert bei der Bezirkshauptmannschaft Mödling, die ja den Bescheid erlassen hat“, weiß Honetz. Genauso wenig begeistert sei die Apotheke. Mittlerweile hat Honetz den offenen Brief an Kö auf die Scheibe seines Ordi-Fensters gehängt, „vom Marienplatz aus kann man ihn ja gut sehen“, sagt der Mediziner.

Und eine Mutter, deren zwei von drei Kindern in die Volksschule Kneipp-Gasse gehen gibt zu bedenken: "Ich wohne mit meinen drei Kindern in Perchtoldsdorf, ein Kind geht in den Kindergarten und zwei in die Volksschule in der Sebastian Kneipp-Gasse. Wir haben beim Schul-Elternabend über das Fahr-Verbote in der Früh zwischen 7.30 und 8.00  Uhr in der Sebastian Kneipp Gasse erfahren und viele Eltern sind entsetzt. Es ist für uns Mütter eine weitere Belastung und es wäre super, wenn viele davon erfahren würden. Anscheinend wird wegen einflussreichen Anrainern nun das Leben vieler schwer gemacht. Eine Schulstraße mag in vielen Gemeinden eine tolle Idee sein, in diesem Fall ist es eine undurchdachte und gefährliche Umsetzung. Es gibt keine gesicherten Ausstiegsmöglichkeiten und es hätte mit Sicherheit eine bessere Lösung gefunden werden können.“

Denn die geplante Kiss & Ride-Zone in der Mühlgasse werde das Problem nicht lösen. „Eine Kiss&Ride Zone auf einer der am meisten frequentierten Straße kann kein ernstzunehmender Vorschlag sein“, meint die Frau. Viele Eltern seien darauf angewiesen, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen, weil sie dann gleich in ihre jeweiligen Arbeitsstätten weiterfahren würden. „Das ganze bleibt wieder bei den berufstätigen Müttern hängen“, ist ihr Conclusio.