Corona-Krise: Jetzt ist Zeit, um Neues zu lernen

WIFI-Leiter Rainer Anhammer aus Pfaffstätten rät, Kurzarbeit oder Jobverlust zu nutzen und Kurse zu belegen.

Erstellt am 28. Januar 2021 | 02:34
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Rainer Anhammer, Leiter der WIFI-Bildungsregion.
Foto: JJ

„Die Krise als Chance begreifen“, davon ist Rainer Anhammer, WIFI-Leiter in der Bildungsregion Mödling, Baden, Bruck überzeugt, vor allem, was die berufliche Perspektive angeht.

„Wer gestärkt aus der Krise gehen will und sich zurzeit etwa in Kurzarbeit befindet, der investiert jetzt in seine persönliche Weiterbildung.“

Nie zuvor habe es auch mehr Möglichkeiten dafür gegeben, besonders im Bereich der Individualförderung.

Auch die entsprechenden finanziellen Mittel stehen dafür zur Verfügung. Einerseits gibt es für die Betriebe die Möglichkeit, von der Wirtschaftskammer Niederösterreich den Bildungsscheck in Höhe von 300 Euro für ihre Mitarbeiter abzuholen, andererseits arbeitet das WIFI mit verschiedenen Bildungsträgern zusammen, für die es gerade jetzt in der Krise vermehrt Fördergelder der Bundesregierung gibt. Das gilt auch für Menschen, die ihre Arbeitsstelle verloren haben und auf Jobsuche sind.

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AMS-Geschäftsstellenleiterin ab März Christine Grill-Eisner.
privat

Die ab 1. März neue AMS-Geschäftsstellenleiterin Badens, Christine Grill-Eisner ergänzt: „Die von der Bundesregierung im Rahmen der ‚Corona-Arbeitsstiftung‘ bereitgestellten Fördermittel sind im AMS Baden angekommen. Das dem AMS Baden zur Verfügung stehende Förderbudget ermöglicht, arbeitssuchende Personen mittels Aus- und Weiterbildungen nachhaltig weiter bzw. höher zu qualifizieren. Diese Maßnahmen dienen einerseits dazu, dem qualifikatorischen Strukturwandel entgegen zur wirken und andererseits selbstverständlich der rascheren (Re-) Integration dieser Personen in den Arbeitsmarkt.“

Nichtsdestotrotz sei der Einsatz der Fördergelder auch immer davon abhängig, inwieweit die Aus- und Weiterbildungsmaßnahme – sprich der Kurs – auch arbeitsmarktpolitisch sinnvoll und am Arbeitsmarkt verwertbar ist. Grill-Eisner weist darauf hin, „dass nicht alle individuellen Wünsche auch immer erfüllt werden können“.

Arbeitsmarkt-Situation wird mitberücksichtigt

Das AMS Baden entscheidet auf Basis der Expertise der AMS-Beraterinnen und AMS-Berater, die über den Bedarf der Unternehmen und über die Arbeitsmarktlage generell bestens informiert sind.

Unter Bedachtnahme dieser Aspekte wären den arbeitssuchenden Personen bei der Auswahl des Kursinstitutes keine Grenzen gesetzt. Jedes am Bildungssektor vorhandene Institut könne zum Zug kommen. Es gibt auch die Möglichkeit, Kurse bei externen, nicht vom Arbeitsmarktservice beauftragten Bildungsträgern, durch Übernahme der Kurskosten zu finanzieren.

Grill-Eisner hält fest: „Eine Grundvoraussetzung für Weiterbildung über uns ist, dass es sich um arbeitsmarktpolitisch sinnvolle Qualifizierungen handelt, die die Chancen auf eine neue Beschäftigung erhöhen.“

Wichtig dabei sei, dass die AMS-Kunden bei konkreten Ausbildungswünschen und Fragen rechtzeitig vor Beginn der gewünschten Aus- oder Weiterbildung den zuständigen Berater kontaktieren.

Anhammer weiß: „Besonders gefragt sind Arbeitnehmer im Bereich der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Hier werden händeringend Personen gesucht.“ Auch die Themen Arbeitssicherheit, Personalverrechnung und Buchhaltung sind zurzeit sehr gefragt.

„Viele nutzen jetzt die Chance und holen etwa einen Krankurs nach. Sie sagen sich, den Staplerschein habe ich schon vor zehn Jahren gemacht, jetzt wäre die Gelegenheit, den Kranschein zu machen“, erzählt Anhammer aus der Praxis.

Zudem biete das WIFI-Berufsinformationszentrum (WIFI-BIZ) in Mödling nicht nur Schülern, sondern auch Erwachsenen durch einen Kompetenzcheck neue Perspektiven über die eigenen Stärken und Schwächen. Nach einem entsprechenden Test im WIFIBIZ könne man sich auch beruflich entsprechend umorientieren. Am Standort Mödling gibt es den Vorteil, dass „Wirtschaftskammer, WIFI und BIZ unter einem Dach sind“, erläutert Anhammer. Und: „Wer jetzt einen Kurs bucht, profitiert langfristig davon. Bildung ist die einzige Währung, die stabil bleibt.“