Mödling: Der Faktor Sicherheit

Erstellt am 03. Juni 2022 | 05:46
Lesezeit: 3 Min
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Renate Stohwasser und Wolfgang Müller mit den Radiologen Michael Gruber und Gerald Naderer.
Foto: privat
Wenn ein Flugzeug an seine Grenzen stößt, ist der Mensch gefragt; Gleiches gilt durchaus für Mediziner.
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Mehrere Flugzeug-Katastrophen – unter anderem der Crash zweiter Jumbos 1977 am Flughafen in Teneriffa mit 583 Toten – hat zur Einführung des Crew-Resource-Management-Trainings (CRM) geführt; Schulungen für Flugzeugbesatzung, die Unfälle wegen menschlichen Versagens vorbeugen sollen.

Denn auf der Suche nach den Unfallursachen hat sich herausgestellt, dass oftmals die Zusammenarbeit zwischen dem Kapitän und dem Ersten Offizier oder die Aufgabenverteilung bei Notfällen mangelhaft war. Beispielsweise wollten Pilot und Co gemeinsam das Problem lösen, übersahen dabei aber, dass der Jet im Sinkflug war.

In den 1990er-Jahren war der Hinterbrühler Hellfried Aubauer, ehemaliger Chefpilot der AUA, im Unternehmen CRM federführend. Ihm zur Seite stand alsbald auch Wolfgang Müller, der 1980 seine Kapitäns-Karriere bei der AUA begann und nach weiteren Stationen in China (China Eastern und Hainan Airlines) sowie bei Eurowings 2018 seine aktive Flug-Karriere beendete.

Das Thema CRM hat Müller allerdings nie losgelassen. Seit zwei Jahrzehnten gilt er als Experte für Sicherheitskonzepte und gibt dieses Wissen im Zuge der von ihm 1997 gegründeten Firma „aviation forum“ gemeinsam mit seiner Frau Renate Stohwasser (langjährige Flugbegleiterin und CRM-Trainerin) an Mediziner weiter.

Mediziner startet im Flugsimulator

Neu dabei ist, dass dieses Training jetzt auch im Rahmen des Diplomfortbildungsprogramms für Ärztinnen und Ärzte angeboten wird. Und das beginnt für die Mediziner im Airbus A-320-Simulator.

Vorerst mit einem ganz normalen Flugerlebnis, bis plötzlich der Feuer-Alarm ertönt. „Dann schauen wir, wie die Personen reagieren. In der Analyse besprechen wir, was getan werden kann, um ein völlig neues Verständnis zur Zusammenarbeit in solchen Ausnahmesituationen zu schaffen. Mit der Formel aus der Luftfahrt – einer übernimmt die Kontrolle, der andere die Kommunikation – lässt sich durchaus auch die Sicherheit im Operationssaal erhöhen“, ist Müller überzeugt.

„Wichtig ist, nicht impulsiv zu reagieren, sondern überlebenssichernde Maßnahmen zu setzen. Strukturiertes Abarbeiten nach einer Checkliste macht auch im OP Sinn. So wie im Cockpit. Und das mit gegenseitigem Respekt, Wertschätzung und Vertrauen.“ Nicht umsonst heißt der neue, gemeinsam mit der Ärzteakademie veranstaltete Workshop „Sicherheitsfaktor Mensch“, wie Müller hervorhebt: „In unserem Verständnis ist der Mensch nicht das Problem, sondern die Lösung. Vorschriften und Regeln sind wichtig, aber erst der Mensch macht die Arbeit sicher.“

Kommunikation steht über allem

Deshalb hält es Müller für wesentlich, dass die Kommunikation im Flugzeug „nicht hinter der Cockpittüre endet. Auch die Cabin-Crew gehört in das CRM-Geschehen eingebunden. So wie auch das Pflegepersonal im medizinischen Bereich“. All das sei ein wesentlicher Schritt zum Leitsatz: „Let’s make it easy to do a good job.“

Überzeugt vom Workshop sind auch zwei Ärzte aus der Radiologischen Gruppenpraxis Baden-Elisabethstraße, Michael Gruber und Gerald Naderer „Als eine der ersten Ordinationen Österreichs setzen wir routinemäßig auf künstliche Intelligenz bei der Befunderstellung. Auch uns unterstützt die Technik in unserem Streben nach mehr Sicherheit für unsere Patienten. Aber: Der wichtigste Sicherheitsfaktor bleibt auch bei uns der Mensch.“

Im Flugbetrieb ist der Besuch von CRM-Schulungen für Piloten mittlerweile verpflichtend. So wie die Simulator- und Gesundheitschecks.

www.aviationforum.com

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