Mödling: Koalition bringt Eishalle auf Schiene. ÖVP und SPÖ setzten sich mit Auftragsvergabe durch, Grüne wettern gegen den eingebrachten Dringlichkeitsantrag.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 09. Juli 2020 (05:45)
NOEN

Die „Unendliche Geschichte“ rund um die Errichtung einer Eishalle dürfte sich einem Ende nähern. Wenn auch einem nicht ganz unumstritten.

Die guten Nachrichten: Die im Dezember im Gemeinderat beschlossene Verlegung der Kunsteisbahn vom Bad in Richtung Sportzentrum Hanns Schürff-Gasse ist auf Schiene. Noch dazu als feste, nicht als Tragluft-Halle.

„Die Mödlinger Grünen haben entgegen ihren Ankündigungen keine Ahnung von Opposition. Was sie machen, ist nur polemische Unsachlichkeit“, Stadtchef Hans Stefan Hintner, ÖVP

Die schlechte Nachricht: Von weiterer Einstimmigkeit im Gemeinderat ist man weit entfernt.

Vizebürgermeister Ferdinand Rubel, ÖVP, hat einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, um die Einreich- und Vergabeverfahren möglichst zeitnah erledigt zu wissen, Grüne und NEOS sagten dazu Nein, die FPÖ enthielt sich der Stimme.

Warum bei dem Projekt, das die Gemeindepolitik seit Jahren beschäftigt, plötzlich ein Dringlichkeitsantrag vonnöten war, erklärt Bürgermeister Hans Stefan Hintner, ÖVP, so: „Wenn wir jetzt nichts beschließen, können wir die Halle nächstes Jahr wieder nicht bauen. Zudem wollen wir genaue Zahlen wissen, um bei der ersten Sitzung im Herbst fundierte Entscheidungsgrundlagen zu haben.“

Stadtrat Friedrich Panny, SPÖ, hat auch Begründungen für den Sinneswandel parat, von einer Traglufthalle abzurücken. Das Zivilingenieurbüro Dinhobl & Partner, das seit Langem mit dem Thema „Planung der Halle“ beauftragt ist, sei zur Auffassung gekommen, dass die Massivbauweise wesentliche Vorteile aufweist.

„Die geschätzten Baukosten sind mit etwa 4,5 Millionen Euro zwar um fast eine Million Euro teurer, die jährlichen Betriebskosten aber deutlich günstiger“, betonte Panny. Die Rede ist von 38.000 gegenüber 175.000 Euro. Man dürfe nicht vergessen, dass man eine Traglufthalle ständig „befüllen“ müsse. Im Winter muss die zugeführte Luft vorgewärmt werden. Lüftung und Heizung seien in einer Massivhalle besser zu steuern. Und auf dem Dach könne man eine Photovoltaik-Anlage errichten. Zu guter Letzt spreche auch die Lebenserwartung für eine richtige Halle.

Alles in allem wolle man endlich Nägel mit Köpfen machen und diverse Unternehmen – vom Ziviltechniker über Architekten, Haus- und Gebäudetechniker bis hin zum Brandschutzexperten – mit der Durchführung der Einreichplanung und des Vergabeverfahrens zur Errichtung einer Halle in Massivbauweise und eines Eislaufplatzes in einem Gesamtbetrag von 167.000 beauftragen.

Wie kommt’s zu den 4,5 Millionen Euro?

Gemeinderat Gerhard Wannenmacher, Grüne, ließ vorerst nicht unerwähnt, dass „wir für die Errichtung eines technisch und funktional modernen Eislaufplatzes in Mödling sind – zweckmäßigerweise unter einem Dach“.

Dass allerdings plötzlich ein Dringlichkeitsantrag ohne Behandlung in einem Ausschuss vorgelegt wurde, könne nicht akzeptiert werden.

Wie man zu den 4,5 Millionen Euro gekommen sei, „ist unbeantwortet geblieben“, ärgert sich Wannenmacher. Ebenso die Frage nach den Betriebskosten. „Was ist in den 38.000 Euro enthalten: Energie? Reinigung? Laufende Reparaturen? Personal?“

Zudem stört die Grünen, dass „ein derartig massives Gebäude, noch dazu im unmittelbaren Stadtgebiet, unbedingt einem Wettbewerb für Planung und Umsetzung unterzogen werden“. Nicht zuletzt vermissen Wannenmacher & Co. „auch eine gewisse Form der Bürgerbeteiligung“.

Dass die Grünen dann auch noch die Mödlinger Vorgehensweise mit dem „Desaster der Sporthalle Multiversum in Schwechat“ verglichen, brachte wiederum Hintner zur Weißglut: „Die Mödlinger Grünen haben entgegen ihren Ankündigungen keine Ahnung von Opposition. Was sie machen, ist nur polemische Unsachlichkeit.“ Er könne sich an „kein Projekt erinnern, das so auf Herz und Nieren geprüft worden ist wie die Eishalle. Wir haben einstimmige Beschlüsse gefasst, um das Projekt verfolgen zu können“, bekräftige der Stadtchef. „Wir reden von einem Beschluss für die Vergabe der Einreichplanung – und nicht vom Baubeginn.“

Nach dem mehrheitlichen Ja durch ÖVP und SPÖ bleibt der Baubeginn 2021 realistisch. Ebenso, dass die Eislauf-Saison 2020 tatsächlich die letzte im Stadtbad sein wird.