Waffen erleben im Lockdown einen Boom. 2020 hat die Bezirkshauptmannschaft Mödling 718 Waffen mehr als im Vergleichszeitraum 2019 registriert.

Von Michelle Schüller. Erstellt am 13. Januar 2021 (05:34)
Wolfgang und Roswitha Schnetz vermuten, dass der Höhepunkt der Waffenkäufe erreicht ist
privat

„Ich denke, dass hier vor allem der sportliche Aspekt eine große Rolle spielt“, erklärt sich Roswitha Schnetz, Inhaberin des gleichnamigen Fachgeschäfts für Waffen in Wr. Neudorf, den Anstieg an Waffenkäufen im Vorjahr. „Da betreibt möglicherweise jemand im Bekanntenkreis Schießsport, man probiert es selbst und findet Gefallen daran.“ Ihr Mann Wolfgang Schnetz bestätigt: „Kurz vor dem ersten Lockdown konnten wir einen deutlichen Anstieg an Waffenkäufen verzeichnen und auch noch im zweiten war er merkbar.“

Jagdwaffenkauf statt Urlaub

„Einige hatten möglicherweise schon länger einen Waffenkauf geplant, sei es für die Jagd oder für den Sport. Da letztes Jahr ein Urlaub nicht möglich war, haben sich vielleicht viele stattdessen die langersehnte Waffe gekauft.“

Vergessen dürfe man aber auch nicht, „dass ein Waffenkauf in Österreich mit einigen Hürden verbunden ist. Da gibt es Kontrollen und Schulungen. Also nur zum Spaß schafft sich keiner eine Waffe an“, ist Schnetz überzeugt.

Hans Wimmer aus Biedermannsdorf hat „vor fünf Jahren großen Gefallen am Schießsport gefunden. Es ist für mich ein idealer Ausgleich vom Alltag“, meint der Mödlinger Standesbeamte. Auch Wimmer sieht den finanziellen Aspekt hinter den Waffenkäufen. „Die Menschen haben vor allem durch die Lockdowns viel Zeit und auch Geld übrig. In diesem Fall eben für das Schießen.“ Laut Wimmer gibt es dabei viele „Safewaffenbesitzer, die alle ein bis zwei Jahre zum Schießplatz gehen und sonst die Waffe sicher verwahren.“ Auch die Neigung zur Zweitwaffe sei durchaus gegeben. „Besitzt man beispielsweise schon eine Pistole, kauft man sich danach auch noch einen Revolver.“

Bezirksjägermeister Johannes Unterhalser versteht den Waffenkauf-Boom „nicht so richtig. So ganz erklären kann ich mir den allgemeinen Anstieg nicht. Möglicherweise haben sich die Verhältnisse geändert und man legt sich noch eine Zweit- oder Drittwaffe zu“.

Einzig im Jagdbereich hat Unterhalser eine plausible Erklärung für die vermehrten Jagdwaffenkäufe. „Im vergangenen Jahr hat sich die Jägerschaft in ganz Niederösterreich vergrößert.“

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