Ausfahrt zum Jubiläum in Breitenfurt. Geraldine de Comtes aus Breitenfurt ist vom meistverkauften französischen Fahrzeug fasziniert und lädt am 28. August zur gemeinsamen R4-Tour.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 06. August 2021 (04:10)
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Hauptberuflich ist die Betriebswirtin im administrativen Bereich der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien tätig, in der Freizeit hat die Breitenfurterin Geraldine de Comtes de facto nur eines im Sinn: die R4. Jenes meistverkaufte französische Fahrzeug (über 8,1 Millionen), das heuer 60-Jahr-Jubiläum feiert. Insbesondere die „Renault 4 Parisienne“ hat es de Comtes angetan: „Ich verehre dieses Modell, ich liebe die Marketingidee dahinter und die Werbe-Kampagnen aus den 1960er-Jahren.“

Die R4 wurde damals in weiser Voraussicht erstmals auf der IAA in Frankfurt und nicht – wie jedes französische Fahrzeug – in Frankreich vorgestellt, danach durfte man das Fahrzeug in Paris testen: „Probieren Sie selbst!“ hieß der Aufruf damals anlässlich des „Autosalon de Paris“ im Oktober 1961.

Über ihren Lebenspartner Thomas Steigberger ist de Comtes, eine gebürtige Linzerin, die auch lange in Perchtoldsdorf gelebt hat, mit der Renault-Oldtimerszene in Kontakt gekommen, ihre R4-Verbindungen reichen in die ganze Welt. Die haben auch dazu geführt, dass sich de Comtes vor wenigen Monaten ihren Traum erfüllen konnte: eine Parisienne mit Cannage (schwarze Lackierung mit goldgelbem Thonet-Strohgeflecht), Baujahr 1964. Weltweit gibt es vermutlich nur noch fünf Stück dieser Version. Der Weg bis zur Typisierung war ein durchaus abwechslungsreicher, schildert de Comtes im NÖN-Gespräch.

Bram van Oeffelt, eine Ikone der R4-Szene aus Holland, „weiß um meine Parisienne-Leidenschaft. Er hat mir einen linken hinteren Cannage-Kotflügel zum Kauf angeboten“. Und quasi indirekt aufgefordert, das Fahrzeug dazu zu erstehen. Unzählige Recherchen später war der Besitzer des „Rest-Fahrzeuges“ tatsächlich ausfindig gemacht. Noch dazu in Österreich. Der zierte sich lange und gab kurz nach dem Jahreswechsel sein Okay zum Verkauf. „Damit war 2021 für mich gerettet“, schmunzelt die R4-Liebhaberin.

Der Weg zur Parisienne wurde verfilmt

De Comtes’ belgischer R4-Freund Thomas Arimont, Kfz-Mechaniker bei Renault und passionierter R4-Restaurator, hat einen Scheunenfund (Renault 4 aus 1963) als Ersatzteilspender in Frankreich aufgetrieben. „Er war auch mein Mechaniker auf der Film-Reise.“ Film-Reise? Der Weg vom Kotflügel zum Gesamt-R4-Kunstwerk war dem SWR (Südwestrundfunk) eine Story im Rahmen der Serie „Auto-Ikonen“ wert – Ausstrahlung ist im Herbst. Also machte sich de Comtes im Juli auf nach Frankreich, Belgien, Holland und wieder zurück nach Frankreich, Livemontage des Kotflügels inklusive. „Das war ein Erlebnis“, schwärmt de Comtes von außergewöhnlichen und ausgedehnten Ausfahrten mit ihrem Schmuckstück, das 1982 letztmals für den Verkehr zugelassen worden war und 2014 nach Österreich gelangte. Erstbesitzer war ein Bauer aus dem französischen Haute-Vienne, weiß die stolze Besitzerin.

Am Samstag, 28. August, wird Breitenfurt jedenfalls zum Schauplatz einer Jubiläums-Parade. Exakt 60 Jahre nach Ende der Sperrfrist des Pressetextes für das damals revolutionäre Fahrzeug organisiert de Comtes ein „Renault 4 on tour“-Oldtimerfest mit Start und Ziel vor der Mehrzweckhalle.

Nach einem Konvoi durch den Wienerwald „feiern wir den restlichen Tag mit Ausblick auf die Ausstellung unserer Fahrzeuge und einem bunten Programm rund um unsere französischen Klassiker“, freut sich de Comtes auf rege Teilnahme: „Mein Wunsch wäre, dass wir 60 R4 mit dabei haben.“ Was sie mit der Veranstaltung erreichen will? „Menschen für die R4 zu begeistern und für die Nachwelt erhalten.“

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