Hotline-Teams für Mödlinger Safe-Kunden. Nach dem „Technischen Überfall“ sind auch die Raiffeisen-Verantwortlichen um rasche Aufklärung bemüht.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 24. November 2020 (10:03)
Die Ermittlungen im Raiffeisen Forum Mödling sind wohl noch lange nicht zu Ende.
Thomas Lenger/Monatsrevue

Johannes Stephan Schriefl ist Anwalt eines Geschädigten. Der Unternehmer wollte gemeinsam mit seiner Frau am Mittwoch, 18. November, gegen 18.30 Uhr in seinem Schließfach in der Raiffeisen Regionalbank (RRB) Mödling Nachschau halten – vorgefunden hat er ein geöffnetes Fach und leere Schatullen: Münzen und Bargeld – alles in allem – in fünfstelliger Euro-Höhe fehlten.

Anwalt Johannes Stephan Schriefl stellt im Sinnes seines Mandanten, einem geschädigten Unternehmer, die Haftungsfrage.
anwaltschriefl.at

Der Mann schlug Alarm. „Mein Mandant hat zum letzten Mal am Freitag, 13. November, Wertgegenstände im Schließfach deponiert“, erklärte der Mödlinger Anwalt im NÖN-Gespräch. Weitere Versuche am Sonntag und Montag seien fehlgeschlagen: technischer Defekt. Als Anwalt des Geschädigten sei es ihm Anliegen, dass die Haftungsfrage rasch geklärt werde, betonte Schriefl.

„Generell ist das Vertrauen unserer Kunden hoch. Wir gewinnen jedes Jahr viele Kunden dazu – heuer schon fast 3.500 – und werden alles daran setzen, dass das so bleibt.“ Raiffeisen-Sprecherin Agnes Gössinger

Bei den RRB-Verantwortlichen sitzt der Schock über den Coup tief. Die kriminelle Energie in diesem Ausmaß sei unvorhersehbar und unvorstellbar, machte Pressesprecherin Agnes Gössinger im NÖN-Gespräch deutlich. „Die betroffenen Kunden – zum Glück nur ein geringer Anteil – wurden von uns umgehend persönlich informiert und zu einem Gespräch eingeladen. Diese Gespräche haben bereits alle stattgefunden.“ Alle anderen Safe-Kunden der Bankstelle im Raiffeisen Forum Mödling wurden ebenfalls kontaktiert. Zusätzlich standen und stehen die Kundenbetreuer und ein internes Hotline-Team jederzeit telefonisch für Fragen zur Verfügung – auch am Wochenende, ergänzte Gössinger.

Immer wieder hört man, er Inhalt eines Faches sei nur bis zu einer Höhe von 5.000 Euro versichert. „Es gibt eine Basishaftung der Bank. Bei der Eröffnung der Safes werden den Kunden für höherwertige Inhalte Zusatzversicherungen mit individuellen Versicherungssummen angeboten. Diese Möglichkeit wird von den meisten Kunden auch in Anspruch genommen“, erklärt die Pressesprecherin.

Das System, um zu den Schließfächern zu gelangen, sei eigentlich eines der modernsten mit mehreren notwendigen Zutrittsstufen. „Wir haben diese Safeanlage seit der Eröffnung des Raiffeisen Forum, also seit 2015, in Betrieb.“

Wie es nach dem Vorfall um das Vertrauen der Kunden in die RBB steht, könne man nur erahnen: „Generell ist das Vertrauen unserer Kunden hoch. Wir gewinnen jedes Jahr viele Kunden dazu – heuer schon fast 3.500 – und werden alles daran setzen, dass das so bleibt.“

Natürlich seien viele der Safe-Kunden nach dem Vorfall verunsichert. „Wir tun jedoch unser Möglichstes, sie in dieser Phase zu begleiten, stehen für Fragen jederzeit zur Verfügung und ermöglichen rasch die Einsichtnahme in die Safes. Damit das gelingt, arbeiten alle unsere Mitarbeiter auf Hochtouren“, macht Gössinger deutlich.

Als zusätzliche Sicherheitsvorkehrung werden alle Safeanlagen in nächster Zeit – vermutlich wieder ab Donnerstag, 26. November – nur innerhalb der Öffnungszeiten begehbar sein und nur nach Vorlage eines gültigen Lichtbildausweises.

Polizei bittet um jeden noch so kleinen Hinweis

Johann Baumschlager, Sprecher der Landespolizeidirektion NÖ, appellierte an die Bevölkerung, weiterhin Hinweise zu der am 13. November verübten Tat zu liefern, auch wenn die Wahrnehmungen noch so „unbedeutend erscheinen mögen. Die kleinste Kleinigkeit ist für uns wichtig“. Beim Zusammensetzen des Mosaiks helfe auch ein kleiner Stein.