Awarengräber-Feld in Achau entdeckt. Archäologische Ausgrabungen im Auftrag der ÖBB brachten viele Exponate zutage.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 14. November 2020 (03:33)
Ein bemerkenswerter Fund ist diese silberne Riemenzunge mit Weinranke.
Novetus

Die Reiter waren schnell, mit ihren wendigen Pferden galoppierten sie über die Steppen des Kaukasus und drangen bis ins östliche Österreich vor: Die Awaren nahmen 567/568 das pannonische Tiefland in Besitz und schafften es, hier ein Reich zu errichten, das erst von Karl, dem Großen (791 bis 797) bezwungen werden konnte. Jetzt wurde als Folge des zweigleisigen Ausbaus der Pottendorfer Linie in Achau ein Gräberfeld entdeckt, das eindeutig den Awaren zugeordnet werden konnte.

Luftbildaufnahmen als die ersten Hinweise

Im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung eines Großprojektes, wie es der Ausbau der Pottendorfer Linie darstellt, seien bereits im Vorfeld umfassende Untersuchungen zum Thema Sach- und Kulturgüter durchzuführen und in einem eigenen Fachbereichsbericht an die Behörde zusammenzustellen, heißt es von den ÖBB. Luftbildaufnahmen aus dem Jahre 2014 und die Tatsache, dass das Getreide an manchen Stellen auf einem bestimmten Acker um mindestens zwei Zentimeter höher wächst als auf anderen Flächen, machten bald klar, dass es sich hierbei um ein Gräberfeld handeln könnte.

2019 führte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine geophysikalische Prospektion durch, bei der die oberste Erdschicht mithilfe eines Bodenradars untersucht wird. Die Ergebnisse bestätigten dichte Reihen von Gräbern.

Im Oktober begannen Mitarbeiter des archäologischen Dienstleisters Novetus unter der Leitung von Michaela Binder von der Universität Wien mit den Grabungen. Bislang entdeckte wurden 23 Gräber – man geht von über 100 Grabstätten aus. Die Funde in Achau entsprechen dem Bild des awarischen Reiterkriegers: den Männern waren als Grabbeigaben Reflexbögen, Pfeilspitzen, Kurzschwerter sowie reich verzierte Waffengürtel mit metallenen Beschlägen mitgegeben worden. Besonders bemerkenswert ist dabei eine fein gearbeitete Gürtelgarnitur mit 40 Beschlägen aus Silber.

Das Fundmaterial, die Skelette und Tierknochen, werden gereinigt, konserviert und von Fachleuten wissenschaftlich untersucht. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Exponate in Form von Publikationen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Durch das Fundmaterial lässt sich das Gräberfeld den Awaren zuordnen, einem frühmittelalterlichen Reitervolk, das zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert n. Chr. über ein Reich mit Zentrum im Karpatenbecken herrschte.

Insbesondere im Wiener Becken finden sich zahlreiche, teils riesige Gräberfelder wie beispielsweise in Mödling (An der Goldenen Stiege) und in Vösendorf (Laxenburger Straße), die von einer dichten Besiedlung im 7. und 8. Jahrhundert zeugen.