Der „Rat auf Draht“ in Hinterbrühl läuft heiß. Die Kinder und Jugendlichen leiden unter der Situation: Es herrscht zunehmend Handlungsbedarf.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer. Erstellt am 05. Mai 2021 (03:44)
„Rat auf Draht“, die Notruf-Hotline von SOS-Kinderdorf hat ihr Chat-Angebot ausgebaut. Thema sind immer mehr die Zukunftsängste der Kinder und Jugendlichen.
Steinard Engeland/Unsplash

„Für Jugendliche waren und sind die Corona-Einschränkungen immer noch besonders belastend“, berichtet Clemens Klingan, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter NÖ: „Wir haben die Ängste und Sorgen unserer Kinder und Jugendlichen intensiv erlebt.“

„Wann darf ich noch mal meine Pubertät haben?“, fragt ein 17-Jähriger aus einer SOS-Kinderdorf Wohngruppe. „Das Virus hat den Computer zu meinem besten Freund gemacht“, erzählt ein 15-Jähriger. Wie groß die Belastung von Jugendlichen ist, zeigen aktuelle Zahlen von „Rat auf Draht“, der Notruf-Hotline von SOS-Kinderdorf. Statt Liebeskummer sind nun Zukunftsängste, Schlafstörungen und Arbeitslosigkeit Themen.

Dringende Maßnahmen sind erforderlich

Die Anrufe zum Thema Angst haben im Vergleich zur Zeit vor Corona um 61 Prozent zugenommen, zu Schlafstörungen um 64 und besorgte Anrufe zum Thema Arbeitslosigkeit um 60 Prozent. „Hier sind dringende Maßnahmen erforderlich. Junge Menschen brauchen jetzt finanzielle Sicherheit, gute Bildungs- sowie Job-Perspektiven und auch ausreichend psychosoziale Versorgung“, weiß Klingan.

Als ersten Schritt zur Stärkung der Jugend fordert SOS-Kinderdorf ein bezahltes Perspektivenjahr für 18- bis 21-Jährige. Viele Jugendliche können aktuell ihre Ausbildung nicht wie geplant abschließen oder der Berufseinstieg verzögert sich. „Für einen gewissen Zeitraum finanzielle Unterstützung zu bekommen, die an keine Bedingungen geknüpft ist, würde ein bisschen Sicherheit zurückgeben“, erklärt Klingan.

Das Jahr war aber nicht nur für die Kinder und Jugendlichen eine Belastung, sondern auch Betreuer und Eltern. Judith Heissenberger, pädagogische Leiterin SOS-Kinderdorf Hinterbrühl erzählt: „Der regelmäßige Schulbetrieb fehlt den Kindern ebenso wie ihre Freunde, das Homeschooling ist eine ziemliche Belastung, auch wenn wir verstehen können, dass Sicherheitsmaßnahmen auch in der Schule wichtig sind.“

Um innerhalb des Dorfes Sicherheit zu gewährleisten, setzt man aufs Testen, vor allem auch bei Besuchen. So wird es den Kindern ermöglicht, auch während der Pandemie ihre Eltern zu treffen.

Wichtig sind auch die Kontakte zwischen den Gruppen. Bisher konnten die Kinder den Spielplatz nur gruppenweise benutzen, hier wird es bald etwas lockerer werden, bei regelmäßigen Testungen und Beachtung der Abstandsregeln.

Nachdem Privatsphäre und persönliche Gespräche im Lockdown zu kurz kamen, hat „Rat auf Draht“ seine Chat-Beratung ausgebaut, sie steht Montag bis Freitag von 18 bis 20 Uhr zur Verfügung.

rataufdraht.at