Ein Jahr, das Sinn macht: FSJ im Bezirk Mödling boomt

Erstellt am 24. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 5 Min
Hanna Pfeiler & Catharina Hornich fahren mit dem Rot-Kreuz-Wagen aus, Jamie Payha unterstützt im Bereich Gesundheit und soziale Dienste. Die NÖN hat nachgefragt, warum.
Werbung
Anzeige

NÖN: Warum habt ihr euch nach der Schule für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden?

Hanna Pfeiler: Das ist eigentlich ganz einfach. Nach der Matura wollte ich mich nicht sofort wieder in das klassische Lernumfeld eines Studiums begeben. Das FSJ hat sich deshalb gut ergeben, weil ich dieses eine Jahr sinnvoll nutzen wollte, um mich persönlich weiterzuentwickeln und auch einen tieferen Einblick in unsere Gesellschaft zu bekommen.

Catharina Hornich: Ich wollte schon immer Medizin studieren, aber weil der Aufnahmetest so schwer zu schaffen ist, habe ich mich einmal für ein Freiwilliges Soziales Jahr beworben und wurde genommen. Ich habe das auch als eine gute Möglichkeit gesehen, die Welt außerhalb des Krankenhauses, vor allem die Erstversorgung kennenzulernen.

Jamie Payha: Ich war für das Bundesheer untauglich, ich wollte aber unbedingt etwas im sozialen Bereich machen. Das hat mich schon immer interessiert, jetzt wollte ich es ausprobieren. Bei der Arbeit mit älteren Menschen kriegt man auch automatisch Sachen aus der Medizin und der Pflege mit, das finde ich auch wahnsinnig spannend. Außerdem wollte ich eine Pause zwischen Schule und Studium und da war das für mich die beste Option.

Wie seit ihr dann zum Roten Kreuz gekommen?

Pfeiler: Ich habe anfangs schon überlegt, es gibt ja viele Möglichkeiten, ein FSJ zu machen. Aber da mein Bruder selbst freiwillig bei der Rettung ist, hat er mir immer wieder davon erzählt und ich habe auch Lust bekommen, diese Erfahrungen zu machen.

Hornich: Für mich war es klar, dass ich zum Roten Kreuz gehen möchte. Es hat sich auch gut angeboten, weil ich aus Guntramsdorf komme und es dort eine Dienststelle gibt.

Payha: Ich habe mich über das FSJ informiert und mir verschiedene Anlaufstellen angeschaut, aber das Rote Kreuz hat mich am meisten angesprochen.

Was macht ihr jetzt? Welche Aufgaben habt ihr?

Pfeiler: Ich fahre auf alle möglichen Einsätze mit und helfe den Menschen. Wir kriegen eine Alarmierung auf unser Handy mit einem Code und Stichworten zur Situation, damit wir uns auskennen. Dann steigen wir innerhalb von einer Minute in das Auto und fahren zum Einsatz und helfen, je nachdem, was die Person eben braucht.

Hornich: Ich bin im Krankentransportdienst und im Rettungsdienst, das ist je nach Dienstplan unterschiedlich. Beim Transportdienst geht es darum, Menschen, die es selbstständig nicht mehr schaffen, zum Arzt zu fahren oder zurück vom Krankenhaus. Beim Rettungsdienst ist es die Erstversorgung in Notfällen.

Payha: Ich bin im Bereich Gesundheit und soziale Dienste. Wir haben ganz viele verschiedene Bereiche, wo ich überall mithelfe, etwa bei Seniorennachmittagen oder Quizrunden. Da geht es darum, mit den Senioren zu plaudern und sich mit ihnen zu unterhalten. In den Bleib.aktiv-Zentren gibt es Möglichkeiten für die älteren Menschen, körperlich und geistig aktiv zu sein. Dann haben wir noch das betreute Wohnen, da leben die Menschen und werden vom Roten Kreuz betreut. Es werden immer wieder Events veranstaltet, damit die Bewohner immer etwas erleben können.

Was gefällt euch am besten an eurer Arbeit?

Pfeiler: Die Arbeit direkt am Menschen. Dass ich weiß, ich helfe einer Person, die gerade Hilfe benötigt. Da spreche ich gar nicht von Großeinsätzen, die vielleicht in der Zeitung stehen, sondern diese Hilfe im Alltag. Ich gehe nach Hause und weiß, ich habe gerade jemandem geholfen und dieser Person den aktuellen Lebensstandard verbessert. Außerdem ist das Rote Kreuz auch wie eine große Familie. Ich habe Freunde gefunden, auf die ich nicht mehr verzichten will.

Hornich: Dass man Leuten helfen kann und dass man zusätzlich einen Einblick in die medizinische Welt bekommt.

Payha: Am besten finde ich die Arbeit mit den Seniorinnen und Senioren, weil man da voll viel zurückbekommt. Man hat sofort ein Feedback und sieht sofort, wenn es ihnen besser geht als davor. Das ist sehr cool.

Gibt es etwas, was euch nicht gefällt?

Pfeiler: Anfangs musste ich mich an das frühe Aufstehen gewöhnen und die langen Dienstzeiten. Ich habe immer 12-Stunden-Schichten, die um 6 Uhr beginnen, dafür stehe ich aber um 4.45 Uhr auf. Ich bin nämlich immer schon um 5.30 vor Ort, weil ich das Auto kontrollieren muss und schaue, ob alle Geräte funktionieren und wir die Artikel haben, die wir brauchen. Um 6 Uhr geht dann erst der Dienst los. Daran hat sich mein Körper aber mittlerweile gewöhnt und es gibt eigentlich nichts, das mir gar nicht gefällt.

Hornich: Ja grundsätzlich, dass man so früh aufstehen muss, aber das ist eh klar.

Payha: Nein, ich mach alles gerne.

Was plant ihr nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr?

Pfeiler: Ich möchte mich weiter für Menschen einsetzen und etwas Soziales machen.

Hornich: Ich möchte Medizin studieren, aber auch weiter beim Roten Kreuz bleiben und zusätzlich die Ausbildung zur Erste-Hilfe-Lehrbeauftragten machen. Das ist eine Zusatzausbildung, mit der man Erste-Hilfe-Kurse geben kann.

Payha: Ich warte gerade noch auf eine Antwort von der Fachhochschule, aber ich würde gerne Radiologietechnologie studieren. Ich will auf jeden Fall mit der Seniorenbetreuung weitermachen.

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage beendet

  • Engagiert ihr euch freiwillig im Sozialbereich?