Guter Wiedereinstieg mit Nestroys "Umsonst". Mit Johann Nestroys Posse "Umsonst" in der Bearbeitung und Regie von Bruno Max hat das Theater zum Fürchten am Sonntagabend im Stadttheater Mödling seinen vom Publikum mit viel erfreutem Beifall honorierten Wiedereinstieg begangen.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 07. Juni 2021 (08:35)
Die Proben laufen: Markus Tavakoli und Teresa Renner in Nestroys „Umsonst“.
Frenzel, Frenzel

Resümee: Das Ensemble hat seine Qualitäten beibehalten. Und das vom Schauspieler-Prekariat handelnde Stück ist natürlich von naheliegender Aktualität.

Reiche Kapitalisten wie der Fabrikant Finster (Jörg Stelling spielt ihn so, dass man beinahe Mitgefühl empfindet für seine familiär stressige Situation), bornierte Provinzler wie der Gastwirt Sauerfaß (trefflich charakterisiert durch Hermann J. Kogler), späte Mädchen (Christina Saginth als überspanntes Fräulein Mispl), Lebens- und sonstige Künstler (ausgezeichnet das Freundesduo Simon Brader als Arthur, der auch den Falco-Sound drauf hat, und Leonhard Srajer als schräger Pitzl) und naive Teenies (Magdalena Hammer als Mündel Emma) bevölkern die Bühne. Und das 130 Minuten lang ohne Pause und ohne Leerlauf.

Dabei erliegt Max auch nicht der Versuchung, allzu sehr die Gegenwart anzusprechen - es liegt ohnehin vieles auf der Hand. So kommen auch die Couplets mit sparsamen Anspielungen aus: mit einem Seitenhieb auf die Gleichstellung von Kultur- mit Vergnügungsbetrieben, mit einer Infragestellung von übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen angesichts des sprichwörtlichen Ziegels, der einem jederzeit auf den Kopf fallen könnte.

Im Pausenintermezzo flimmern Stummfilmvideos in Slapstickästhetik über die Leinwand. Dass der liederliche Bruder im Braunauer Wirtshaus aussieht wie ein gewisser Adolf und zwischendurch drei Bier bestellt, kommt vielleicht etwas flach herüber. Hingegen ist der Einfall originell, den Kellner Schorsch als Inder aus Innsbruck mit orangefarbenem Turban zu interpretieren (Markus Tavakoli). In Doppelbesetzung wirken Christoph Prückner (Theaterdirektor und alter Maushuber), Randolf Destaller (Inspizient und junger Maushuber), Teresa Renner (Schauspielerin und Wirtstochter Sali) sowie Bernadette Mold (Kaffeesiederin und Köchin) mit.

 Stadttheater Mödling: Johann Nestroy, Umsonst. Inszenierung: Bruno Max. U.a. mit Jörg Stelling, Christina Saginth, Simon Brader, Leonhard Srajer, Hermann J. Kogler, Markus Tavakoli. Weitere Vorstellungen bis 20. Juni, Tickets und Information: Tel. 02236/42999, www.theaterzumfuerchten.at