170 Unwettereinsätze nach Sintflut im Bezirk Mödling. Über 150 Feuerehrmitglieder kämpften mit den Wassermassen, Schwerpunkt lag in Vösendorf.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:36)
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Kein Durchkommen kam es nach den sintflutartigen Regengüssen am Samstagabend im Bereich der Unterführung bei der A2-Auffahrt Industriezentrum NÖ-Süd.
FF Wiener Neudorf, FF Wiener Neudorf

Schon nach den heftigen Regengüssen am Samstagfrüh hatten die Feuerwehren im Bezirk Mödling zahlenreiche Einsätze zu verzeichnen, die große Herausforderung stand aber in der Nacht auf Sonntag an. Die Gewitterzellen entluden sich in aller Heftigkeit über viele Gemeinden, ab 20 Uhr waren 150 Feuerwehrmitglieder unermüdlich unterwegs – bis Sonntagnachmittag wurden 170 Einsätze verzeichnet.

Dabei mussten Keller sowie Garagen ausgepumpt und Verklausungen bei Bächen beseitigt werden. Die Schwerpunkte lagen in den Gemeinden Vösendorf (67 Einsätze), Perchtoldsdorf (33 Einsätze), Brunn am Gebirge (14 Einsätze), Breitenfurt (10 Einsätze).

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Ein Einsatzkräfte der FF Hennersdorf bei der Errichtung eines provisorischen Dammes.
FF Hennersdorf, FF Hennersdorf

Vor allem der Petersbach – er entspringt in Perchtoldsdorf, fließt durch Wien-Siebenhirten, Vösendorf, Hennersdorf, Leopoldsdorf, Maria Lanzendorf und mündet dort in die Schwechat – sorgte in Vösendorf für Katastrophenstimmung. Für Bürgermeister Hannes Koza, ÖVP, ein deutliches Zeichen, im Rahmen des Petersbach-Verbandes „nunmehr Wien entsprechend in die Pflicht zu nehmen. Wir können machen, was wir wollen, wenn aber schon von Wien aus die doppelte Menge Wasser heranbraust, sind wir machtlos“.

S1-Retentionsbecken erstmals „bummvoll“

Beunruhigend seien auch die Auswirkungen des Unwetters im Bereich des Retentionsbeckens der S1 gewesen, schildert der Ortschef: „Das war zum ersten Mal bummvoll. Man kann also vom Ausmaß eines 100-jährigen Hochwassers sprechen.“

In einer Vösendorfer Wohnhausanlage musste zur Erkundung des Wassereintritts sogar ein Atemschutztrupp in die Tiefgarage geschickt werden, weil der Austritt einer unbekannten Chemikalie vermutet wurde. Im Industriezentrum NÖ Süd musste zweimal an einem Tag die Unterführung der Autobahnausfahrt gesperrt werden. Ein Pkw hatte versucht, sich den Weg durch die Wassermassen zu bahnen, blieb stecken und musste von der FF Wiener Neudorf geborgen werden.

Alarmierungen gab es für die Feuerwehren Hennersdorf, Wiener Neudorf, Biedermannsdorf, Laxenburg, Hinterbrühl, Maria Enzersdorf und Wiener Neudorf. In Hennersdorf musste ein Damm gesichert werden, diese Maßnahme verhinderte weitere Überschwemmungen.

Die Bezirksalarmzentrale der Mödlinger Feuerwehren war zeitweise mit einem zweiten Disponenten besetzt, hier wurden auch rund 80 Notrufe aus den Bezirken Amstetten und Krems zusätzlich abgearbeitet.

Bezirksfeuerwehrkommandant Michael Bruckmüller, der mit seiner Breitenfurter Feuerwehr selbst im Einsatz stand, bedankte sich bei den Kräften auch für das „ortsübergreifende Zusammenspiel. Rund um die Gebiete mit vielen Einsätzen zog man jeweils Feuerwehren aus den Nachbarorten hinzu – hier hat sich einmal mehr das flächendeckendende Netzwerk der Freiwilligen Feuerwehren bewährt“. Was die Gerätschaft betrifft, sei man für Hochwasserereignisse „sehr gut aufgestellt. Die Feuerwehren verfügen über viele kleinere Pumpen, zudem stehen in Achau, Perchtoldsdorf und Brunn am Gebirge Großpumpen zur Verfügung“.

Auch Private sollten Vorkehrungen treffen

Die dramatischen Stunden im Bezirk sowie die schrecklichen Bilder aus Belgien, Niederlande, Deutschland und Österreich würden allerdings zeigen, dass auch die Bevölkerung sensibilisiert werden muss, Vorkehrungen zu treffen, wenn große Regenmengen angekündigt sind: „Wohnt man beispielsweise neben einem Bach oder weiß, dass es im eigenen Wohngebiet immer wieder zu Überschwemmungen kommt, kann man kleine Mengen Wasser mit einer Pumpe aus dem Baumarkt beseitigen“, betont Bruckmüller.

Denn die Feuerwehren seien im Fall des Falles nicht imstande, alle Einsätze gleichzeitig abzuarbeiten. Ebenso sei es ratsam, allfällige Baumängel im Vorfeld zu beheben. „Es ist oft eine fehlende Dichtmanschette, die zu massivem Wassereintritt führt“, gibt Bruckmüller zu bedenken.

Perchtoldsdorfer im Belgien-Einsatz

Florian Steiner von der FF Perchtoldsdorf, Abschnittssachbearbeiter „Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation“, saß am Mittwochvormittag bei einer Besprechung in Tulln, als der mögliche Hilfseinsatz in Belgien aufpoppte. Dann sei alles ganz rasch gegangen, am Nachmittag war Steiner bereits unterwegs ins Katastrophengebiet nach Lüttich. In erster Linie als Berichterstatter, aber auch als Helfer. Bei Evakuierungen und der Suche nach Vermissten. „Bei unserer Ankunft war von den immensen Wassermassen nicht mehr viel zu sehen. Wir haben auch nicht alle 26 Boote eingesetzt“, schildert Steiner.

Unermüdlicher Einsatz - 170 Unwettereinsätze nach Sintflut im Bezirk Mödling
Florian Steiner (2.v.l.) aus Perchtoldsdorf beim Treffen mit König Philippe und Königin Mathilde von Belgien. 
Matthias Fischer

Eines bleibt ihm aber in Erinnerung: Die Begegnung mit König Philippe und Königin Mathilde von Belgien, die sich höchstpersönlich vor Ort bei den österreichischen Rettern bedankten.

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