In Gefangenschaft: Papageien sind kein Spielzeug. Ob Ara, Graupapagei oder Wellensittich: von artgerechter Haltung sind die meisten Vögel entfernt.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 28. Februar 2021 (03:22)
Natalie Gawin von der ARGE Papageienschutz gibt Kakadu Popej, liebevoll „Popperl“ genannt, ein Leckerli. Jeder Papagei braucht maximale Aufmerksamkeit und einen guten Freund in der Voliere, sonst beginnt er sich zu rupfen, wie hier am Bild bei „Popperl“ zu sehen ist.
Jandrinitsch

Kakadu „Poppej“ sieht etwas gerupft aus, hier in der Voliere der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Papageienschutz, untergebracht auf dem Areal von Tierschutz Austria (TSA) in Vösendorf. Natalie Gawin und Julia Bellmann sind jeden Tag mit Papageien wie „Popej“ konfrontiert, die sich aus Verzweiflung über ihre Haltungsbedingungen begonnen haben, die Federn selbst auszureißen.

Denn obwohl es meldepflichtig ist, wenn jemand einen Papagei bei sich aufnimmt, halten sich viele nicht daran, setzen ihre Vögel für Jahre alleine in einen viel zu kleinen Käfig und kümmern sich zu wenig um die intelligenten Tiere.

Die Folgen sind, dass sich die Tiere sogar beginnen, selbst zu verstümmeln. Wie Popej. „Wenn ein Vogel rupft, dann rupft er. Auch wir können dann nicht mehr viel tun, um ihm das abzugewöhnen“, sagt Bellmann.

Und was viele Menschen, die sich einen Papagei anschaffen, ebenfalls nicht bedenken: „Papageien werden 50, 60 Jahre alt. Oft überleben sie ihre Besitzer oder diese kommen in ein Alter, in dem sie sich nicht mehr ausreichend um die Vögel kümmern können. Aber der häufigste Grund, warum Papageien bei uns abgegeben werden ist, weil sie ohrenbetäubenden Lärm machen können“, ergänzt Gawin.

Kein Verständnis der Nachbarn gegeben

Ein Ara-Paar wurde aus diesem Grund bei der ARGE Papageienschutz abgegeben. „Diesen Besitzern hat es wirklich das Herz gebrochen“, erzählt Bellmann. „Es zogen neue Nachbarn ein, die sich von den Papagei-Geräuschen belästigt fühlten.“ Wenn Gawin und Bellmann sich einem bestimmten Papagei zuwenden, beginnen andere, lautstark um Aufmerksamkeit zu buhlen. „Papageien haben das Intelligenzniveau eines sieben-, achtjährigen Kindes. Nur Kinder werden irgendwann einmal erwachsen, Papageien bleiben immer Kinder“, erläutert Gawin, was die Haltung so herausfordernd macht. Beide verstehen nicht, warum Papageien überhaupt gehalten werden dürfen, denn „sie sind Wildtiere, keine Haustiere“.

180 Papageien leben in den Volieren der ARGE, und wenn man hört, welchen Lärm diese Vögel machen können, wird klar, warum es so schwierig ist, ein neues Heim für die Vögel zu finden. ARGE-Gründerin Nadja Ziegler meint: „Es ist eine Herausforderung, ein Grundstück zu finden, das abseits von Nachbarn liegt und so groß ist, um ein Gebäude für 180 Vögel zu bauen.“ Hoffnungen, die potenzielle Vermieter weckten, erfüllten sich bis jetzt nicht. Auch wenn TSA unmissverständlich klar gemacht hat, dass das Tierschutzhaus Vösendorf den Gebäudeteil der ARGE, von der Altlast im Erdreich noch am meisten verschont, selbst dringend braucht. Präsidentin Madeleine Petrovic erklärt: „Es war von Anfang an klar, dass die ARGE in diesem Gebäudeteil nur temporär untergebracht werden kann. Die ARGE ist mittlerweile seit 2008 bei uns eingemietet.“

Ziegler bekräftigt: „Wir suchen seit 2008 ein Grundstück, doch für unsere Zwecke ein geeignetes zu finden, ist aufgrund der Haltungsbedingungen für Papageien eben sehr schwierig.“

Die ARGE betätigt sich darüber hinaus auch als „Partnerbörse“. „Wir nehmen Papageien aus Einzelhaltungen bei uns für kurze Zeit auf und schauen, ob sich ein passender Gefährte findet“, berichtet Ziegler.