Endloses Warten auf den Gnadenschuss. Ein schwer verletztes Reh schleppt sich in den Wald: Bis jemand gefunden wird, der es erlösen „darf“, vergehen drei Stunden.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer. Erstellt am 01. September 2016 (07:09)
NOEN, Taschler
Bezirksjägermeister JohannesUnterhalser.

Einem Autofahrer passierte das, was sich niemand wünscht: in Weissenbach krachten zwei Rehe ins Fahrzeug. Eines verendete sofort, das andere schleppte sich schwer verletzt ins Gebüsch. Um dem Tier ein qualvolles Ende zu ersparen, versuchte man, den zuständigen Jagdpächter zu erreichen.

„Das war mit großen Schwierigkeiten verbunden“, so Ortsvorsteher Jörg Preiss, ÖVP. Doch der „war nur mit großer Mühe ausfindig zu machen und auch nicht in der Nähe, daher konnte er sich nicht um das Tier kümmern.“ Ergo wurde die Exekutive informiert. Diese machte geltend, dass sie das Tier nicht erschießen dürfen, das sei Angelegenheit der Jäger.

Dann hatte die stundenlange Qual endlich ein Ende. Dem Jagdpächter gelang es, einen anderen Jäger aus dem Ort zu erreichen, der das Tier erlöste. Preiss ärgert sich: „Hier geht es nicht um eine generelle Handlungsstrategie, denn das kann immer wieder passieren. Wenn eine Katze auf dem Baum sitzt, kommt die Feuerwehr, und ein Wildtier lässt man endlos leiden. Das kann es doch nicht sein.“

Kommunikationswege verkürzen

Bezirksjägermeister Johannes Unterhalser tut die Causa „sehr leid. Es ist schlimm, dass es in diesem Fall so lange gedauert hat, meines Erachtens darf die Exekutive in so einem Fall sehr wohl schießen, ansonsten liegen bei allen Dienststellen ja auch Listen auf, wer zu alarmieren ist. Normalerweise geht das auch viel schneller, ich bin selber dreimal pro Woche bei solchen Dingen im Einsatz.“

Auch das Feststellen der Reviergrenzen und somit der Zuständigkeiten sei immer ein Problem, man sei allerdings daran, die Kommunikationswege zu verkürzen.

Reaktion

„Rein rechtlich ist der Waffengebrauch gegen Tiere nur dann vorgesehen, wenn diese eine Gefahr für Menschen darstellen. Fangschüsse dürfen Polizisten grundsätzlich nicht setzen. Wenn allerdings kein zuständiger Jäger erreicht werden kann und das Tier unnötig leiden muss, setzen immer Polizisten aus Gründen der ,Menschlichkeit’ den Fangschuss“,
Oberst Peter Waldinger, Bezirkspolizeikommandant