Karl Gruber ist Mr. RegiowikiAT

Erstellt am 22. Juni 2022 | 06:00
Lesezeit: 3 Min
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Karl Gruber (l.) ist Begründer von Regiowiki, Johannes Feichtinger (r.) schreibt seit zehn Jahren für das Online-Lexikon. Für seine unermüdlichen Bemühungen um die Online-Enzyklopädie wird Gruber demnächst im Landhaus geehrt.
Foto: JJ
Karl Gruber ist Mitbegründer von RegiowikiAT. Jetzt steht Ehrung an.
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Mit dem Postshuttle fuhr Karl Gruber von Weissenbach bei Hinterbrühl nach Münchendorf, um seinen Regiowiki-Kollegen Johannes Feichtinger zu besuchen. Gruber zählt zu jenen Autoren, die seit 2003 für das Lexikon Wikipedia schreiben. Allerdings bemerkte er bald, „dass die Deutschen bei Wikipedia in der Überzahl sind. Da geraten die Österreicher leicht ins Hintertreffen“. Denn die überregionalen Angelegenheiten werden zumeist von Deutschen geschrieben.

Gruber war es ein Anliegen, die regionalen österreichischen Spezifika sichtbarer zu machen. Mit einem Mitstreiter aus der Wikipedia-Community und einem Sponsor in der Steiermark ergab sich 2013 die Möglichkeit eines lokalen Wiki, das sich ausschließlich um österreichische Belange drehen sollte.

Ehrenamtliches Schreiben macht süchtig

„Das Projekt RegiowikiAT startete im November 2013“, sagt Gruber, der gesteht, „dass das ehrenamtliche Schreiben für Wikipedia und Regiowiki süchtig macht“. Das bestätigt auch Feichtinger, der sich auf österreichische Adelsgeschlechter spezialisiert hat.

Wobei es dauere, bis man in die Welt von Wikipedia hineinwächst. „Denn das, was im Internet als Eintrag für alle lesbar ist, ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs.“ Seit 2007 müssen Artikel, die nicht trivialer Natur sind, auch entsprechend belegt sein. „Ich schreibe nur belegtes Wissen, nicht eigenes Wissen“, sagt Gruber. Allerdings muss dieses Wissen publiziert sein, an die Grenzen stoßen Gruber und Feichtinger, wenn es um Primärquellen geht.

Gruber betrachtet das entstandene Projekt Regiowiki nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu Wikipedia, „wie ich es gerne bezeichne, als Verhältnis von Heimatbuch zu Enzyklopädie“.

Recherchen sind sehr oft sehr lehrreich

Mittlerweile gibt Gruber auch Seminare auf der Universität Wien, „damit auch die Kommunikationsstudenten lernen, wie Wikipedia funktioniert“. Für ihn Gruber selbst ist die Tätigkeit für Wikipedia „persönlich sehr bereichernd und lehrreich, vor allem über die Recherche zu gewissen Themen habe ich sehr viel über die österreichische Geschichte gelernt“. Aktuell schreiben 20 bis 25 ehrenamtliche Autoren für Regiowiki.

Seit der Gründung 2013 hatte die Plattform 105 Millionen Zugriffe, „das muss erst einmal einer zusammenbringen“, sagt Gruber. Als Autor für Regiowiki muss man übrigens registriert sein, ein Unterschied zu Wikipedia.

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