Neuer Amtsleiter: Kritik an der Doppelrolle. Dass mit Patrick Lieben-Seutter ein ÖVP-Gemeinderat den Job erhalten hat, kommt bei der Opposition nicht gut an. Probezeit vorerst bis Dezember.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 26. Juli 2020 (05:58)
Patrick Lieben-Seutter (l.) mitBürgermeisterHerbert Janschka.
Gemeinde

Der Unternehmensberater Patrick Lieben-Seutter (54), ist geschäftsführender ÖVP-Gemeinderat, Referent für Personal und Sonderprojekte – und nunmehr auch Amtsleiter. Schon 2017 war er drauf und dran, die Nachfolge von Helga Reinsperger anzutreten.

Er war unter den Top-5-Personen, die für den Job vorgeschlagen wurden, der damalige Bürgermeister-Stellvertreter Robert Stania, FPÖ, war der Auffassung, man sollte Lieben-Seutter „eine Chance geben“. Die SPÖ zweifelte „nicht an der Person, sondern am Verfahren“, merkte Christian Wöhrleitner an. Just vom damaligen ÖVP-Koalitionspartner, dem Umweltforum, kam ein klares Nein. „Der Amtsleiter muss politisch neutral sein“, begründete Elisabeth Kleissner anno 2017 die Ablehnung. Bürgermeister Herbert Janschkas, ÖVP, Appelle – „Die Abteilungsleiter haben sich für ihn ausgesprochen. Er kennt uns, wir kennen ihn – die Harmonie am Arbeitsplatz ist bei ihm garantiert“ – verhallten damals ungehört. Der Jurist Peter Klumpp, zuvor Stadtamtsdirektor-Stellvertreter in Mödling, wurde Amtsleiter. Mittlerweile hat sich Klumpp in die Privatwirtschaft verabschiedet, Janschka seinen Wunschkandidaten erneut ins Gespräch gebracht und durchgesetzt.

„Ich brauche eine Persönlichkeit, die ins und zum Team passt“, begründet Bürgermeister Herbert Janschka, ÖVP, die Entscheidung

Stania, der Lieben-Seutter vor drei Jahren noch „eine Chance geben“ wollte, wetterte jetzt gegen die Bestellung: „Ist Patrick Lieben-Seutter vormittags Amtsleiter und am Nachmittag politischer Mandatar der ÖVP? Und was sollen sich Bürger denken, die mit ihm sprechen? Ist er jetzt gerade ÖVP-Funktionär oder neutraler Amtsleiter?“

Vizebürgermeister Wolfgang Tomek, SPÖ, bleibt skeptisch: „Oberglücklich sind wir nicht. Die Qualifikation von Patrick Lieben-Seutter ist sicher okay, was die Unabhängigkeit betrifft, haben wir allerdings große Bedenken.“ Tomek geht davon aus, dass Lieben-Seutter nach der 6-monatigen Probezeit zumindest das Mandat zurücklegen werde. UFO-Vertreter waren bei der Abstimmung nicht im Saal.

Janschka, seit Jänner mit der Absoluten ausgestattet, rechtfertigt die Personalentscheidung im NÖN-Gespräch so: „Ich habe aufgrund des Auswahlverfahrens eine Persönlichkeit vorgeschlagen, die aus meiner Sicht die beste, kostengünstigste und stimmigste Variante ist. Ich brauche eine Persönlichkeit, die ins und zum Team passt und meinen Ansprüchen zur Führung eines modernen Gemeindeamtes, das für mich ein Dienstleistungsunternehmen ist, entspricht.“

Der Amtsleiter sei nun einmal die rechte Hand des Bürgermeisters. Zudem habe Lieben-Seutter „das Auswahlverfahren zum zweiten Mal gewonnen“. Dessen momentane Doppelrolle komme auch nicht teuer, betonte Janschka. Es handle sich während der Probezeit (bis Ende November) um einen 30-Stunden-Job, der Amtsleiter werde keine Überstunden verrechnen – alle Mehrleistungen seien de facto in der Gemeinderatsaufwandsentschädigung verpackt.

Entschädigung für politische Querelen

Patrick Lieben-Seutter kann „nur sagen, dass mich der unglaublich positive Empfang durch die 200 Mitarbeiter der einzelnen Dienststellen, allen voran durch die Abteilungsleiter, für die mit der Bestellung verbundenen politischen Querelen mehr als entschädigt hat“.