Durchgang für die Hasen bei Pottendorfer Linie. ÖBB achteten im Zuge des Pottendorfer Linie-Ausbaus auch auf den Wildwechsel.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 01. März 2021 (02:12)
Ein Hase macht sich auf, die B 16 unterirdisch zu queren.
ÖBB/Verena Kowarc

Im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Pottendorfer Linie spielt das Thema „Ökologie“ eine große Rolle. So setzten die ÖBB zahlreiche Begleitmaßnahmen für Flora und Fauna, die man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt und auch nicht primär mit einem Bahnprojekt in Verbindung bringt.

Bereits 2019 errichteten die ÖBB im jetzt voll ausgebauten Abschnitt Hennersdorf-Münchendorf Querungshilfen und Wildtierdurchlässe.

ÖBB-Sprecher Christopher Seif freut sich: „Nun sind erste Erfolge dieser Anstrengungen zum Schutz von Wildtieren zu verzeichnen.“ Die Wildtierkameras liefern Beweise, dass die Durchgänge von Hasen, Rebhühnern, Fasane & Co. auch genutzt werden.

Münchendorfs Hegeringleiter Franz Ehrenberger bestätigt: „Die ÖBB haben für Niederwild, also Wildtiere wie etwa Fuchs, Hase, Rebhuhn, Fasane und Kaninchen Wilddurchlässe errichtet, damit diese Tiere möglichst gefahrlos die Straße überqueren können.“ Querungshilfen entstanden bei der Eisenbahnbrücke über den Petersbach in Hennersdorf sowie an der Eisenbahnbrücke über den Mödlingbach in Achau.

Die Eisenbahnbrücken wurden so gestaltet, dass sie für Wildtiere eine natürliche Möglichkeit bieten, die Bahnstrecke zu unterqueren. Die Brückenwiderlager wurden nach außen geschoben, entlang der Ufer beidseits Wanderpfade aus natürlichen Materialien für Wildtiere errichtet. Zusätzlich zu den Querungshilfen entstanden auch zwei Kleintierdurchlässe mit wesentlich geringerer Höhe und Weite (1 mal 1 Meter).

Niederwild nutzt den Durchgang sehr gerne

Frequentiert werden die Schutzbauten von Füchsen, Mardern, Feldhasen, Dachsen, Mauswieseln, Eidechsen, Fischottern, Rehwild, und Fasanen. Um den Rehen mehr Schutz bei der Querung von viel befahrenen Straßen wie etwa der B16 zu bieten, hat die Jägerschaft zusätzliche Schutzmaßnahmen umgesetzt, wie Ehrenberger erklärt: „Wir haben die Seite gegenüber der Lärmschutzwände eingezäunt. Das hat die Anzahl der Rehe, die von einem Zug erfasst werden, drastisch reduziert. So sind bis jetzt nur drei Stück Fallwild zu beklagen.“

Außerdem setzt die Jägerschaft auf spezielle Reflektoren mit einem integrierten akustischen Signal, die in der kalten Jahreszeit auf den Schneestangen neben der Straße angebracht sind. Von Autoscheinwerfern angestrahlt, reflektieren sie blaues Licht, das vom Lenker nicht wahrgenommen wird, das Wild hingegen abschreckt.

Die Unfälle, in denen ein Wildtier verwickelt ist, gingen seit dem Anbringen der Reflektoren um rund 40 Prozent zurück. Angebracht wurden diese entlang der B16 zwischen Münchendorf und Achau, der Landesstraße 154 von Münchendorf nach Laxenburg und der Landesstraße 2005, die von Münchendorf Richtung Velm führt.

Zwei Drittel der Kosten für diese Maßnahmen übernahm der Bund, ein Drittel die Straßenverwaltung, Reflektoren, die verloren gehen, bezahlt die Jägerschaft.

Daher zieht Ehrenberger wie folgt Bilanz: „Das Leid der Wildtiere kann durch diese Maßnahme leicht reduziert werden. Man muss bedenken, dass etwa Rehe, die von einem Auto angefahren werden, oft nicht sofort tot sind, sondern qualvoll verenden. Darum wünsche ich mir, dass auch die Kfz-Versicherungen hier einen finanziellen Beitrag leisten würden.“